Würzburg

Kolumne zur Wahl: Wenn die halbe Familie Bürgermeister ist

Sich im Internet für Wahlerfolge feiern lassen, kann jeder. Aber wie umgehen mit der Niederlage? Da zeigen sich die unterschiedlichen Charaktere, meint unser Kolumnist.
Herr Czygan wählt
Foto: Daniel Biscan | Herr Czygan wählt

Noch eine knappe Woche dauert es, bis auch die letzten Wahlentscheidungen gefallen sind. Der Wahlkampf läuft in diesen Corona-Zeiten auf extremer Sparflamme: Nur in den sozialen Medien sind die Kandidatinnen und Kandidaten aktuell noch unterwegs, um ein wenig zu werben. Übertreiben will dabei niemand, wohl wissend, dass die Sorge vor der Ausbreitung von Corona derzeit das alles beherrschende Thema für die Menschen ist.

Bleibt der Blick auf die Ergebnisse der ersten Wahlrunde. Auffällig dabei in diesen Krisenzeiten: Viele Amtsinhaber sind, soweit sie wieder angetreten sind, in aller Regel wiedergewählt worden – und das häufig sogar mit Traumergebnissen. Die Bürger in Unterfranken setzen auf das Bewährte, selbst dann, wenn die Landräte den Freien Wählern (wie Tamara Bischof in Kitzingen), den Grünen (wie Jens Marco Scherf in Miltenberg) oder gar der SPD (wie Florian Töpper in Schweinfurt) angehören.

Die FDP im Kreistag von Würzburg ist reine Familienangelegenheit: Sohn Florian (links) und Papa Wolfgang Kuhl
Foto: Dominik Konrad | Die FDP im Kreistag von Würzburg ist reine Familienangelegenheit: Sohn Florian (links) und Papa Wolfgang Kuhl

Ob Familienangehörige gemeinsam auf Listen kandidieren sollten, darüber hat die Redaktion vor dem Urnengang kontrovers diskutiert. Hier und da sind nun tatsächlich Verwandte gemeinsam in die Gremien gewählt worden. So besteht die zweiköpfige FDP-Truppe im neuen Würzburger Kreistag  allein aus der Familie Kuhl: An der Seite von Papa Wolfgang sitzt künftig Sohn Florian. 

Aber auch über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg lassen sich in der Kommunalpolitik verwandtschaftliche Beziehungen ausmachen: Während Birgit Börger als Bürgermeisterin der Gemeinde Prosselsheim im Landkreis Würzburg im Amt bestätigt wurde, setzte sich ihre Schwester Sibylle Säger im nahen Nordheim, das bereits zum Landkreis Kitzingen gehört, erstmals durch. Beide Schwestern kandidierten für die CSU. Und nicht nur dies: Tobias Klembt, der Sohn der Cousine der beiden, ist neuer Bürgermeister in Helmstadt (Lkr. Würzburg). Auch er ist CSU-Mann. Das riecht nach einer Bürgermeister-Dienstbesprechung bei der nächsten Familienfeier.  

Hadern mit der Niederlage

Dass Facebook, Twitter und Co. gerne genutzt wurden, um Wahlerfolge zu feiern, ist klar. Viel interessanter zu lesen ist indes, wie sich die Wahlverlierer äußern. Da gibt es Kandidaten wie den Würzburger SPD-Mann Jojo Schulz, der sich für "sechs spannende Jahre" bedankt und seinen Nachfolgern ganz einfach "toitoitoi für unsere schöne Stadt" wünscht. Da gibt es den Veitshöchheimer SPD-Bewerber Abdu Bilican, der sich gleich in Sack und Asche wirft. Er sei sehr enttäuscht von dem Ergebnis und seiner eigenen Leistung, schreibt er, kriegt dann aber doch noch die Kurve: "Wir sind nicht am Ende. Es fängt jetzt erst gerade an."

Und da gibt es einen CSU-Kandidaten in der Rhön, der im Nachhinein noch einmal mit dem schlechten Listenplatz hadert, auf den ihn seine Parteifreunde gesetzt hatten. Erst sei er aus der Feuerwehr rausgemobbt worden und nun aus der Kommunalpolitik, schreibt er. Wohl wissend, dass er halt einfach nicht genügend Stimmen auf sich vereinen konnte. Nett auch der Kandidat im Ochsenfurter Gau, der bis zum Wahltag fast täglich um Stimmen warb, seitdem aber beharrlich schweigt. Statt seiner ziehen nämlich die Parteikollegen in den Gemeinderat ein.

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