Würzburg

Mozartschule: Stadtbaurat nimmt Stellung

Vor dem Bürgerentscheid: Christian Baumgart nimmt Stellung. Der Stadtbaurat will die ehemalige Mozartschule zugunsten der Stadtentwicklung abreißen.
Wünscht sich hohe Wahlbeteiligung: Stadtbaurat Christian Baumgart.
Foto: Theresa Müller | Wünscht sich hohe Wahlbeteiligung: Stadtbaurat Christian Baumgart.

Am Sonntag in einer Woche sollen die Bürger entscheiden, ob sie die Mozartschule abreißen oder erhalten wollen. Christian Baumgart beschäftigt sich mit dem Thema, das politisch mit immer wieder wechselnden Zielen besetzt wurde, seitdem er 1994 Stadtbaurat in Würzburg ist. Wir haben ihn mit seinen früheren Aussagen zum Mozartareal konfrontiert.

Frage: „Die entscheidende Frage ist: Was trägt an dieser Stelle zur Belebung der Innenstadt bei?“ Das sagten Sie kürzlich bei einer Veranstaltung zum Bürgerentscheid. Ihre Antwort? Baumgart:

Ein angemessener Mix aus Handel, Wohnungen, Hotel und Dienstleistungen – zu letzteren zählen auch kulturelle oder soziale Nutzungen.

Was hat die Innenstadt davon? Baumgart:

Zum einen, dass mit Einzelhandel und Hotel auf dem Faulhaber-Platz der notwendige Abschluss der neuen Fußgängerachse Eichhorn-/Spiegelstraße entsteht. Zum anderen eine deutliche Steigerung der Aufenthaltsqualität, da mit einer neuen Tiefgarage Parkplätze unter die Erde verlagert und die an der Oberfläche im Quartier weiter reduziert werden. Deshalb stehe ich persönlich auch hinter dem Ratsbegehren. Was aber nicht heißt, dass ich die Argumente der Gegenseite nicht anerkenne.

Das Mischkonzept des Ratsbegehrens entspricht ja auch dem, was Sie von Anfang an hier wollten. „Ich habe Bedenken gegen ein Shopping-Center an dieser Stelle“, sagten Sie 2009, als der Stadtrat sich unbedingt eines wünschte. Schön, wenn man Recht bekommt? Baumgart:

Darum geht es nicht. Tatsächlich hat Strabag zunächst so viel Einzelhandel angeboten, wie der Stadtrat für eine Einkaufsgalerie wollte. Doch dann haben sich die Vorstellungen des Stadtrats verändert.

2005 formulierten Sie Ihre Bedenken gegen ein Einkaufszentrum gegenüber des Weltkulturerbes Residenz so: „Auf dem Areal steht ein Denkmal, und es ist umgeben von Denkmälern.“ Hat sich daran etwas geändert? Baumgart:

Nein. Ich äußere mich auch heute nicht negativ zu dem Denkmal Mozartschule. Natürlich muss eine neue Gestaltung mit der Denkmalpflege und wegen der Welterbestätte Residenz auch mit der Unesco abgestimmt werden.

„Ich werde mich dafür einsetzen, dass neu diskutiert wird, die Schule in ihrer Ganzheit oder in wesentlichen Teilen zu erhalten“, sagten Sie 2009. Der Vorwurf der BI lautet, dass die Stadt das nie ernsthaft versucht hat. Hat sie es? Baumgart:

Wir haben diese Debatte mehrmals ausführlich geführt. Schon 2007, als der Stadtrat den Abriss beschlossen hat. Zuletzt 2012, als er die Bedingungen des Wettbewerbs festgelegt hat, der uns dann den Investor Strabag und sein Konzept gebracht hat.

