Würzburg

Mozartschule: Statt Kulturfest jetzt zwei Demos

Rettet das Moz       -  Wir müssen draußen bleiben: Die Organisationen des von der Stadt verbotenen Kulturfestes in der Mozartschule planen Alternativen.
Foto: DANIEL PETER | Wir müssen draußen bleiben: Die Organisationen des von der Stadt verbotenen Kulturfestes in der Mozartschule planen Alternativen.

Junge Leute interessieren sich nicht für Politik? Für Nina Bärnreuther, Nicolas Prüßmann und Yara Henke gilt das nicht: Sie und ein Dutzend weitere junge Würzburger haben eine Haltung, sie reden mit und engagieren sich. Weil die Stadt ihr geplantes Kulturfest in der Mozartschule verboten hat, organisieren sie zwei Demos – gegen das Verbot und für den Erhalt der Mozartschule.

„Ich finde es toll, dass die Bürger bestimmen dürfen, was mit der Mozartschule passiert“, hatte Nina Bärnreuther vor einigen Wochen gesagt. „Nur kennen gerade viele junge Leute das Gebäude gar nicht.“ Das wollten die 19-Jährige und ihre Mitstreiter ändern: Sie luden für 27. Juni zu einem Fest in die Schule.

Buntes Fest

Für den Tag waren Diskussionen, Kunstausstellungen und Konzerte geplant. Gruppen der Sing- und Musikschule wollten auf dem Vorplatz musizieren, die Heiner-Reitberger-Stiftung durch das Denkmal führen. Auch der Dachverband Freier Würzburger Kulturträger war mit im Boot.

Mitte Mai stellten Bärnreuther und Prüßmann den Antrag zur Anmietung der Mozartschule bei der Stadt. Zwei Wochen später kam die Ablehnung. Gegenüber der Redaktion erklärte das Rathaus das Verbot mit „Neutralitätsgründen“. Bis zum Bürgerentscheid am 5. Juli sei das Gelände „neutrale Zone“. Diese Entscheidung habe OB Christian Schuchardt mit den Fraktionschefs im Ältestenrat getroffen. Allerdings trifft das nicht öffentlich tagende Gremium keine Beschlüsse. Nach Information der Redaktion hat sich lediglich die ÖDP gegen das Verbot ausgesprochen.

Aus den gleichen Gründen wurde die Reitberger-Stiftung aus dem Foyer der Schule hinauskomplimentiert: Eine Architektur-Dokumentation zur Mozartschule und eine Fotoausstellung mussten Mitte Mai geräumt werden. Die seit eineinhalb Jahren freitags stattfindenden Führungen durch die Schule dürfen die Denkmalschützer aber weiter anbieten.

Sachlich und objektiv

Für Bürgerentscheide verlangt die Gemeindeordnung von der Kommune Sachlichkeit und Objektivität. Sie ist aber nicht verpflichtet, über das Bürgerbegehren im gleichen Umfang zu informieren wie über ein ihm entgegen stehendes Ratsbegehren. Laut Susanne Socher, Vorstandssprecherin des Vereins „Mehr Demokratie in Bayern“ dürfe die Stadt laut geltender Rechtslage Veranstaltungen in der Mozartschule für das Bürgerbegehren unterbinden und gleichzeitig im Ratssaal eigene Veranstaltungen für das Ratsbegehren durchführen.

„Politisch sollte es aber eigentlich selbstverständlich sein, zu ermöglichen, dass alle Argumente ausgetauscht werden können“, sagt Socher. Wie sehr die Kommune die Gegenseite zu Wort kommen lasse, werde in Bayern sehr unterschiedlich gehandhabt und hänge vom jeweiligen Demokratieverständnis ab.

Die erste Reaktion der Kulturfest-Macher auf das Aus durch die Stadt war Wut. „Bis jetzt ist die Mozartschule noch unser Gebäude und nicht das vom Oberbürgermeister“, sagte Bärnreuther, nachdem sie die Absage bekommen hatte. „Wie sollen die Bürger sich eine Meinung bilden, wenn ihnen nur eine Seite gezeigt und die andere zensiert wird?“

Zwei Demos

Die jungen Würzburger meinen, dass man die Innenstadt nicht nur privaten Investoren überlassen dürfe. „Unsere Generation hat zur Mozartschule keinen nostalgischen Bezug. Natürlich ist sie ein schönes Gebäude, aber vor allem soll das Areal weiter den Bürgern gehören und von diesen genutzt werden,“ sagt Bärnreuther, die keiner Partei angehört.

Die zweite Reaktion der Kulturfestmacher: Jetzt erst recht! In den letzten Tagen hat die Truppe von rund 15 Aktiven einiges auf die Beine gestellt. „Wem gehört die Stadt?“ heißt die Demo, die am Samstag, 27. Juni, vom Dom aus durch die Stadt ziehen soll. Zwei Tage später soll der Montagsspaziergang zum gleichen Thema folgen

Die Reitberger-Stiftung trifft es sehr, dass sie die aufwendige Foto-Ausstellung zur Mozartschule nur eine Woche zeigen konnte. Nachdem Vorsitzende Suse Schmuck vergangene Woche vergeblich versucht hat, OB Christian Schuchardt davon zu überzeugen, dass die Fotos nur den aktuellen Zustand der Schule abbilden, sucht sie jetzt alternative Räume.

Standpunkt zum Kulturfestverbot 

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