Veitshöchheim

Militärpfarrer Johannes Müller: Abschied unter Blaulicht

Johannes Müller vor seiner Militärgemeinde: Zum Abschiedsgottesdienst auf der Wiese unter dem Birkenkreuz kommen viele Soldaten und zivile Mitarbeiter der Balthasar-Neumann-Kaserne.
Johannes Müller vor seiner Militärgemeinde: Zum Abschiedsgottesdienst auf der Wiese unter dem Birkenkreuz kommen viele Soldaten und zivile Mitarbeiter der Balthasar-Neumann-Kaserne. Foto: Karsten Dyba

Nach zehn Jahren ist Schluss. „Es ist unvorstellbar, wie schnell die Zeit vergangen ist“, sagt Pfarrer Müller vor seiner „Gemeinde“, den Soldatinnen und Soldaten sowie zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Veitshöchheimer Kaserne, die sich auf der Wiese zu einem Abschiedsgottesdienst unter Corona-Bedingungen versammeln. Mit großem Abstand zueinander, aber unter dem Birkenkreuz, unter dem die Militärgeistlichen beider Konfessionen traditionell ihre Feldgottesdienste feiern. „Der Herr ist der Zeiten Anfang und ihr Ende“, sagt Müller, denn der Abschied von Weggefährten fällt ihm schwer, heißt es in einer Pressemitteilung.

Heeresmusikkorps Veitshöchheim spielte

Dass dies auf Gegenseitigkeit beruht, zeigt die Feldjäger-Eskorte, die die „Spieß-Runde“, eine informelle Zusammenkunft der Kompaniefeldwebel am Standort, gemeinsam mit den Feldjägern der 5. Kompanie des Feldjägerregiments 3 organisierte. Müllers Familien-Rüstzeiten für die Feldjägerkompanie seien stets etwas Besonderes gewesen, sagt deren Spieß, Stabsfeldwebel Thomas Fieder. Als Ehrendienst betrachten es auch das Bläserensemble des Heeresmusikkorps Veitshöchheim, den Abschiedsgottesdienst musikalisch zu begleiten. Müller durfte sich gleich sieben Musikstücke wünschen – und so wird er wortwörtlich mit Pauken und Trompeten verabschiedet.  

Dramatische Erfahrungen

Militärpfarrer im Auslandseinsatz: Bei einem Feldgottesdienst auf dem Berg Keita in Mali tauft Johannes Müller einen deutschen Soldaten.
Militärpfarrer im Auslandseinsatz: Bei einem Feldgottesdienst auf dem Berg Keita in Mali tauft Johannes Müller einen deutschen Soldaten. Foto: Privatarchiv Müller

Die zwölf Jahre, die ein Pfarrer in der Militärseelsorge bleiben darf, hätte er gerne ausgeschöpft, doch habe sich eine Stelle im nahen Ochsenfurt angeboten, die sich auch mit den Wünschen der Familie vereinbaren lässt. Müller hat tatsächlich alles mitgenommen, was man als Militärpfarrer erleben kann: In vier Auslandseinsätzen hat er die dort eingesetzten Soldaten seelsorgerisch betreut – in Prizren im Kosovo, in Kabul in Afghanistan, in Koulikoro in Mali und zum Abschluss im litauischen Rukla. Unvergessliche Momente habe er erlebt, wie beispielsweise die Taufe eines Kameraden auf einem Berg in Mali. Oder auf Patrouille im geschützten Fahrzeug „Dingo“ mit angespannter Wachsamkeit und in stetiger Erwartung, angesprengt oder beschossen zu werden. Da habe er natürlich auch Angst gehabt, heißt es in der Pressemitteilung. „Ich war Gott nie so nahe wie in diesem Dingo“, erinnert sich Müller und zitiert dabei Psalm 27: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?“ Eine wichtige Botschaft für den Militärpfarrer: „Das hat mich nie verlassen.“

„Ich weiß, wie sehr ein Militärpfarrer im Einsatz geschätzt wird.“
Brigadegeneral Michael Podzus

„Ich weiß, wie sehr ein Militärpfarrer im Einsatz geschätzt wird“, berichtet Brigadegeneral Michael Podzus, stellvertretender Kommandeur der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim. Deshalb habe die Division auch so sehr dafür gekämpft, dass die neue Mission in Litauen permanent von einem Militärpfarrer begleitet wird. Vier Einsätze in zehn Jahren, das sei „für einen Militärpfarrer eine ganze Menge“, bestätigt Müllers Vorgesetzter, der Leitende Militärdekan Dr. Ralf Zielinski und stellt fest: Das Dekanat in München sei stets voll des Lobes gewesen, „du hast hier segensreich gewirkt.“ Einen Nachfolger für die Balthasar-Neumann-Kaserne hat das Militärdekanat laut Pressemitteilung noch nicht. Man habe einen Kandidaten im Auge, verrät Dekan Zielinski, müsse ihn aber erst noch zum Wechsel überzeugen.

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