Würzburg

Kunst in Bewegung und Kontrasten

Sie nutzt Papier und Farben, er erschafft Metallskulpturen: Heide Siethoff und Stephan Nüsslein stellen im Spitäle aus.
Foto: Katja Tschirwitz | Sie nutzt Papier und Farben, er erschafft Metallskulpturen: Heide Siethoff und Stephan Nüsslein stellen im Spitäle aus.

Sie ist zuständig fürs Zweidimensionale und kombiniert Schwarzweiß-Fotografie mit abstrakter farbenfroher Malerei, er wirkt mit seinen Metallskulpturen in den Raum hinein: Seit Sonntag stellen Heide Siethoff und Stephan Nüsslein (Mitglieder der VKU) im Spitäle aus.

Siethoffs Leinwand-Tryptichon an der Frontseite der Apsis zeigt drei Büchertürme, deren mittlerer zerfällt und zu schweben beginnt. In „Weg der Bücher“ werden brüchige, einst reich verzierte Theologie-Bücher von orange-gelben Büchern „durchwandert“ – Bewegung im scheinbar statischen Medium Buch.

„The Looping Chicago“ würde perfekt in Architekturbüros oder schicke Wohnungen passen. Neben blutroten Leinwand-Bildern entfaltet die Metallkonstruktion der Chicagoer Hochbahn ihre Sprengkraft. Siethoff zeigt allerdings auch regionale Motive, etwa die Bad Kissinger Trimburg oder eine Veitshöchheimer Baumruine.

Ebenfalls von Fotomotiven aus gehen Siethoffs reine Malarbeiten. Im Eingangsbereich hängen zwei Bilder ohne Titel, die einst „Wertstoff“ hießen – denn auf dem Wertstoffhof hat Siethoff runde, blaue Plastikabschnitte fotografiert, die sie auf Leinwand fast kathedralenartig auftürmt.

„Stephans Plastik“ verbindet beide Künstler: Hier antwortet die Malerin auf vergrößerte Fotoausschnitte einer Nüsslein-Skulptur.

Stephan Nüsslein, geboren 1966 in Sommerach, wohnt und arbeitet in Obernbreit. Seine luftigen, filigran durchbrochenen Metallskulpturen nennt er „Körper“. Die Grundformen, meist eckige Stahlrohre, brennt er so großzügig aus, bis nicht mehr viel von ihnen übrig ist, lässt sie mal naturbelassen und roh, mal verzinkt oder verzinnt er sie.„Im Gegensatz zu anderen Skulpturenkünstlern, die aktiv etwas aufbauen, ist bei meinen Körpern alles schon da. Ich nehme nur noch weg“, sagt Nüsslein.

Schon 16 Jahre alt und leicht angerostet, liegt auf der Galerie ein ehemals rechteckiges Rohr, von dem nur noch ein zartes Metallnetz übrig ist. Daneben wächst aus einem Netz-Kubus ein sich nach oben verjüngendes, steil aufgerichtetes Netz-Rohr. Unten „ringelt“ sich ein eckiger Metallwurm, der sich auf dem braunen Spitäle-Fußboden zu tarnen scheint.

Dann sind da zwei flächige Skulpturen aus 14 Zentimeter starken Stahlplatten. Nüsslein hat sie am Computer entworfen, in der Schwerindustrie ausbrennen lassen und auf weiße Sockel gelegt. Einziger titeltragender „Körper“ ist die in ihrer Zartheit fast schüchterne „Zweite Ebene“. Nachdem Nüsslein gleich zwei Mal gefragt wurde, ob dies ein Weinflaschen-Regal sei, hat er die drei runden Öffnungen (die tatsächlich die Größe von Flaschenböden haben) mit Metallstreben blockiert.

Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 28. Februar; geöffnet Di-So 11-18 Uhr.

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