Rottendorf

Mit Schneeballahorn und Flatterulme gegen den Klimawandel

Nicht nur reden, sondern auch anpacken: Der Rottendorfer Jugendrat pflanzt Bäumchen, um den Eichenwald zu retten.
Zwei Jugendrätinnen und Förster German-Michael Hahn pflanzen am Forstweg einen Schneeballahorn.
Foto: Ammon | Zwei Jugendrätinnen und Förster German-Michael Hahn pflanzen am Forstweg einen Schneeballahorn.

Sie wollen nicht nur reden, sondern auch anpacken, um eine lebenswerte Welt zu erhalten. Mit einer Baumpflanzaktion im Rottendorfer Gemeindewald wollten die Jugendlichen des Rottendorfer Jugendrats bewusst ein Zeichen setzen. Ausgesucht hatten sie sich dafür das kleine Wäldchen Spreth mit seinen vielen alten Eichen. Viele Jahrhunderte lang war es von der ökologisch besonders wertvollen Mittelwald-Bewirtschaftung geprägt. Im Sommer zeigte sich jedoch, wie gefährdet dieses besondere Biotop ist.

Wegen eines extrem starken Befalls durch die Schwammspinnerraupe war es nötig geworden, den Wald auf einer Fläche von sieben Hektar von Hubschraubern aus mit Schädlingsbekämpfungsmitteln zu besprühen. Das ist geglückt. Nur einzelne der zahlreichen alten Eichen haben die Trockenheit und die gefräßigen Schädlinge nicht überstanden.

Einen gesunden Mischwald schaffen

Die Pflanzaktion soll dennoch den Wald stärken. "Es geht darum, einen gesunden Mischwald zu schaffen, das Risiko zu streuen und so einen Wald zu schaffen, der dem Klimawandel standhält", erklärt vor Ort Förster German-Michael Hahn. Dabei setzt er bewusst auf Baumarten, die dem Klimawandel gewachsen sind. Insgesamt 10 000 Bäume möchte die Gemeinde in diesem Herbst und Winter in ihren Wäldern pflanzen.

Zwölf Jugendräte bei der Pflanzaktion im Rottendorfer Spreth: Unterstützt wurde die Aktion von Bürgermeister Roland Schmitt (vorne), Förster German-Michael Hahn und der Leiterin des Jugendzentrums Ruth Braun.
Foto: Ammon | Zwölf Jugendräte bei der Pflanzaktion im Rottendorfer Spreth: Unterstützt wurde die Aktion von Bürgermeister Roland Schmitt (vorne), Förster German-Michael Hahn und der Leiterin des Jugendzentrums Ruth Braun.

Schon am frühen Morgen treffen sich die zwölf jungen Männer und Frauen im Wald. Ausgerüstet mit Pflanzspaten, die mit ihren gerundeten Klingen das Setzen der Bäumchen deutlich erleichtern, sind sie dabei, Löcher für die Setzlinge auszuheben. Gepflanzt werden sie in einem umzäunten Areal. Das soll Wildverbiss verhindern. Es gehört einiges an Kraft und Ausdauer im nass-kalten Spätherbst dazu. Die Initiative kam jedoch von den Jugendlichen selbst: Drei Mädchen hatten in der Schule von der Aktion "Plant for the Planet" gehört, durch die im Spessart nach umstrittenen Baumfällungen neue Bäumchen gesetzt worden waren. Die Mädchen stellten die Aktion dann im Jugendrat im Rathaus vor. Bei einem Besuch im Walderlebniszentrum Einsiedel informierten sie sich genauer. 

Unverzichtbarer Eingriff in den Eichenwald

Die genauen Standorte für die Bäumchen suchte dann der Förster aus, ein Waldarbeiter legte sie frei. "Im Forst muss man langfristig in die Zukunft denken", erklärt Hahn. So bekommt etwa eine alte Espe, die als Pionierbaumart in absehbarer Zeit absterben dürfte, rechts und links Pflänzchen gesetzt, die sie später ersetzen sollen. Sie könnte dann als Totholz liegen bleiben und ein wertvolles Biotop darstellen. Hahn hält es für unverzichtbar, dass der Mensch in einen Eichenwald eingreift. Für die alten Bäume sei es zwingend notwendig, dass der Stamm im Dunkeln steht und die Krone ausreichend Licht bekommt. Weitere Bäumchen setzen die Jugendlichen als Allee entlang des Forstweges.

Mit vereinten Kräften wird gepflanzt.
Foto: Ammon | Mit vereinten Kräften wird gepflanzt.

Bei ihrer Pflanzaktion setzten die Jugendlichen zwei Baumarten, den Schneeballahorn und die Flatterulme. Erster kommt in Deutschland nur am Bodensee vor. Vor der Eiszeit war die Ahornart jedoch auch hierzulande heimisch. In den Mittelmeerländern und auch der Schweiz ist sie als Gebirgsbaumart weit verbreitet. Dem Ahorn und der ebenfalls seltenen Flatterulme, der Baum des Jahres 2019, traut es der Förster zu, dass sie sowohl mit anhaltender Trockenheit als auch frostigen Wintern zurechtkommen und so zu einem lebendigen Mischwald beitragen.

Dennoch ist es eine Experiment. Keiner weiß, ob es die Bäumchen schaffen. Für die Jugendlichen steht daher schon jetzt fest, dass sie spätestens im Frühjahr nach dem Rechten schauen werden. Falls es dann zu trocken sein sollte, ist die nächste Aktion schon geplant: das Gießen der Bäumchen.

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