Würzburg

Mainfranken statt Mallorca: Mit dem Rad durch die Region

Im Sattel sitzen, statt am Strand liegen: Urlaub mit dem Fahrrad ist angesagt – nicht nur wegen Corona. Der Radtourismus erschließt auch in der Region neue Zielgruppen.
Die Mainschleife rund um Sommerach, Nordheim, Escherndorf und Volkach im Landkreis Kitzingen ist bei Radtouristen besonders beliebt.
Die Mainschleife rund um Sommerach, Nordheim, Escherndorf und Volkach im Landkreis Kitzingen ist bei Radtouristen besonders beliebt. Foto: Silvia Gralla

Und wohin geht's? Die Corona-Pandemie hat das Reiseverhalten stark verändert: Urlaub in Deutschland und Ferien zuhause zählen in diesem Sommer zu den größten Trends. Statt wie sonst die Koffer zu packen und zum Flughafen zu fahren, heißt es für viele jetzt: Mainfranken statt Mallorca! Besonders hoch im Kurs stehen dabei Radtouren durch die Region.

Es gibt zwar noch keine belastbaren Zahlen, wie viele Menschen in diesem Jahr bedingt durch die Corona-Pandemie Radurlaub machen. "Aber die Tendenz ist steigend", sagt Laura Ganswindt, Sprecherin beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in München. In ganz Bayern, auch in Mainfranken, ließen sich immer mehr Hotels und Gasthöfe vom ADFC als "besonders Fahrrad freundlich" oder als "Bed + Bike"-Unterkünfte zertifizieren. "Besonders Tagestouren mit dem Rad liegen im Trend", sagt Ganswindt. 

Wellness-Reise mit Radausflügen

Seit mehr als 20 Jahren befragt der ADFC Radreisende zu ihrem Urlaubsverhalten. Wie lange sind sie unterwegs, wo geht die Reise hin? Und wo im In- und Ausland gefällt es ihnen besonders gut? Laut der aktuellen ADFC-Radreiseanalyse 2020,  einer repräsentativen Onlinebefragung unter rund 8100 Bundesbürgern, haben sich auch die Fahrradfahrer verändert: Vor zehn Jahren seien vor allem Männer mittleren Alters mit technisch gut ausgestatteten Rädern auf langen Strecken unterwegs gewesen, sagt Ganswindt. "Heute ist das Bild diverser, die Arten der Radreisen sind vielfältiger." Da gebe es den mehrwöchigen Urlaub auf dem Rad, die Wellness-Reise mit Fahrradausflügen, spontane Kurztrips mit Städtebesuch, Sterntouren mit einer festen Unterkunft - oder die "aktive Auszeit" in der Nähe des Wohnortes. 

"Radreisende geben 70 bis 100 Euro pro Tag aus und sind ein Konjunkturprogramm für die ganze Republik“, sagt Ganswindt. In diesem Jahr würden viele Urlauber auch gleich drei und mehr Übernachtungen buchen. Zur Freude der örtlichen Hotel- und Gastronomiebetriebe, wie Michael Schwägerl, Bezirksgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (DeHoGa), bestätigt. Vor allem am Wochenende seien die Unterkünfte an der Mainschleife, im Spessart, in der Rhön und auch in den Haßbergen meist gut gebucht.  

Vor allem die Mainschleife rund um Volkach ist bei Radfahrern sehr beliebt. 
Vor allem die Mainschleife rund um Volkach ist bei Radfahrern sehr beliebt.  Foto: Silvia Gralla

Gute Nachricht für alle, die für die Sommerferien nichts reserviert hatten: Man bekomme in Unterfranken auch kurzfristig noch eine Unterkunft, sagt Schwägerl: "Viele wollen nicht langfristig planen und buchen erst kurz vor Abreise." Gerade in den Städten Aschaffenburg, Schweinfurt und Würzburg gebe es noch genügend freie Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen – vor allem, weil die Tagungsgäste im Corona-Jahr fehlten. Der DeHoGA-Bezirksgeschäftsführer hofft, dass das Geschäft auch im Herbst weiter gut läuft. "Im September und Oktober, also zur Weinlese, ist in Mainfranken eigentlich Hauptsaison." 

Im Trend: Mountainbike-Trails 

Besonders beliebt bei den Radlern sind die bekannten Radwege wie der MainRadweg oder der Radweg "Liebliches Taubertal", der in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert. Die rund 100 Kilometer lange Strecke, die von Rothenburg ob der Tauber in Mittelfranken bis nach Wertheim (Main-Tauber-Kreis) führt, zählt sogar zu den ältesten Radwegen in Deutschland. Aber auch Mountainbike-Trails werden verstärkt nachgefragt, sagt Jörg Hentschel, Sprecher des Tourismusverbands Franken., dem Dachverband für die Tourismusbranche der Region Franken. Es gebe immer mehr Service-Angebote für Urlauber, die mit dem Fahrrad unterwegs sind: fahrradfreundliche Unterkünfte, Radpauschalen, Gepäcktransfer von einem Hotel zum nächsten und Reparatur- und Vermietstationen.

