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Würzburg

Gedichte können Erinnerungen wecken

Gedichte berühren, trösten und wecken alte Erinnerungen. Foto: Esther Schießer

Zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Erinnerungsworte. DemenzPoesie mit Pauline Füg und Dr. Henrikje Stanze“, hatte youngcaritas und die Sozialstation St. Franziskus eingeladen. Gefördert wurde das Projekt von der Deutschen Stiftung für Demenzerkrankte.

Wir sind Dichterinnen!“ begrüßten Pauline Füg und Dr. Henrikje Stanze die Senioren der Sozialstation St. Franziskus bei einer DemenzPoesie-Session in der Lindleinsmühle. „Gemeinsam möchten wir heute Gedichte sprechen und am Ende sogar ein Gedicht mit Ihnen zusammen verfassen.“ Die zwei Autorinnen gaben am 18. November im Pfarrzentrum St. Albert einen Einblick in das von ihnen entwickelte Konzept DemenzPoesie. Mit dabei war eine 11. Klasse der Beruflichen Oberschule. „DemenzPoesie ist eine Therapieform zur Gedächtnisrehabilitation“, erklärt Pauline Füg. „Gedichte können Erinnerungen wecken, Gefühle hervorrufen und kulturelle Teilhabe ermöglichen – darauf baut dieses Konzept auf.“

Die DemenzPoesie-Session fand im Rahmen der „Sonnenstunden“ statt: das ist ein regelmäßig stattfindendes Angebot der Caritas Würzburg für Menschen mit einer Demenzerkrankung. 

Stabiles Langzeitgedächtnis

Die Senioren und die Schüler lauschen gebannt den Worten von Pauline Füg und Dr. Henrikje Stanze. Ob Gedichte von Eichendorff, Rilke oder Morgenstern – der Klang, der Rhythmus und der Sinn der Worte erschaffen Stimmungen, trösten und wecken alte Erinnerungen. Erstaunlich ist, wie gut sich die Senioren an Gedichte erinnern, die sie in ihrer Schulzeit gelernt haben, also vor vielen Jahrzehnten. Als Füg und Stanze die erste Zeile von Schillers „Das Lied von der Glocke“ vorsprachen, fielen viele Senioren mit ein. Auch an einzelne Verse von Theodor Fontanes „Herr Ribbeck von Ribbeck“ erinnerten sich viele.

In gemeinsamen Sprechchören erfuhren alle Beteiligten – Senioren, Pflegekräfte und Schüler – Gemeinschaft. „Das funktioniert genauso wie bei Sprechchören im Fußballstadion. Das gemeinsame Aufsagen von Gedichten schafft ein Gruppengefühl.“ Füg und Stanze haben beide sowohl Erfahrungen im kulturellen Bereich, u.a. beim Poetry Slam, und im wissenschaftlichen Bereich; Pauline Füg ist Diplom Psychologin, Dr. Henrikje Stanze ist in der Palliativmedizin promovierte Berufspädagogin mit der Fachrichtung Pflege. Die Musiktherapie sei schon weit verbreitet, aber auch in der Poesie und Literatur stecke ein großes Potenzial, so Füg. DemenzPoesie könne die etablierten Therapieformen ergänzen, da viele Menschen Freude an Gedichten hätten und merkten „Ich kann mich an etwas erinnern“. Das funktioniere so gut, weil das Langzeitgedächtnis deutlich stabiler sei als das Kurzzeitgedächtnis.

Gedicht voller Erinnerungsworte

Am Ende der Session sammelten die erfahrenen Improvisationskünstlerinnen Füg und Stanze Assoziationen der Senioren zum Herbst. Das fallende Laub wurde genannt, der Nussbaum im Garten und die Blaumeisen, die die letzten Samen aus den Blumenkästen picken... Diese Eindrücke fügten die Autorinnen gekonnt in ein improvisiertes Herbst-Gedicht voller Erinnerungsworte, das die Atmosphäre vieler erlebter Herbsttage widerspiegelte.

Von: Esther Schießer, Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Würzburg

Gedichte berühren, trösten und wecken alte Erinnerungen. Foto: Esther Schießer

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