WÜRZBURG

Kulturspeicher: Lernprozess oder Pfusch am Bau?

Der Kulturspeicher und die Probleme mit dessen Natursteinfassade (wir berichteten) waren am Donnerstag auch Thema im Würzburger Stadtrat. Unter anderem war von „Pfusch“ und „Murks“ (Erich Felgenhauer) die Rede.

Stadtbaurat Christian Baumgart bestätigte, dass die 130 Kilo schweren Steinlamellen künftig anders befestigt werden sollen – vier Schrauben von hinten sollen durch zwei Schrauben von vorne ersetzt werden. Dadurch, so Baumgart, verringere sich dieser Unterhaltsaufwand auf ein Drittel. Die Lamellen müssten künftig alle fünf bis zehn Jahre abgenommen werden. Die Lösung ist freilich noch nicht sicher: Statiker sowie ein Prüfinstitut in Stuttgart unternähmen gerade Materialversuche. Ergebnisse sollen Ende Juni vorliegen. Der Stadtbaurat geht davon aus, dass eine so genannte „Zulassung im Einzelfall“ erteilt wird.

Wie berichtet, mussten die schweren Steinlamellen abgehängt werden, um die Fenster zu putzen. Die sind mittlerweile gereinigt. Warum die Natursteine nicht längst wieder aufgehängt werden? Von Problemen sprach Baumgart nicht, nur von Verbesserungen. Er gab den Lernfähigen: Hätte er beim Bau des Kulturspeichers „die Erkenntnisse von heute gehabt, hätte ich damals eine andere Ausführung gewählt.“ Das neue, vereinfachte Befestigungssystem sei eine „gute und wirtschaftliche Entwicklung“.

Aufs Putzen wurde verzichtet

Bei der Planung des Kulturtempels – eröffnet im Februar 2002 – sei man der Ansicht gewesen, dass eine Reinigung hinter den Lamellen mit so genanten Lanzen genüge. 20 000 Mark pro Jahr seien dafür veranschlagt gewesen – wobei „klar war, dass die Steinverkleidung abgenommen werden muss. Wir wussten um den Aufwand“. Doch geputzt wurde („aus verschiedenen Gründen“) all die Jahre nicht. Und, so der Stadtbaurat: Die Verschmutzungen durch Taubenkot sei stärker als erwartet.

Als „nicht hilfreich und unzutreffend“ bezeichnete Baumgart die Berichterstattung unserer Zeitung, wonach sich die Reinigungskosten auf 315 000 Euro erhöht hätten. Kulturreferent Al Ghusain habe diese Zahl nie genannt. Tatsächlich seien – 65 000 Euro für die Natursteinarbeiten inklusive – für die Reinigung am Kulturspeicher 200 000 Euro im Haushalt des vergangenen Jahres bereit gestellt. Der Rest seien generelle Unterhaltskosten für den Ex-Getreidespeicher. Bis dato wurden laut Baumgart 50 000 Euro für Reinigung bzw. Taubenvergrämung ausgegeben.

Karl Graf (FDP) bezweifelte diese Zahlen. Er rechnete auf Basis schriftlicher Unterlagen der Stadtverwaltung vor, dass die Reinigungskosten eben doch auf 315 000 Euro gestiegen seien. Harte Worte fand Erich Felgenhauer (CSU): Mit derartigen Mängeln sei der Kulturspeicher eine „Schande für die Preisrichter“, die den Bau ausgezeichnet haben. Und für die FDP stellte Bundestagsabgeordneter Joachim Spatz die weitere Kooperation mit dem zuständigen Architektenbüro in Frage. Dazu der Stadtbaurat: „Ich seine keinen Anlass, die Zusammenarbeit mit dem qualifizierten Büro aus diesen Gründen anders zu bewerten.“

Die Wiederbefestigung macht Probleme: Diese Steine wurden am Kulturspeicher abgebaut, um die Glasflächen putzen zu können.
Foto: THERESA MÜLLER | Die Wiederbefestigung macht Probleme: Diese Steine wurden am Kulturspeicher abgebaut, um die Glasflächen putzen zu können.
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