Auch der Trend zum Elektrofahrrad setze sich laut der ADFC-Radreiseanalyse fort: 29 Prozent der Radreisenden nutzen ein Elektrorad, im Vorjahr waren es 23 Prozent. Damit können Radfahrer aller Altersklassen auch die Anstiege der landschaftlich reizvollen Mittelgebirgslandschaften bequem meistern. Ein Grund vielleicht, warum auch im Naturpark Haßberge das Radfahren seit Jahren immer beliebter wird: "Gerade in den letzten Monaten war die Nachfrage auf die Radbroschüren und Zugriffe auf die Touren auf der Internetseite enorm hoch", sagt Ina Heupt von Haßberge Tourismus. Der Naturpark Haßberge bis in den nördlichen Steigerwald sei bei Radlern auch deshalb so beliebt, weil hier Natur und Kultur auf insgesamt 725 Kilometern gut ausgeschilderten Themenrouten "perfekt zusammenspielen".

Zur Vorbereitung der Reise und unterwegs sind Apps zunehmend beliebt: Die Hälfte der Radurlauber  nutzt die digitalen Angebote inzwischen, so die ADFC-Radreiseanalyse 2020. Besonders beliebt ist dabei die Bayernnetz für Radler App, auf der man sich auch über Routen in Mainfranken informieren kann.

Zwei Radfahrer durchqueren den Torbogen am Ortseingang von Sommerach. Aufgrund der Corona-Pandemie zieht es in diesem Jahr besonders viele Gäste an die Mainschleife.
Zwei Radfahrer durchqueren den Torbogen am Ortseingang von Sommerach. Aufgrund der Corona-Pandemie zieht es in diesem Jahr besonders viele Gäste an die Mainschleife. Foto: Daniel Peter

Auch der Freistaat Bayern hat den Trend zum Radtourismus erkannt und investiert in die Infrastruktur für Radfahrer. Die Staatsregierung hat für die kommenden fünf Jahre 200 Millionen Euro an Bundes- und Landesmitteln angekündigt, mit denen voraussichtlich rund 400 Kilometer Radwege an Bundes- und Staatsstraßen neu gebaut werden sollen. Damit, so Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU), wolle man "Lücken im Radwegenetz schließen und Radfahren attraktiver und sicherer machen". Gerade in Zeiten von Corona hätten viele Menschen das Fahrrad auch im Alltag für sich entdeckt, so Schreyer. 

Damit Menschen aufs Rad umsteigen, braucht es also ein durchgängiges attraktives Radwegenetz, so Ganswindt vom ADFC. Davon sei das selbsternannte "Radlland Bayern“ allerdings noch weit entfernt: "An 54 Prozent der Bundesstraßen gibt es noch keine Radwege, bei den Staatsstraßen fehlen sogar an 72 Prozent Radwege." Sie hofft deshalb, dass das Geld ausgeschöpft wird, neue Radwege entstehen und dass beim künftigen Bau Qualitätsstandards, wie sie der ADFC erarbeitet hat, beachtet werden.

