Würzburg / Schweinfurt

Naturschutzgebiete: Ansturm am Pfingstwochenende erwartet

Die Naturschutzgebiete der Region leiden unter dem Corona-Tourismus. Die Regierung von Unterfranken und der Bund Naturschutz warnen - und befürchten erhebliche Störungen.
Um das Schwarze Moor im Biosphärenreservat Rhön zu schützen, wurden für Touristen Holzbohlenstege angelegt. 
Um das Schwarze Moor im Biosphärenreservat Rhön zu schützen, wurden für Touristen Holzbohlenstege angelegt.  Foto: Patty Varasano

Das schöne Wetter lockt, viele Unterfranken zieht es raus in die Natur - seit Wochen und jetzt, zum  Pfingstwochenende, erst recht. Weil größere Reisen in den Pfingstferien wegen der Corona-Pandemie ausfallen müssen, sind Ausflugsziele in der Nähe besonders beliebt. Dazu zählen auch die  Naturschutzgebiete, Naturparks und Biosphärenreservate des Freistaats. Bereits in den vergangenen Wochen kam es dort wegen hoher Besucherzahlen zu Problemen, berichtet der Bund Naturschutz Bayern (BN).

Vor allem im Alpenvorland sei es kritisch geworden. Statt wie sonst an den Gardasee zu fahren, wären viele Ausflügler in Südbayern, beispielsweise ins Berchtesgadener Land, unterwegs gewesen. Doch nicht nur das Alpenvorland, auch die unterfränkischen Naturschutzgebiete sind vom Corona-Tourismus betroffen. Sowohl die Regierung von Unterfranken wie auch der BN warnen deswegen vor einem Ansturm am Pfingstwochenende und befürchten Schäden für Flora und Fauna.

Die Touristen "lösten an den letzten Wochenenden eine Blechlawine und Verkehrschaos in den betroffenen Gemeinden aus", so der Bund Naturschutz. Die Folge: überfüllte Parkplätze, zugeparkte Zufahrtsstraßen und landwirtschaftliche Flächen. Die Befürchtung der Naturschützer: Vor allem die bekannten Freizeit- und Urlaubs-Hotspots könnten überrannt werden und im Massentourismus versinken. Auch die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) appellierte am Freitag deshalb, auf die Natur, die Tiere und auch auf die die Land- und Forstwirte Rücksicht zu nehmen. Plattgetretene Heuwiesen würden zu Futterausfällen führen.

Ranger kontrollieren am Pfingstwochenende im Unterfranken

Durch den Corona-Tourismus gab es bereits jetzt in einigen Naturschutzgebieten der Region mehr Störungen als sonst in Frühjahr. Beispielsweise in den Haßbergen: "Das Verlassen der Wege, aber auch das freie Umherlaufenlassen von Hunden waren bisher Probleme", sagt Monika Göhr, Sprecherin des Landratsamts Haßberge. Betroffen seien die Gebiete Altmain und der Sandmagerrasen bei Limbach sowie die Mainaue bei Augsfeld.  "Das führt besonders jetzt in der Brutzeit zu erheblichen Störungen der Vögel, aber auch zu Beeinträchtigungen der Wiesen und Gehölze", sagt Göhr. 

Laut dem Landratsamt Main-Spessart ist es in den Naturschutzgebieten des Landkreises dort bisher noch ruhig geblieben. "Das liegt aber vermutlich daran, dass wir ein Flächenlandkreis sind und kein Ballungszentrum haben", sagt die stellvertretende Pressesprecherin Frauke Beck. Trotzdem würden auch in Main-Spessart am Pfingstwochenende vermehrt Ranger unterwegs sein, um sicher zu stellen, dass die Spaziergänger und Wanderer in den Muschelkalkgebieten nichts beschädigen.

"Das führt besonders jetzt in der Brutzeit zu erheblichen Störungen der Vögel, aber auch zu Beeinträchtigungen der Wiesen und Gehölze."
Monika Göhr, Pressesprecherin des Landratsamts Haßberge

Und in der Rhön, dem besonders beliebten Ausflugsziel mit rund 6000 Kilometern Wanderwege?  Jürgen Reinhardt, Präsident des Rhönklubs, verweist auf das Rote Moor in Hessen und das Schwarze Moor in Bayern: "Diese Moorgebiete sind durch Bohlenpfade erschlossen, um trockene Wege zu schaffen", sagt Reinhardt. Darauf könnten Touristen entlang laufen und die Natur genießen, ohne die feuchte Vegetation der Moore zu zerstören.

Reinhardt ist zuversichtlich, dass sich die Touristen auch am Pfingstwochenende an die Wegemarkierungen halten. Zwar komme es immer wieder vor, dass die Beschilderungen abgerissen oder geklaut würden: "Das sind aber keine Corona-Täter, dass sind Souvenirsammler. Und die gibt es immer."

Die Regierung von Unterfranken befürchtet indes, dass durch unangemessenes Verhalten irreversible Schäden in empfindlichen Naturbereichen entstehen. Auf den trittsensiblen Trockenrasen beispielsweise würden bei hohem Besucherdruck regelrechte Trampelwege zu einzelnen Orchideen entstehen.  Auch Partymusik und Müllansammlungen stören die Natur in den Schutzgebieten.

Wer sich nicht an die Verordnungen der Naturschutzgebiete hält, könne gemeldet werden. Deswegen gilt: "Besuchen Sie die Gebiete immer so, dass Sie keine Spuren hinterlassen", rät Christian Salomon, Biodiversitätsbeauftragter der Regierung. "Die Natur wird es Ihnen mit beeindruckenden Erlebnissen und seelischer Erholung danken."

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