Würzburg/Schweinfurt

Klimawandel: Leiden Allergiker jetzt früher?

Wer einen Blick in die Natur wirft, sieht Bäume und Sträucher in voller Blüte, die jetzt noch gar nicht blühen sollten. Was dies jetzt für Allergiker bedeutet.
Gerade sind sie in voller Blüte: Obstbäume in Sommerhausen (Lkr. Würzburg).
Gerade sind sie in voller Blüte: Obstbäume in Sommerhausen (Lkr. Würzburg). Foto: Johannes Kiefer

"April, April, der weiß nicht, was er will", lautet die Zeile eines bekannten Frühlingsgedichts. Was früher noch die Norm war, stimmt mittlerweile nicht mehr. Laut Aussage des Deutschen Wetterdienstes war der April in den vergangenen elf Jahren zu trocken und in den vergangenen 20 Jahren zu warm. Diese Witterungsbedingungen bescheren der Vegetation in Mainfranken Probleme.

Pflanzen, die einst erst Ende des Frühjahrs in die Blüte kamen, blühen laut Hubert Siegler von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim im Landreis Würzburg mittlerweile Tage oder sogar Wochen zu früh. Generell habe sich die Vegetationszeit von Blumen, Gräsern, Sträuchern und Bäumen in den vergangenen Jahren immer weiter nach vorne verschoben. Leiden damit auch Allergiker früher?

"Insgesamt werden Allergiker über die Jahre mehr leiden müssen als jetzt."
Allergologe Cihan Yüksel

Die Tendenz dazu sei da, sagt der Allergologe Cihan Yüksel vom Medizinischen Versorgungszentrum Leopoldina aus Schweinfurt. "Die Zeiträume für Allergiker werden früher anfangen und später aufhören. Insgesamt werden Allergiker über die Jahre mehr leiden müssen als jetzt." Wer eine Pollenallergie hat, reagiert auf ein bestimmtes Protein in den Pollen, ein Allergen. "Der Proteingehalt der Pollen hat in den letzten Jahren zugenommen und dadurch auch die Stärke der Pollenbelastungen", erklärt Yüksel. Patienten müssten deswegen mit stärkeren Allergien rechnen.

Zukünftig neue Allergien in der Region

Durch den Klimawandel würde sich jedoch nicht nur der Zeitraum ausweiten, in dem Menschen allergisch auf bestimmte Pollen reagieren können, sondern auch das Verbreitungsgebiet der Pflanzen. Der Allergologe sagt: "Das ist ähnlich wie bei einer Mücke, die nur in Sizilien vorkommt, jetzt aber auch in Bayern gefunden wird. Es werden sich Pflanzen festsetzen, die es hier bisher nicht gab. Dadurch entwickeln die Menschen dann auch neue Allergien. Da reden wir aber von Jahrzehnten." 

Die meisten Menschen seien auf die kleinen, leichten Pollen allergisch, die von so genannten Windbestäubern stammen, sagt Tim Stelzer, Allergologe aus Würzburg. Das sind Pflanzen, bei denen die Pollen mit Hilfe des Windes übertragen werden. Dazu zählen beispielsweise auch Birke, Erle und Hasel, auf deren Pollen etliche Menschen allergisch reagieren. Große, schwere Blüten, wie es bei Kirsch- oder Apfelbäumen der Fall ist, werden meist von Insekten bestäubt. "Allergien auf insektenbestäubte Pflanzen sind eher selten", so Stelzer.

Tierische Helfer retten die Blüte

Unter den veränderten Vegetationszeiten leiden nicht nur Allergiker. Auch die Obstbäume der Region leiden darunter, sagt Thomas Riehl, Obstbaubeauftragter beim Landesamt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen. Los geht es bei Aprikosenbäumen, dann blühen die Pfirsiche und auch die Apfelblüte sei im Schnitt zwei bis drei Wochen früher dran als noch vor 30 Jahren. Die frühe Blüte schadet den Pflanzen, denn je eher ein Baum blüht, desto größer wird die Spätfrostgefahr. Fallen die Temperaturen nachts auf Null Grad, können die Blüten Frostschäden erleiden und im schlimmsten Fall absterben. "Die Leute sagen immer, man kann im Klimawandel ja alles anbauen, aber der Fall ist genau umgekehrt", so Riehl. "Man muss aufpassen, was man anbaut."

"Früher hat alles in einer bestimmten Reihenfolge geblüht", sagt Siegler. "Die Bienen und Hummeln kommen gar nicht mehr nach, weil alles so schnell, massiv, aber zu kurz blüht." Um den Verlust durch Frostschäden aufzufangen und die Bestäubung der Bäume zu sichern, nutzen einige Obstbauern ein tierisches Hilfsmittel – Mauerbienen. Die Wildbienenart bestäubt die Bäume noch vor den bekannteren Honigbienen, denn letztere fliegen erst bei wärmeren Temperaturen.

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