Würzburg

Mit Werkzeug gegen die Wegwerfgesellschaft

Im Repair-Café war Platz für Fahrräder mit Achtern, abgefahrenen Bremsen oder defekten Gangschaltungen. Experten überschlugen die Kosten und rieten bisweilen von einer Instandsetzung ab. Foto: Georg Wagenbrenner
| Im Repair-Café war Platz für Fahrräder mit Achtern, abgefahrenen Bremsen oder defekten Gangschaltungen. Experten überschlugen die Kosten und rieten bisweilen von einer Instandsetzung ab. Foto: Georg Wagenbrenner

Ein kleinwenig erinnert die Situation an einen Tierarztbesuch. Nur hilft man hier keinen Lebewesen, vielmehr soll kaputten Dingen wieder neues Leben eingehaucht werden. Die 6. Auflage des Würzburger Repair-Cafés lockte viele hoffnungsvolle Menschen in die Räume von CoWorking und FabLab, in der Veitshöchheimer Straße 14, berichtet Georg Wagenbrenner von der Pressestelle der Stadt Würzburg.

Hoffnungsvoll sind die Besucher weil der Slogan „Wegwerfen? Denkste!“ des veranstaltenden Netzwerks klar signalisiert: Wir geben Deiner eingerissenen Lieblingsjeans, dem stummen Küchenradio, dem Fahrrad mit Achter noch eine Chance.

Auch der Autor dieser Zeilen wagte den Selbstversuch und hatte einen Elektrogrill dabei, der sich immer dann automatisch abschaltet, wenn die Heizstäbe gerade erst zu glühen anfangen. Für eine knusprige Bratwurst braucht man so reichlich Geduld. Geduld braucht es auch im Repaircafé. Bei 50 Besuchern in vier Stunden sind die Experten in den Bereichen Elektro, Holzarbeiten, Computer, Fahrrad und Nähen gut ausgelastet. Die Wartezeit versüßt aber ein großes Kuchenbuffet und ganz nebenbei kann und sollte man sich auch mit der Philosophie beschäftigen, die hinter dem Repair-Café steht.

Die Nachhaltigkeitsinitiative Transition Town organisiert die spendenbasierte Werkstatt für jedermann zusammen mit den Vereinen Nerd2Nerd, FreiRad und CoWorking, die Lokale Agenda 21 und die Umweltstation der Stadt Würzburg unterstützen das Netzwerk mit Tischen, Werbung und Arbeitskraft.

„Inzwischen sind wir ein gut eingespieltes Team. Es reicht ein Vortreffen um alles für das Repair-Café abzustimmen“, berichtet Josephine Ersfeld von Transition Town. 30 bis 40 Personen sind eingebunden. Wichtig sind die rund zehn Reparateure und Reparateurinnen. Daneben braucht es aber natürlich auch Leute für die Anmeldung, Kuchenspenden, Homepage (transition-wuerzburg.de) oder um das anschließende Helferessen zu kochen. Auch ein Begleitprogramm ist im Angebot. Diesmal läuft im Erdgeschoss ein Programm mit Kurzfilmen. Bei einer früheren Auflage gastierte der Kabarettist Andy Sauerwein mit seinem Programm „Reparieren lohnt nicht“. Als hätte er diese Nummer extra für dieses Format geschrieben.

Transition Würzburg gibt es seit 2014, die erste Transition-Town-Initiative wurde 2006 in England von Rob Hopkins gegründet. Angesichts der ökologischen Herausforderungen unserer Zeit setzt man auf einen schonenden Umgang mit Ressourcen und auf ein solidarisches Miteinander in der Nachbarschaft, Region und global.

Und wie erging es nun dem Elektrogrill? Das Problem wurde in jedem Fall erkannt. Das Gerät arbeitet mit einem sehr einfachen Bimetall-Schalter, erklärt der geduldige Elektriker. Feineinstellungen sind hier nicht vorgesehen, bleibt nur vorsichtiges Biegen mit der Zange im Millimeterbereich und dann jeweils der Testlauf, ob das Gerät nach dem Eingriff noch sicher abschaltet oder durchheizt. Die Reparatur schient gelungen. Der ultimative Test an der Wurst steht aber noch aus.

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