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Lehrermedientag: Was Dorothee Bär über die Schule der Zukunft sagt

Was denkt Dorothee Bär über die Schule der Zukunft? Und welche Rolle können dabei Spiele einnehmen? Die Staatsministerin beantwortete die Fragen unterfränkischer Lehrer.
Staatsministerin Dorothee Bär stand Lehrkräften am 4. Lehrermedientag unter Moderation der Redaktion der Mediengruppe Main-Post Rede und Antwort.
Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa | Staatsministerin Dorothee Bär stand Lehrkräften am 4. Lehrermedientag unter Moderation der Redaktion der Mediengruppe Main-Post Rede und Antwort.

Zehn Tageszeitungen richteten am Buß- und Bettag den Bayerischen Lehrermedientag aus und boten an ihren jeweiligen Standorten Veranstaltungen zur Medienbildung für Lehrkräfte an.  Für die Region Mainfranken war die Mediengruppe Main-Post der Ausrichter und fragte vor allem: Wie steht es um die Digitalisierung in den Schulen? Präsentiert wurde eine digitale Unterrichtsstunde auf dem Portal www.mainpost.de/klasse, in einer Videokonferenz stellte sich Staatsministerin Dorothee Bär den Fragen der rund 70 teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer.

Wie soll die Schule der Zukunft aussehen?

Dorothee Bär: Wir wissen, dass über 60 Prozent der heutigen Grundschüler später mal in Berufen arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt. Wir bereiten sie aber genauso vor, wie ich damals noch vorbereitet wurde. Neben Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen müssen wir auch neue Fertigkeiten wie kollaborative Zusammenarbeit oder Grundzüge des Programmierens unterrichten. Wir müssen von einem Entweder-Oder-Denken zu einem Sowohl-als-auch-Gedanken kommen. Ich möchte nicht, dass jedes Arbeitsblatt als PDF hochgeladen wird, das hat auch wenig mit digitaler Bildung zu tun. Wir müssen die Vorteile digitaler Angebote ganz gezielt einsetzen. Außerdem soll es bis Mitte der 2020er Jahre einen umfassenden digitalen Bildungsraum für Deutschland geben, also eine bundesweite Bildungsplattform.

Damit die Digitalisierung gelingt, ist auch die Betreuung der Geräte und der Infrastruktur essentiell. Wie wird das gefördert?

Bär: Wir haben für die Administration eine Zusatzvereinbarung beschlossen, die seit dem 4. November in Kraft ist. Dadurch können zusätzliche Gelder für die Administration der IT an den Schulen abgerufen werden. Und die Länder haben sich zu einer nachweislichen Steigerung der Lehrerfortbildung im Bereich "Bildung in der Digitalen Welt" erklärt. An vielen Schulen ist es so, dass die IT-Aufgaben irgendwie mit übernommen werden. Eigentlich bräuchte man an jeder einzelnen Schule einen Fachinformatiker für Systemintegration, denn diese Aufgaben nebenher zu machen reicht nicht. Es kann auch IT-Abteilungen geben, die für mehrere Schulen zuständig sind. Eine Schule ist meines Erachtens wie ein Unternehmen, die haben auch alle eigene IT-Abteilungen. Und deswegen sieht auch die Zusatzvereinbarung zum Digitalpakt Schule Mittel dafür vor.

Die Thematik digitaler Unterrichtsmaterialien von Schulbuchverlagen äußert sich oftmals als PDF-Version der Lehrbücher. Ist hier eventuell auch eine Zusammenarbeit mit Spieleentwicklern denkbar?

Bär: Es gibt zum Beispiel bereits ein erfolgreiches Lernspiel von den Spieleentwicklern der Anno-Spielreihe. Es wird etwa von der Medienanstalt für Baden-Württemberg für den Wirtschafts- und Gemeinschaftskundeunterricht vorgeschlagen.

Ich darf auch jedes Jahr die Gamescom miteröffnen. Dort wurde dieses Jahr auch ein deutlicher Schwerpunkt auf "Serious Games" und Bildung gelegt. Die Lage der Schulbuchverlage ist da schwieriger. Ich habe diesbezüglich auch schon mit Verlagen gesprochen. Es gibt dort tolle Möglichkeiten im Bereich Digitalisierung - zum Beispiel die Einbindung von Tablet und VR-Brille. Da ist aber die Herausforderung, dass die Schulen zusätzliche technische Ausrüstung benötigen. Dies wäre sehr teuer. Dieses Thema wollten wir dieses Jahr eigentlich auch auf der Frankfurter Buchmesse aufgreifen.

Bei der Plattform Mebis wurde viel Geld in die Hand genommen, allerdings nicht auf einfache Bedienbarkeit geachtet. Inwiefern wird daran gearbeitet die Plattform intuitiv zu gestalten?

Bär: Mebis ist ja ein Portal des bayerischen Kultusministeriums. Daher vielleicht von meiner Seite nur so viel zur Einordnung: Mebis war ja von Anfang nicht dafür gedacht, Präsenzunterricht von heute auf morgen zu ersetzen. Trotzdem muss die Plattform natürlich weiter ausgebaut, schneller und zuverlässiger werden. Damit ein individueller Onlineunterricht möglich ist. Diesen Entwicklungsbedarf hat Bayern verstanden. Es gilt auch hier: Digitalisierungsprozesse zeichnen sich dadurch aus, dass die Weiterentwicklung nie abgeschlossen ist. Es bleibt Aufgabe, Angebote auf Grundlage der Erfahrungen stets zu verbessern.

Es sind fünf Milliarden Euro aus dem Digitalpakt für die Infrastruktur vorgesehen. Wie viel davon ist bereits ausgegeben?

Bär: Zunächst einmal muss ich sagen, dass dieser auf insgesamt rund sechs Milliarden erhöht wurde. Die ersten Monate ist noch nicht wirklich viel abgerufen worden. Einige Länder haben durch Landesmittel vorfinanziert, weil das Problem war, dass wir sehr lange Planungsvorläufe haben. Ich glaube, dass bis Ende 2021 die Mittel dann mit beschleunigter Abwicklung komplett abfließen können. Jedenfalls haben sich die Summen der bewilligten Mittel in den letzten Monaten verdreifacht. Am Geld wird es an dieser Stelle nicht scheitern.

Werden Lehrende auf den Einsatz digitaler Mittel vorbereitet?

Bär: Also ich bin mir sicher, dass wir eine Übergangsphase haben, in der wir uns nicht scheuen dürfen, eben auch auf Übergangsmittel zu setzen. Es gibt viele gute digitale Angebote. Aber jede Schule ist anders und hat somit auch unterschiedliche Voraussetzungen für den Einsatz dieser. Da muss auch der individuelle Einsatz ermöglicht werden. Deswegen gibt es auch nicht die eine Antwort auf die Vorbereitung der Lehrkräfte auf den Einsatz der digitalen Angebote. Aber natürlich ist eine digitale Ausbildung der angehenden Lehrkräfte notwendig. Ziel muss auch sein, dass wir einheitliche Leitlinien und konkrete Lösungen haben, die den Schulen, Lehrerinnen und Lehrern es erleichtern, digitale Bildungsangebote nutzen.

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