Leinach

Motorisierte Regeneration der Natur

Mächtige Gerätschaft kommt zur Beseitigung der dichten Verbuschung am Kiliansberg zum Einsatz. Beobachtet wird die Aktion von Erhard Heinle (untere Naturschutzbehörde am Landratsamt), Bürgermeister Uwe Klüpfel, Forstbetrieb-Inhaber Christian Halbig und Projektmanager und Landschaftsarchitekt Jürgen Faust (von links).
Foto: Herbert Ehehalt | Mächtige Gerätschaft kommt zur Beseitigung der dichten Verbuschung am Kiliansberg zum Einsatz. Beobachtet wird die Aktion von Erhard Heinle (untere Naturschutzbehörde am Landratsamt), Bürgermeister Uwe Klüpfel, ...

Angetrieben von einer armdicken Zapfwelle an einem mächtigen Schlepper frisst sich ein dröhnender Forstmulcher als Arbeitsgerät derzeit durch die dichte Verbuschung am Kiliansberg in Leinach. Der massiv anmutende maschinelle Einsatz ist jedoch nur ein erster Schritt dazu, der Natur im Nachgang wertvolle offene Mager- und Trockenrasenflächen zurückzugeben. Acht Hektar groß ist die Pflegefläche für das lokale LIFE-Projekt unter dem von Landschaftsarchitekt Jürgen Faust betreuten Schirm der regionalen „MainMuschelkalk“.

Was die im steten Rückgang befindliche landwirtschaftliche Nutzung und der Verlust durch Streuobstanbau an Landschaftspflege nicht mehr leisten können, wird dank des EU-Programms LIFE möglich. LIFE, das für die finanzielle Förderung sorgt, wurde im Jahr 2012 ins Leben gerufen. Intention dabei war die nachhaltig Entwicklung von so genannte Flora-Fauna-Habitaten (FFH-Gebiete). In Unterfranken entstand daraus das grenzüberschreitende Projekt „MainMuschelkalk“.

Der massiv anmutende Einsatz eines Forstmulchers lässt den Laien zunächst nicht vermuten, dass damit brach liegender wertvoller Kulturlandschaft nachhaltig zur Regeneration verholfen wird. „Die anschließende Pflege der von dichter Verbuschung frei gestellten Flächen erfolgt durch den Einsatz vierbeiniger Rasenmäher“, geben Erhard Heinle mit Helmut Kirch in Vertretung der Fachbereichsleitung von der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt zu verstehen.

Voraussetzung für Pflegemaßnahmen ist deren Kartierung als Schutzgebiete. Damit die Maßnahme im Rahmen des EU-Programms an Leinachs Kiliansberg umgesetzt werden konnte, kaufte das Landratsamt sogar eine Teilfläche von 1,3 Hektar an. Die restlichen der bisher ungepflegten Flächen von insgesamt acht Hektar ohne Nutzung befinden sich jeweils hälftig im Privatbesitz und im Eigentum der Gemeinde. Voraussetzung für ein koordiniertes Vorgehen war in erster Linie die Einbindung der privaten Grundeigentümer und der Jagdpächter. „Dabei wurden vor allem verbleibende kleinere verbuschte Korridore zum Wildunterstand abgestimmt„, erklärt Erhard Heinle. Für zwei Folgejahre wird die Nachpflege durch punktuelle Beweidung von Ziegen oder Schafen noch von der EU gefördert.

Mindestens weitere fünf Jahre muss der Landkreis Würzburg selbst für die Pflege aufkommen. Das LIFE-Projekt „MainMuschelkalk“ zum Erhalt und Optimierung von Trocken- und Kulturlandschaftsprojekten ist jedoch auf Dauer angelegt.

Verteilt auf die Landkreise Würzburg, Main-Spessart, Bad Kissingen und die Stadt Würzburg umfasst „MainMuschelkalk“ rund 4600 Hektar. Die Dokumentation durch die „After-LIFE-Konversation“ erfolgt durch ein Projektmanagement. In Zusammenarbeit mit einem Agrar-Ingenieur zeichnet sich für die Maßnahme am Leinacher Kiliansberg Landschaftsarchitekt Jürgen Faust verantwortlich. Faust betreut von Beginn an auch das Projekt „MainMuschelkalk“.

„Die Pflegefläche am Kiliansberg ist im Leinachtal nun schon die vierte Fläche, auf der durch vergleichbare Pflegemaßnahmen langfristige Landschaftsgestaltung betrieben wird“, verdeutlicht Bürgermeister Uwe Klüpfel (CFW). Zufrieden zeigt sich das Ortsoberhaupt durch EU-Förderung und in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt der Kulturlandschaft zur Regeneration auf Flächen zu verhelfen, die durch die landwirtschaftliche Nutzung und dem zunehmend an Bedeutung verlierenden Obstanbau verloren gingen.

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