Tipps für Radwege in der Region

Welche Routen empfiehlt Christoph Spenkuch vom Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Würzburg? Der 30-Jährige radelt am liebsten abseits der Hauptrouten, weil es dort viele unbekannte Kleinode gibt. Hier seine Tipps und Bewertungen. 
Der MainRadweg: 
Entlang des knapp 600 Kilometer langen Radwegs warten auf Radler in ganz unterschiedlichen Landschaften viele Eindrücke: die Fränkische Schweiz, das ursprüngliche Fichtelgebirge und der Frankenwald, das weite Obermain-Jura, der Steigerwald, die idyllischen Haßberge und das Fränkische Weinland, das liebliche Taubertal, die Waldgebiete im Spessart und der hessische Untermain.
Bewertung: Der Radweg verläuft meist auf Radwegen direkt am Mainufer, vereinzelt auch auf unbefestigten Wegen. Er hat eine sehr gute Fahrbahndecke (überwiegend Asphalt), wenige Steigungen und ist dadurch für auch für Familien geeignet. Nachteil: Im Sommer ist in vielen Bereichen sehr viel los, der Radweg ist voll. Das führt gerade in Bereichen, wo es keinen separaten Fußweg gibt, häufig zu Konflikten mit Fußgänger oder Skatern. 
Liebliches Taubertal - der Klassiker:
Der Radweg wurde im Januar 2019 erneut mit der Höchstnote "5 Sterne" vom ADFC ausgezeichnet. Er verspricht auf 100 Kilometern eine der schönsten Radstrecken Deutschlands von Rothenburg ob der Tauber bis nach Wertheim am Main. Er lässt sich gut in drei Etappen aufteilen: . 1. Tagesetappe - Rothenburg o.d.T. bis Weikersheim2. Tagesetappe - Weikersheim über Bad Mergentheim bis Tauberbischofsheim3. Tagesetappe - Tauberbischofsheim bis Wertheim.
Bewertung: Der Radweg ist seit vielen Jahren immer wieder best bewertet vom ADFC, auch wenn er sich teilweise nicht ganz so lieblich zeigt, denn er hat einige kräftige Steigungen. Man kann ihn gut mit dem Aalbachradweg oder dem Main-Tauber-Radweg kombinieren.
Rennweg:
Mountainbiker sind hier auf einem historischen Höhenweg unterwegs. Historisch belegt als Eilboten- und Kurierweg, verläuft der Rennweg immer auf den Kammhöhen der Haßberge. Die Gesamtlänge zwischen Dörfleins (bei Hallstadt) und Sulzfeld i. Grabfeld beträgt 60 Kilometer.
Bewertung: Mountainbiker schätzen seine Stille und Unberührtheit und die schattigen Wälder sowie die Ausblicke auf die weiten Tal- und Wiesengründe des Naturparks Haßberge. Der Höhenweg bietet immer wieder Möglichkeiten für Abstecher – zum Beispiel in die mittelalterliche Stadt Königsberg i. Bayern, zu Schlössern und geheimnisvollen Burgruinen.
Wern-Radweg
Der Wern-Radweg ist ein echter Geheimtipp für Radfahrer. Auf 78 Kilometern führt er im Fränkischen Weinland von der Quelle der Wern über Bergrheinfeld, Werneck, Arnstein und Gössenheim bis zur Mündung in den Main bei Gemünden-Wernfeld.
Bewertung: Bei gemütlichem Tempo lässt sich der gesamte Radweg bequem in zwei bis drei Tagen bewältigen – sportlich Ambitionierte schaffen die Strecke auch an einem Tag.  Wer den Wern-Radweg als Rundtour fahren möchte, wechselt in Wernfeld auf den Main-Radweg und gönnt sich eine Tour entlang des Mainbogens, bevor Main-Radweg und Wern-Radweg in Bergrheinfeld wieder aufeinander treffen.
#Abseitsradeln: 
Wie wäre es, mal nicht auf dem MainRadweg, sondern auf den anderen bis zur Stadtgrenze wenig gut ausgebauten Radrouten ins Umland von Würzburg zu radeln? Zum Beispiel am Aalbach entlang Richtung Wertheim: Unterwegs gibt es in Uettingen einen Friedhof mit interessanten historischen Grabmälern sowie die Rundkirche in Holzkirchen (von Balthasar Neumann) und den Benediktushof. In Urphar gibt es dann noch die wunderschöne Wehrkirche zu besichtigen, bevor Wertheim auf einen wartet.
Oder man nimmt den Main-Tauber-Radweg über Reichenberg und Kirchheim an die Tauber. Unterwegs zu sehen: Sigmund Kapelle in Oberwittichhausen, historisches Zentrum von Grünsfeld mit Pfarrkirche inklusive Riemenschneider Madonna sowie die Barocke Heilig-Kreuz-Kirche in Gerlachsheim.
Routen rund um Schweinfurt findet man hier.
Das Bayernnetz für Radler ist ein landesweites Fernradroutennetz mit über 120 unterschiedlich langen Fernradrouten in ganz Bayern. Insgesamt sind hier mehr als 9000 Kilometer erfasst. Eine durchgehende Wegweisung entlang der Strecken und Informationstafeln an zentralen Punkten sorgen für Orientierung. Die Radfahrer können die Fahrradkarte des Bayernnetz für Radler als PDF herunterladen oder online benutzen. Im Internet können alle Routen, ein Routenplaner und viele weitere Informationen wie Höhenprofile, Sehenswürdigkeiten, ÖPNV-Verknüpfungspunkte und mehr abgerufen werden. Ergänzt wird das Angebot durch die kostenlose Bayernnetz–für-Radler-App, mit der man unterwegs Zugriff auf alle wichtigen Informationen hat. Fernradwege und Routen können samt zugehöriger Karte gespeichert und in der App abgerufen werden.
Quelle: Christoph Spenkuch, clk

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