Sommerhausen

Kreative holen sich Tipps

Zu einer Informationsveranstaltung des bayerischen Zentrums für Kultur- und Kreativwirtschaft waren Kulturschaffende ins Rathaus in Sommerhausen eingeladen. Im Bild (von links) Michael Dröse, Jochen Rothermel, Bürgermeister Fritz Steinmann und Stephanie Hock.
Foto: CLAUDIA SCHUHMANN | Zu einer Informationsveranstaltung des bayerischen Zentrums für Kultur- und Kreativwirtschaft waren Kulturschaffende ins Rathaus in Sommerhausen eingeladen.

Kreativ arbeitende Menschen lieben ihren Beruf. Das heißt aber nicht, dass sie umsonst arbeiten könnten. Kulturschaffende müssen von ihrer Arbeit leben können. Manche können das gut, andere kommen gerade so über die Runden. Wie Kreativität in wirtschaftlichen Erfolg münden kann, weiß man beim bayerischen Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft. Branchenexpertin Stephanie Hock stellte im Sommerhäuser Rathaus das Zentrum und seine Arbeit vor.

Als Zuhörer ist auch Jochen Rothermel aus Eibelstadt gekommen. Rothermel ist Musiker und mit seinem Beruf sehr zufrieden. Er arbeitet als Lehrer an verschiedenen Musikschulen, zum Teil bestreitet er sein Einkommen aber auch mit Auftritten. Neu erfinden will er sich nicht. Die Informationsveranstaltung, zu der das Zentrum gemeinsam mit dem Landratsamt Würzburg eingeladen hatte, interessiert ihn aus anderen Gründen.

Künstler sind oft Einzelkämpfer

„Künstler sind oft Einzelkämpfer“, sagt Jochen Rothermel. Viele hätten zwar trotzdem irgendwelche Netzwerke, aber den Austausch zwischen Kreativen aus verschiedenen Branchen hält der Musiker ebenfalls für sehr wichtig. Rothermel ist ohne besondere Erwartungen gekommen. Schauen, wer sonst noch so da ist, und auch das ihm bisher nicht bekannte Zentrum kennenlernen möchte er.

Das bayerische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft, kurz bayernkreativ, gibt es erst seit März 2015, erklärt Stephanie Hock. Es berät kostenfrei und wird finanziert vom bayerischen Wirtschaftsministerium. Denn nicht nur im Bund, sondern auch in den Ländern hat man die Kreativbranche als durchaus bedeutenden Teil der Gesamtwirtschaft entdeckt. Bayern, erklärt Stephanie Hock, sei dabei Deutschlands Kreativstandort Nummer eins. 200 000 Kreativbetriebe gebe es in Bayern, der ganz überwiegende Teil seien Kleinstunternehmen.

Zu viele Aufträge und zu wenig Geld

Als in höchstem Maße innovativ und hoch qualifiziert beschreibt Stephanie Hock die in den elf Teilmärkten Tätigen. Häufig würden diese Leute aber erschreckend niedrige Preise verlangen. Stephanie Hock verdeutlicht das an einem Beispiel: Eine Kreativschaffende suchte Rat wegen ihres Zeitproblems – sie konnte ihre Aufträge kaum rechtzeitig erledigen. Hock arbeitete heraus, wo das Problem in Wirklichkeit lag: bei den kümmerlichen Honoraren, die die Frau verlangte. Um leben zu können, musste sie sich bis zur Halskrause mit Aufträgen eindecken.

Typische Fragestellungen, mit denen Stephanie Hock und ihre Kollegen in Beratungsgesprächen konfrontiert werden, sind auch diese: Wie viele Ideen braucht es, um erfolgreich zu sein? Wie kann man die Idee voll ausschöpfen? An diesem Punkt ist von Kreativen oft zu hören, es sei doch langweilig, ein- und dieselbe Idee bis zum Erbrechen zu melken. „Machen Sie Ihre Idee vom One-Hit-Wonder zum Evergreen“, rät Hock dazu.

Netzwerke richtig nutzen

Eine weitere häufig gestellte Frage ist die nach der richtigen Strategie zur Kundenakquise. Und die Frage, was Netzwerke eigentlich bringen. „Eine gute Frage“, sagt Hock. Mit wem man sich vernetzt und warum, das müssen sich die Kreativschaffenden erst einmal klar machen. Es können Kollegen sein, mit denen eine Kooperation möglich ist. „Oft tun sich Webdesigner mit Softwareentwicklern zusammen“, erklärt Hock. Es können aber auch Kunden sein oder Menschen, die über wichtige Informationen verfügen.

Am Ende ist Jochen Rothermel zufrieden. Die Veranstaltung war erhellend für ihn. „Vieles von dem, was gesagt wurde, kann ich unterschreiben“, sagt er. Zum Beispiel, dass Kreativschaffende im Studium nicht lernen, wie man sich vermarktet. Oder dass organisatorische Fragen oft zeit- und kraftraubend sind. Jetzt möchte Rothermel noch mit einem Musiker sprechen, der ebenfalls aus Eibelstadt stammt und den er bisher nur vom Sehen kennt.

Vielfältige Kreativszene in der Region

Denn eine kurze Vorstellungsrunde unter den mehr als 40 Teilnehmern hat eine bunte Mischung an Kreativen aus Sommerhausen und der näheren Umgebung zutage gefördert: Galeristen und Maler sind gekommen, Drechsler und Musiker. Dazu ein Scherenschnittkünstler, eine Airbrush-, eine Lampen-, eine Schmuck- und eine Handtaschendesignerin. Sogar ein Schnapsbrenner ist da. Ob Theaterbühne oder Atelier für Lebenskunst – die an diesem Abend Erschienenen zeigen eindrucksvoll die Vielfalt der Kreativszene in der Region.

Informationen zu Angeboten und Terminen gibt es im Internet unter bayernkreativ.de

Bayernkreativ ist ein Projekt, das bis 2019 läuft. Bis Ende 2016 soll ein bayernweites Netz von 20 Standorten aufgebaut werden, an denen regelmäßig kostenfreie Beratungen angeboten werden.

Die elf Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft sind Architekturmarkt, Buchmarkt, Designwirtschaft, Filmwirtschaft, Kunstmarkt, Markt für Darstellende Künste, Musikwirtschaft, Pressemarkt, Rundfunkwirtschaft, Software-/Gamesindustrie und Werbemarkt.

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