Würzburg

Leserforum: Hartherzige und absurde Asylpolitik

Zum Artikel "Angst um die kleine Familie" vom 22. Oktober erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:

Mostafa Firoozi ist ein weiteres Beispiel für die hartherzige und absurde bayrische Asylpolitik. Er ist einer unter inzwischen circa 600 afghanischen Männern, die seit 2016 aus Deutschland abgeschoben wurden, die Hälfte aus Bayern. Unter erheblichem Druck der EU und Deutschlands unterschrieb die Kabuler Regierung damals einen Vertrag mit dem schönen Namen "Gemeinsamer Weg voran", der sie dazu verpflichtete, Abgeschobene zurückzunehmen und weitere Fluchten zu unterbinden. Im Gegenzug wollte die EU bei der Integration der Deportierten helfen. Wider besseres Wissen wurde behauptet, es gebe sichere Zonen im Land. Außer den Taliban morden auch Al Quaida, IS, Warlords und Soldaten. Es gibt weder einen funktionierenden Staat noch Arbeit. 2020 sind bisher mehr als 2000 Zivilisten getötet worden und 3800 verletzt, in den vergangenen Jahren waren es noch mehr – Afghanistan ist ein Land im Krieg!

Dahin also schieben wir junge Männer ab, die sich hier mit größten Anstrengungen versuchen ein Leben aufzubauen, oft als Analphabeten angekommen Deutsch lernen, Schulabschluss und Lehre absolvieren in der Hoffnung, damit ein Bleiberecht zu erreichen. Aber der bayrische Staat ist unerbittlich: dringende Bitten von Betrieben, ihnen ihre Arbeitskräfte zu lassen, Demos von Mitschülern oder wie hier die Gründung einer Familie – alles prallt ab.

Die Politik fragt nicht, wie es den Leuten dort geht. Nicht-Regierungsorganisationen haben festgestellt, dass sie im eigenen Land als Verräter und verwestlicht gelten, die Familien verweigern darum, oder aus Angst vor der Taliban den Kontakt. Meist bleiben sie obdachlos in Kabul hängen, einige haben sich das Leben genommen, andere sind schon wieder unterwegs nach Europa, eine Existenz mit Arbeit und Wohnung hat praktisch niemand, zudem ist in Afghanistan ein Drittel der Bevölkerung mit Corona infiziert, und das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in das Land.  Dahin soll der junge Mann aber  zurück – und demnächst auch wieder andere, Abschiebungen sollen ab jetzt wieder aufgenommen werden - obwohl jetzt schon klar ist, dass er ein Anrecht auf Rückkehr hat – es ist grotesk! Unmenschlich und unchristlich ist es auch.

Uta Deitert
97080 Würzburg

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