AUB

Lust aufs Landleben machen

Leerstand im Blick: Auffällig ist dieses Gebäude aus der Renaissance in Aub. Eigentlich ein Schmuckstück. Doch durch den jahrelangen Leerstanden ist es mehr und mehr verkommen.
Foto: Thomas Fritz | Leerstand im Blick: Auffällig ist dieses Gebäude aus der Renaissance in Aub. Eigentlich ein Schmuckstück. Doch durch den jahrelangen Leerstanden ist es mehr und mehr verkommen.

Zunehmender Leerstand in den Altorten macht die Folgen der demographischen Entwicklung sichtbar. Um sich nicht im Wettlauf um den Zuzug junger Familien beim Ausweisen immer neue Baugebiete zu ruinieren, wollen die Gemeinden im südlichen Landkreis gemeinsame Strategien entwickeln.

14 Gemeinden zwischen Reichenberg und Bieberehren, zwischen Bütthard und Ochsenfurt gehören der kommunalen Allianz „Fränkischer Süden“ an. Dem zunehmenden Leerstand in den Ortskernen entgegenzuwirken, ist eines der Ziele dieses Zusammenschlusses. Bei einer Info-Veranstaltung in Aub versuchten Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte, aber auch andere interessierte Bürgerinnen und Bürger, Lösungsansätze zu erarbeiten.

Nach der Begrüßung durch den Auber Bürgermeister Robert Melber führte Felix Tannenberg, Architekt, Fördermanager und derzeit stellvertretender Städtebauplaner der Stadt Aub, die mehr als fünfzig Teilnehmer durch die Straßen der Auber Innenstadt. Er zeigte Beispiele gelungener Renovierung in der Mühlstraße, der Hauptstraße und am Marktplatz, aber auch Problemfälle in der Hauptstraße und am Marktplatz. Hier stehen einige der 55 Einzeldenkmale auf dem Gebiet der Stadt Aub teilweise seit Jahrzehnten leer und sind dem Verfall preisgegeben.

„Leerstand vermeiden, Dörfer erhalten“ war deshalb das Thema der anschließenden Veranstaltung im Schulungssaal der Auber Feuerwehr. Mit einem interkommunalen Flächenmanagement soll die Aktivierung der Ortskerne unterstützt werden. Die Verantwortlichen der zusammengeschlossenen Gemeinden sehen sich in dieser Frage am Anfang eines Projektes, das auf sehr lange Zeit angelegt ist.

So gab Claus Hensold vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als staatliche Zielsetzung den Vorrang der Innenentwicklung vor der Außenentwicklung an. Die Renovierung von bestehenden Gebäuden geht demnach neuen Baugebieten vor. Vom Denken „Wir gehen auf die Wiese“ müsse abgekommen werden, so Hensold. Die alternde Gesellschaft brauche andere Wohnformen, Wohnen mit kurzen Wegen werde immer wichtiger. „Alles, was wir heute für die Innenentwicklung erreichen, das machen wir nicht für die heutigen Senioren, das machen wir für uns“, verdeutlichte er.

Dass auch Neubausiedlungen altern und nicht die Lösung sein können, stellte er als eines der kommenden Probleme der Gemeinden dar: „Die Kinder ziehen weg, immer mehr Häuser stehen auch dort leer“, so Hensold. Staatliches Ziel sei es, vom hohen Flächenverbrauch abzukommen, mit Grund und Boden sparsam umzugehen und so auch Kosten für immer mehr Infrastruktur, für Wege und Versorgungsleitungen einzusparen.

Hensold empfahl den Gemeinden, Flächenmanagements einzuführen und in der Bauleitplanung die Innenentwicklung zu thematisieren, Bau- und Renovierungswillige im Bestand aktiv zu unterstützen, den Gebäudebestand alters- und familiengerecht zu entwickeln und entsprechendes Bewusstsein bei den Bürgern zu bilden.

Bürgermeister Arthur Arnold aus der Werntalgemeinde Euerbach (Landkreis Schweinfurt) berichtete von entsprechenden Erfahrungen in seiner Gemeinde. Seit mehr als zehn Jahren werde dort gezielt die Innenentwicklung gefördert. In allen Ortsteilen seiner Gemeinde gibt es Innenentwicklungslotsen, die Bauwillige begleiten und Probleme zu lösen versuchen. Die Gebäudebestände werden entsprechend gelistet und vermarktet. Bauberatung gibt es dort nicht nur im Rahmen der Dorferneuerung. Sanierungsgebiete wurden auch ohne Städtebauförderung ausgewiesen, um durch steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten Investitionsanreize zu schaffen.

Auch die Zusammenarbeit mit den benachbarten Gemeinden bei der Ausweisung neuer Bauplätze klappt in Euerbach, wie Arnold deutlich machte. Auf diese Weise werde erreicht, dass sich Nachbargemeinden im Werben um Bauwillige nicht gegenseitig den Rang ablaufen. Seit 2008 haben so rund neunzig alte Hofstellen den Besitzer gewechselt, 140 Bauanträge wurden genehmigt, rund 100 leer stehende Häuser seien inzwischen wieder bewohnt.

Arnold mahnte dabei auch eine bessere staatliche Unterstützung der Innerortsentwicklung an: „Die Gemeinden müssen mit der gleichen Energie ihre Ortskerne entwickeln, mit der sie früher Neubaugebiete ausgewiesen haben“, so der Euerbacher Bürgermeister.

Zum Ende des Abends zeigte Architekt Felix Tannenberg anhand von Beispielen aus seiner Praxis Möglichkeiten der neuen Nutzung alter Bausubstanz. Oft verhindern schwierige Besitzverhältnisse und überzogene Wertvorstellungen der Eigentümer, dass ein Gebäude einen neuen Nutzer findet, bedauerte er.

Daneben sei es mangelnde Vorstellungskraft für die Schönheit eines alten Gebäudes, die abgebaut werden müsse. „Ein solches Gebäude ist kein altes Gerütsch, sondern hat Seele und Baugeschichte“, so Tannenberg.

In der sich anschließenden Diskussion zeigte sich, dass in vielen Gemeinden doch der Wunsch vorhanden ist, mit neuen Baugebieten Bevölkerungswachstum zu erreichen und Bauwillige davon abzuhalten, wegzuziehen. „Wir sind ja erst ganz am Anfang des Programms. Vielleicht können wir in ein paar Jahren viele der noch offenen Fragen beantworten“, fand Bürgermeister Helmut Krämer aus Giebelstadt, zugleich Sprecher der kommunalen Allianz „Fränkischer Süden“, abschließende Worte.

Stadtführung: Bei einem Rundgang durch Aub gemeinsam mit Bürgermeistern, Stadt- und Gemeinderäten sowie interessierter Bürger machte Architekt Felix Tannenberg auf Problemfälle aufmerksam und zeigte gelungene Beispiele der Renovierung.
Foto: A. Gehring | Stadtführung: Bei einem Rundgang durch Aub gemeinsam mit Bürgermeistern, Stadt- und Gemeinderäten sowie interessierter Bürger machte Architekt Felix Tannenberg auf Problemfälle aufmerksam und zeigte gelungene ...
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