„Zweifelsohne ist die Mozartschule ein Denkmal. Es ist aber zulässig zu fragen, welcher Preis für dessen Erhalt zumutbar ist“, haben Sie erst kürzlich gesagt. Wie hoch also ist der zumutbare Preis? Baumgart:

Es geht mir nicht nur um wirtschaftliche Gründe. Die Mozartschule ist ein idealtypischer Schulbau. Wir nutzen ihn aber nicht mehr dafür. Um das zu ändern, müsste man ein seit Langem gültiges Schulkonzept ändern. Wer hier wieder eine Schule dauerhaft einrichten will, muss auch festlegen, welcher andere Schulstandort dafür aufgegeben werden soll. Da sehe ich großen Diskussionsbedarf

Es gibt aber ja noch viel mehr Ideen für die Mozartschule, wie gastronomische, touristische oder kulturelle Nutzung. Baumgart:

Aber keine Idee ist so hinreichend konkret, dass man sie bislang durchgeplant hat. Und alle sind öffentlich. Eine Kommune darf aber bei Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Brandschutz keine Abstriche machen. Und dafür ist die gestaffelt gebaute Schule nur unter großem Aufwand sanierbar.

Das heißt aber doch, dass der Preis für den Erhalt doch in Euro gerechnet wird. Baumgart:

Es geht um mehr. Es muss hier möglich sein, stadtbildverträglich etwas Neues zu entwickeln. Ergänzungen, Ersatzbauten und Neukonzeptionen waren zu allen Zeiten Merkmale der sich entwickelnden europäischen Stadt

„Ein flächendeckend vier- bis fünfgeschossiges Gebäude an dieser Stelle passt nicht ins Stadtbild.“ Ihre Worte im Jahr 2009. Passen die von Strabag gezeigten Pläne ins Stadtbild? Baumgart:

Ja. Der skizzenhafte Vorschlag zeigt eben keine flächendeckende Bebauung, sondern Einzelbaukörper, die zum Blockrand geschlossen, aber gegliedert sein werden. Die Höhe ist auf dem Mozartareal auf First- und Traufhöhe der ehemaligen Staatsbank festgelegt.

Am Faulhaber-Platz ist ein Geschoss mehr möglich. Ich werde mich dafür einsetzen, dass auch hier eine verbindliche maximale Höhe vorgegeben wird.

„Jede Generation hat mit Selbstbewusstsein ihre Zeichen gesetzt“, haben Sie 2004 auf die Frage geantwortet, warum eine Stadt moderne Architektur braucht. Würde mit Strabag ein solches Zeichen gesetzt werden? Baumgart:

Strabag ist der mögliche Bauherr. Die Architektur wird der Wettbewerb klären, der bereits in der Ausschreibung festgeschrieben war. An dieser Stelle gilt ein hoher städtebaulicher Anspruch. Das heißt, Höhe, Dichte und Baukörper müssen auf die Umgebung abgestimmt sein und die Architektur eine selbstbewusste, zeitgemäße Sprache sprechen.

„Der Investor liefert, was wir bestellt haben“, das haben Sie schon mehrmals gesagt. Gefällt Ihnen, was Strabag liefert? Baumgart:

Ich kann mich mit dem Grundkonzept anfreunden und erwarte deutliche Verbesserungen durch den Architektenwettbewerb. Dabei sind Verwaltung und Stadtrat aufgefordert, konkrete Vorgaben zu machen.

„Es geht um eine wichtige Entscheidung“, haben sie jüngst gesagt und sich eine hohe Wahlbeteiligung gewünscht. Tatsächlich erscheint das Interesse der Würzburger am Moz-Bürgerentscheid, im Vergleich mit den Arcaden, aber deutlich geringer. Ist die aktuelle Entscheidung doch nicht so wichtig? Baumgart:

Ich halte diese Entscheidung für die Stadt für sehr bedeutend. Denn sie stellt wichtige Weichen: Stärken wir unsere Innenstadt an zentraler Stelle mit einem attraktiven Nutzungsmix? Wollen wir einen angemessenen Stadtauftakt am Kardinal-Faulhaber-Platz? Sind uns in der Innenstadt Wohnen und Hotels wichtig? Deshalb wünsche ich mir eine hohe Wahlbeteiligung.

Christian Baumgart

In Erlangen wurde Christian Baumgart am 3. Juni 1953 geboren. Baumgart studierte in Berlin Architektur. Von Bad Mergentheim, wo er Baubürgermeister war, wechselte der Diplomingenieur 1994 als Stadtbaurat nach Würzburg. Vor einem Jahr wurde er für eine vierte Amtszeit bis 2020 wiedergewählt. Baumgart ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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