WÜRZBURG

Knappe Entscheidung: Stadt tritt aus der Metropolregion wieder aus

Ja zu Mainfranken, nein zu Nürnberg: Würzburg setzt auf sein Ego statt auf Vernetzung. Statt sich aktiv in die Metropolregion Nürnberg einzuklinken, hat der Stadtrat den Austritt aus dem kommunalen Bündnis beschlossen. Ihm gehören zahlreiche Städte und Landkreis Nordbayerns an.
7000 Euro Mitgliedsgebühr spart sich die Stadt damit im Jahr. Dafür, so Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD), „stehen wir nun im Abseits“.

Er hatte eindringlich für eine aktive Mitarbeit Würzburgs in der Metropolregion geworben. Vergebens. Schon jüngst im Hauptausschuss hatte sich eine knappe Entscheidung abgezeichnet. Nun wurde der Austritt mit 26 zu 21 Stimmen besiegelt.
 
Bis dato war die Stadt passives Mitglied: Sie zahlte, zog aber keinerlei Vorteil daraus. An den Fachforen etwa zum Tourismus oder zur Wissenschaft war sie nicht beteiligt. „Das ist der schlechteste denkbare Zustand“, mahnte Rosenthal.

Seine Vorgängerin Pia Beckmann (CSU) hatte einst die Stadt zum Mitglied erklärt, ein Ratsmandat dafür fehlte. Ein Schwebezustand, der beendet werden sollte.

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Es war zuvorderst Beckmanns eigene Partei, die mit 17 Stimmen geschlossen (Beckmann fehlte) Würzburg wieder aus der Metropolregion herausbugsierte – ohne ihre ablehnende Haltung mit einem Wort zu begründen.

Treu bleibt sich die CSU insofern, als sie bereits bei einem Regionalparteitag ihren Kurs beschrieb: Würzburg solle sich weder der Metropolregion Nürnberg noch Frankfurt anschließen, sondern die Integration in Mainfranken suchen, hieß es damals.

Unterstützung fand diese Position im Stadtrat bei der WL, bei ÖDP, FWG sowie Teilen von FDP und Grünen. Für ein Mitwirken in dem Verbund sprachen sich auf der anderen Seite die komplette SPD, der Großteil der Grünen, Bürgerforum, Linke und FDP-Mann Graf aus.

„Wir werden doch nicht aufgefressen.“

Georg Rosenthal Oberbürgermeister

Bundesweit haben sich elf Europäische Metropolregionen formiert und schließen drei Viertel der deutschen Bevölkerung ein. Würzburg ist geografisch umkreist von den Metropolregionen Stuttgart, Frankfurt/Rhein-Main und eben Nürnberg.

Letzterer gehören aktuell zwölf kreisfreie Städte und 21 Landkreise an. Ziel der Bündnisse ist eine gemeinsame Stärkung in Wirtschaft, Wissenschaft, Verkehr und Kultur.

Den Gegnern einer Würzburger Beteiligung war solche Symbolik egal. Einen greifbaren Gewinn will zum Beispiel Karin Miethaner-Vent (Grüne) nicht erkennen:„Wir wären am Rand und damit das fünfte Rad am Wagen.“ Wortführer der Kritiker war FDP-Bundestagsabgeordneter Joachim Spatz.

Hatte er noch vor drei Jahren den Anschluss Würzburgs an die Metropolregion Frankfurt gefordert, warnte er nun vor einem Würzburger Alleingang. Vielmehr solle das Thema in der neuen Region Mainfranken GmbH diskutiert werden. Diese befindet sich gerade in Gründung und soll die bisherige – weitgehend zahnlose – Chancenregion Mainfranken ablösen.

Für diese Integration mit kleinerem Radius herrscht im Stadtrat absolute Einigkeit. Der Beschluss fiel ohne Gegenstimme. Den Vorsitz der neuen GmbH soll OB Rosenthal übernehmen.

Er hätte Würzburg zusätzlich gerne im Netzwerk der Metropolregion gesehen und versuchte Ängste zu zerstreuen: „Das heißt nicht, dass die Nürnberger Bratwurst die Würzburger ersetzt. Wir werden doch nicht aufgefressen.“

Ob die neue Mainfranken GmbH sich auf den Weg Richtung Nürnberger Verbund macht, ist unterdessen fraglich. Vor einen enormen „Zeitverzug“ warnte SPD-Fraktionschef Hans-Werner Loew. Tatsächlich scheint angesichts der Widerstände gegen die Metropolregion aus dem Landkreis Würzburg und aus Schweinfurt der Zug erst einmal abgefahren.

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