Würzburg

Menschenrechte: Was amnesty international in Würzburg tut

Engagieren sich in Würzburg für Menschenrechte (von links): Sarah Tröger, Michaela Morgalla und Dietlinde Weinberger.
Foto: PAT Christ | Engagieren sich in Würzburg für Menschenrechte (von links): Sarah Tröger, Michaela Morgalla und Dietlinde Weinberger.

Die Erfahrung, dass man tatsächlich etwas bewegen kann, hält Dietlinde Weinberger bei der Stange: Seit 45 Jahren engagiert sich die Würzburgerin bei amnesty international (ai). „In etwa jedem dritten Fall hilft eine Aktion einem konkreten Menschen oder sie verbessert eine Situation“, sagt die pensionierte Lehrerin.

Weinberger ist eine von rund 60 Würzburger ai-Aktivisten. Diese laden an diesem Montag anlässlich des Tag der Menschenrechte ab 18.30 Uhr dazu ein, auf dem Domvorplatz eine Lichterkette aus Kerzen für Menschenrechte zu bilden. Am 10. Dezember 1948 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Erklärung der Menschenrechte.

Am Freitag sammelte ai in der Stadtbücherei Unterschriften, die sich gegen drei konkrete Fälle von Menschenrechtsverletzung wandten. Zum einen ging es um den bis heute unaufgeklärten Mord an der brasilianischen Menschenrechtsverteidigerin Marielle Franco. Eine zweite Briefaktion betraf die Inhaftierung der Iranerin Atena Daemi. Sie wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil sie sich mit friedlichen Mitteln für die Abschaffung der Todesstrafe einsetzte. Eine dritte Aktion richtete sich an den Präsidenten vom Nairobi. Er wird aufgefordert, die Vertreibung der der Sengwer im kenianischen Embout-Wald zu stoppen.

In Würzburg setzen sich drei Gruppen für amnesty international ein. Dietlinde Weinberger gehört der zehnköpfigen „Stadtgruppe“ an. Acht weitere ai-Mitglieder bieten im Gesprächsladen an der Würzburger Augustinerkirche Asylberatung für geflüchtete Menschen an. Daneben gibt es eine sehr aktive Hochschulgruppe. „Wir haben 40 Studierende in unserem Mailverteiler“, berichtet Biologie-Studentin Sarah Tröger.

Alle Gruppen arbeiten eng miteinander. Gemeinsam wurden auch der Briefmarathon in der Stadtbücherei sowie die Lichterkette vorbereitet. Ab 19.30 Uhr lädt die ai-Hochschulgruppe am Montag außerdem zu einem Konzert ins „Standard“ ein. Es spielen „Act the Fool“, „Ask Mom“ und „Lama Karma“.

Dass man in Deutschland die Freiheit hat, zu handeln, wenn Unrecht geschieht, ist für Michaela Morgalla ein wesentlicher Grund, sich bei amnesty international zu engagieren. „In vielen Ländern riskiert man dafür sein Leben“, sagt die 24-jährige Medizinstudentin, die seit zwei Jahren der Würzburger ai-Hochschulgruppe angehört. Morgalla denkt an Länder wie China. Wer sich hier für Menschenrechte einsetzt, muss mit harschen Konsequenzen rechnen.

Auch wenn in Deutschland vieles sehr viel besser ist als in anderen Ländern, lässt sich Dietlinde Weinberger zufolge nicht ignorieren, dass auch hierzulande mitunter gegen Menschenrechte verstoßen wird. Handlungsbedarf besteht nach ihrer Ansicht zum Beispiel, was die Unterbringung von Flüchtlingen in großen Unterkünften anbelangt. „Die ist manchmal menschenunwürdig“, so die ai-Aktivistin.

Das diesjährige Jubiläum nehmen die Würzburger ai-Mitglieder zum Anlass, überhaupt einmal wieder auf die Menschenrechte aufmerksam zu machen. Während der Lichterkette werden die 30 Kapitel der Menschenrechtserklärung unter anderem auf Deutsch, Englisch, Französisch und Farsi verlesen. Die Kapitel betreffen das Menschenrecht auf Freiheit, Gleichheit und Asyl sowie auf ein Leben ohne Diskriminierung, Sklaverei, Folter und willkürliche Verhaftung. Am Montagmorgen um 9.30 Uhr wollen ai-Aktivisten ein Plakat mit den 30 Menschenrechtsartikeln im Rathaus Würzburgs Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake übergeben.

Gehen die Würzburger ai-Mitglieder in die Öffentlichkeit, erfahren sie oft, dass bei weitem nicht jeder mit ihrem Kampf für Menschenrechte sympathisiert. „Gerade unser Einsatz gegen die Todesstrafe polarisiert“, erzählt Sarah Tröger. Für ai ist es tabu, einem Menschen das Leben zu nehmen. Egal, was dieser Mensch verbrochen hat. Dem steht Kapitel 3 der Menschenrechtserklärung entgegen.

Jeder Mensch hat diesem Kapitel zufolge unterschiedslos das Recht auf Leben. Doch selbst Staaten, die zu den Befürwortern der Menschenrechtserklärung gehören, missachten dieses Recht, so Weinberger: „Zum Beispiel Weißrussland.“ Auch das Folterverbot wird weithin unterlaufen: „In derzeit 90 Ländern sind Menschen Folter ausgesetzt.“

Für viele Menschen bleibt es außerdem schwierig, ihre Religion auszuüben. Dass Religionsfreiheit ein Recht ist, das die öffentliche Ausübung der eigenen Religion oder Weltanschauung einschließt, ist keineswegs allen bewusst. Auch nicht in Deutschland. Was die Diskussionen über den Islam zeigen.

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