Würzburg

Kommentar: Beim Wasserschutzgebiet wird Vertrauen verspielt

Nach 30 Jahren Planung plötzlich eine Drohung? Warum Gemeinden aus dem Landkreis Würzburg zu Recht sauer sind.
Das Wasserschutzgebiet 'Zeller Quellen', das der Hälfte der Bevölkerung Würzburgs sauberes Trinnkwasser garantiert, soll bald von sieben auf 66 Quadratkilometer erweitert werden. 
Foto: Patty Varasano | Das Wasserschutzgebiet "Zeller Quellen", das der Hälfte der Bevölkerung Würzburgs sauberes Trinnkwasser garantiert, soll bald von sieben auf 66 Quadratkilometer erweitert werden. 

Viele Bürgermeister sind stinksauer. Und das zu Recht. Das Vorgehen des Umweltamts am Landratsamt Würzburg wirft viele Fragen auf. Die Antworten bleiben vage und hinterlassen einen schalen Geschmack.

Lesen Sie auch:

Wer nach 30 Jahren Planung eines neuen Trinkwasserschutzgebietes plötzlich allen Beteiligten ohne Vorwarnung mit einer dreijährigen Veränderungssperre droht, verspielt Vertrauen. Und die Glaubwürdigkeit, dass die Einwände der Gemeinden tatsächlich ernst genommen werden. Wer die Veränderungssperre dann ebenso schnell wieder zurückzieht, sobald sich Bürgermeister juristische Hilfe holen, macht sich unglaubwürdig, tatsächlich im Sinne des Grundwasserschutzes zu handeln.

Auslöser für dieses Vorgehen sei die Deponie gewesen, heißt es seitens des Umweltamtes. Und ja, es stimmt: In ganz Unterfranken gibt es nur eine einzige Deponie der Klasse 1. Diese liegt im Landkreis Miltenberg und ist nicht einmal für Bauschutt ausgelegt. Der Bedarf ist also riesengroß, das Angebot gering, die Tongrube in Helmstadt mit bereits genehmigter Z2-Verfüllung, also leicht toxisch belastetem Bauschutt und Erdaushub, ist schon vorhanden.

Wie konnte man Zweifel an der Deponie so schnell ausräumen?

Dennoch: Eine Deponie in einem Trinkwassereinzugsgebiet ist keine Kleinigkeit. Nicht einmal die bestehende Tongrube würde es vermutlich heute geben, hätte man das Gebiet bereits vor Jahrzehnten als Trinkwasserschutzgebiet ausgewiesen.

Wie will man jetzt Zweifel an der Deponie, die offenbar so groß waren, dass sie für eine dreijährige Veränderungssperre ausgereicht hätten, in nur drei Monaten Prüfung ausgeräumt haben? Und wie will man ohne das Instrument der Veränderungssperre jetzt noch auf all die anderen millionenschweren Bauvorhaben, etwa den Gipsabbau von Knauf bei Altertheim, rechtlich bindend Einfluss nehmen, um den Schutz des Grundwassers auch für die nächsten 30 Jahre zu garantieren?

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war vom "Würzburger Umweltamt" die Rede. Gemeint war das "Umweltamt am Landratsamt Würzburg". Das wurde nun präzisiert.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Würzburg
Angelika Kleinhenz
Grundwasserschutz
Unterfranken
Wasserschutzgebiete
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (2)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!