THEILHEIM

Mit Tradition und Familie gegen den Trend

Im Jahre 2014: Auch 50 Jahre nach der Gründung ist das Autohaus Henneberger, mittlerweile in zweiter und dritter Generation, eine reine Familienangelegenheit, (von links) Siegbert und Frieda Henneberger, Maria Lang und Jürgen Henneberger.
Foto: Daniel Peter | Im Jahre 2014: Auch 50 Jahre nach der Gründung ist das Autohaus Henneberger, mittlerweile in zweiter und dritter Generation, eine reine Familienangelegenheit, (von links) Siegbert und Frieda Henneberger, Maria Lang ...

Ein Autohaus auf dem Land, fernab von den riesigen, stylischen Autozentren in der Stadt, die mit 'cool und billig' werben? Klingt nach Auslaufmodell. Das Autohaus Henneberger aber beweist das Gegenteil. Nicht nur feiert das Familienunternehmen am 19. Juli sein 50-jähriges Bestehen. Die nächsten Pläne liegen längst in der Schublade. „Wir haben gerade das Nachbargrundstück erworben, werden also weiter modernisieren und uns vergrößern“, sagt Jürgen Henneberger.

„Viele Autokäufer sind Laien. Sie suchen jemanden, dem sie vertrauen können.“
Jürgen Henneberger Autohaus

Rückblick: 1964 fasst Walter Henneberger einen Plan. Der gelernte KfZ-Meister hat von seinem Job bei der Polizei die Nase voll. „Das Beamtentum hat ihn genervt“, erzählt seine Tochter Maria Lang. In einer umgebauten Scheune in Theilheim repariert Henneberger Lichtmaschinen und Anlasser, seine Frau Liselotte hilft, wo es geht. Schnell spricht sich die gute Arbeit herum, sodass der Familienbetrieb wächst.

Entsprechend dauert es nicht lange, bis auch der Rest der Familie mitmischt. Wie zu dieser Zeit üblich, wird darüber nicht lange diskutiert. „Jeder wurde integriert, egal ob geborenes oder eingeheiratetes Familienmitglied“, sagt Rita Henneberger und lacht. Mit 19 Jahren, kurz nach der Hochzeit mit Siegbert Henneberger, ältester Sohn von Walter, wechselt die gelernte Bankkauffrau in den Betrieb. Siegbert Henneberger geht beim Vater in die Lehre, seine Schwester Maria Lang übernimmt im Alter von 14 Jahren die Buchhaltung. „So war es eben. Von der Schule in die Werkstatt“, erinnert sie sich.

1967 entstehen am Ortseingang eine Werkstatt und ein Wohnhaus. „Immer wenn Geld da war, wurde angebaut, vergrößert oder modernisiert“, erzählt Maria Lang. Die Geschäftsfelder rund um das Thema Auto wachsen. Neben der Werkstatt betreibt die Familie bald eine hauseigene Tankstelle mit Abschleppdienst und eine Waschanlage.

1972 handelt Walter Henneberger mit Chrysler Simca die erste Markenpartnerschaft aus, eine Verkaufshalle wird gebaut. „Zu der Zeit war das üblich, damals sind die Vertragswerkstätten entstanden, wie man sie bis heute kennt“, erklärt Jürgen Henneberger, 1972 geboren und seit letztem Jahr gemeinsam mit seinem Vater Siegbert Geschäftsführer.

1980 geht die Familie Henneberger dann eine „Geschäftsehe“ ein, die bis heute Bestand hat – Peugeot wird neuer Vertragspartner. Einige Monate später Zeit wechselt Siegbert Henneberger zu seinem Vater in die Chefetage – bis 2008, als sich Walter Henneberger im Alter von 80 Jahren endgültig zurückzieht, hat die Doppelspitze Bestand.

Heute tanzt die Familie wieder auf weniger Hochzeiten. Hauptgrund: Die Bürokratie. „Der Aufwand und die Auflagen sind teilweise echt Wahnsinn“, sagt Jürgen Henneberger. Seit 2004 ist die Tankstelle deshalb Geschichte – nur eine einsame Zapfsäule vor der Werkstatt erinnert an die alte Zeit. „Die Erdölfirmen haben Mindestquoten, die man jährlich abnehmen muss. Das können wir hier gar nicht leisten.“ Und das sei erst der Anfang: „Selbst die Schriftgröße in Werbeanzeigen für unsere Autos ist festgelegt.“

Um den Durchblick zu behalten, hat jedes Familienmitglied sein eigenes „Spezialgebiet“: Siegbert Henneberger leitet die Werkstatt, seine Frau Rita kümmert sich um Empfang und Verwaltung. Maria Langs Reich ist die Buchhaltung, während sich Jürgen Henneberger um Vertrieb und Verkauf kümmert.

Doch nicht die Anzahl von Verordnungen, sondern auch die Ansprüche der Kunden sind gestiegen und sorgen dafür, dass man sich im Autohaus Henneberger auf das Kerngeschäft konzentriert. „Früher war es so: Fünf Autos zur Auswahl, Verkauf per Handschlag. Das war eine Sache von zehn Minuten“, erinnert sich der Junior-Chef an Verkaufsgespräche aus seiner Kindheit.

Und heute? „Leasing, Finanzierung, Steuern, Tageszulassung, Emissionen. Um mal einige Beispiele zu nennen. Das kann zum Teil Wochen dauern“, so Jürgen Henneberger. Auch die Moral vieler Kunden sei gesunken. „Einige lassen sich gerne beraten und kaufen das entsprechende Auto dann online.“ Andere machten sich nicht mehr die Mühe, bis nach Theilheim zu fahren.

Doch trotz anderer Bedingungen laufen Verkauf und Werkstatt gut. Den Grund dafür sieht die „Familienbande“ darin, dass sie sich trotz vieler Trends treu geblieben ist. „Wir kennen unsere Kunden noch mit Namen, das sind nicht irgendwelche Nummern“, sagt Maria Lang. Jürgen Henneberger ergänzt: „Viele Autokäufer sind Laien. Sie haben schlechte Erfahrungen gemacht und suchen deshalb jemanden, dem sie vertrauen können.“ Dieses Vertrauen hat teilweise weitreichende Folgen: „Eine Kundin kommt zu jedem Reifenwechsel aus der Nähe von Leipzig angereist“, erzählt Siegbert Henneberger und lacht.

Auch nach 50 Jahren Henneberger ist deshalb kein Ende in Sicht ist. „Klar ist es nicht immer leicht mit mehreren Generationen unter einem Dach. Aber wenn man seine privaten Sachen nicht vernachlässigt, macht es auch viel Spaß“, sagt Maria Lang. So sieht das auch Jürgen Henneberger: „Wir machen weiter wie bisher und trotzen den großen Automeilen auch in Zukunft.“

In den 1970er Jahren: Bereits wenige Jahre nach der Firmengründung durch Walter Henneberger wurde 1972 in Theilheim die erste Verkaufshalle eingeweiht.
Foto: Repro: Daniel Peter | In den 1970er Jahren: Bereits wenige Jahre nach der Firmengründung durch Walter Henneberger wurde 1972 in Theilheim die erste Verkaufshalle eingeweiht.
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