WINTERHAUSEN

Neues Leben in der Mondlandschaft

Es war ein harter Schlag für manche Bürger, Jäger und Naturliebhaber, als im vergangenen Winter einige Flächen oberhalb von Winterhausen „entbuscht“ wurden. Die Regierung von Unterfranken hatte über das Landratsamt das umgesetzt, was die bayerische Regierung mit dem „LIFE+Naturprojekt Mainmuschelkalk“ angestoßen hatte. Ziel war, seltene Pflanzen und Tiere, vor allem Insekten zu schützen und ihnen wieder einen Lebensraum zu bieten. Danach sahen die Flächen aber teilweise wie eine Mondlandschaft aus.
Wanderung durch eine ehemalige Mondlandschaft: Etwa 30 Winterhäuser überzeugten sich davon, dass sich auf den entbuschten Magerrasenflächen neues Leben regt.
Foto: HELMUT RIENECKER | Wanderung durch eine ehemalige Mondlandschaft: Etwa 30 Winterhäuser überzeugten sich davon, dass sich auf den entbuschten Magerrasenflächen neues Leben regt.

Doch die Natur, und mit ihr die seltenen Pflanzen und Tiere werden zurückkommen. Davon konnten sich die 30 Winterhäuser und einige Bürger aus den Nachbarorten bei einer Wanderung zu den Magerrasengebieten überzeugen.

Es war eine von über 20 Exkursionen, die von den beteiligten Landratsämtern organisiert wurde. Die LIFE und Naturführerin Katja Winter von der Regierung von Unterfranken und Gerhard Heinle von der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Würzburg führten die Teilnehmer auf die Höhe über dem Maintal.

Nach 40 Minuten Aufstieg trafen die Wanderer zunächst auf einer früheren Schutthalde eines Steinbruchs an. Hier stand bis zum letzten Jahr dichtes Buschwerk. Jetzt lugen schon wieder zarte Pflänzchen aus der Erde. Die sollen künftig ab und zu von Schafen abgeweidet werden. Die halten den Bewuchs kurz und schaffen so einen Lebensraum für seltene Pflanzen und Insekten, darunter viele Arten von Schmetterlingen.

Doch die tierischen Rasenmäher schaffen es in den ersten Jahren nicht allein. Noch zwei Sommer lang muss auch maschinell nachgeholfen werden, um die Schösslinge der Büsche und Bäume zurückzudrängen, meinte Heinle.

Er gab auch zu, dass bei der Aktion im Winter Fehler passiert waren. So wurden mehrere Lärchen in einem Magerrasengebiet Opfer der Motorsäge. Zwar galt die Anordnung, standortfremde Bäume zu entfernen, doch keiner wusste zum Zeitpunkt der Fällung, dass diese Nadelbäume von Menschen gepflanzt und gehegt worden waren. Weiter führte die dreistündige Wanderung zu einem Steinbruch, den die Ortsgruppe vom Bund Naturschutz schon vor Jahren gekauft hatte. Das Ziel war, hier ein Biotop zu schaffen und zu schützen.

Doch auch die Naturschützer um ihren Vorsitzenden Günther Maak haben inzwischen eingesehen, dass wildes Zuwuchern häufige Arten eher bevorzugt und der seltenen Fauna und Flora keinen Lebensraum schafft. So wurden im Zuge des Projekts auch in dem offengelassenen Steinbruch viele Büsche und Bäume entfernt. Eine weitere Aktion des Naturschützer wirkt auf den ersten Blick ebenfalls befremdlich. Am Hang, wo das Regenwasser Richtung Tal strebt, wurden mit Hilfe eines Steinbruchbetriebs große künstliche Pfützen, ohne jegliche Begrünung geschaffen. In ihnen sammelt sich das Wasser und bleibt für einige Wochen stehen.

Es entsteht dadurch ein idealer Lebensraum für die Gelbbauchunke. Mehrere davon konnten die Naturliebhaber im Tümpel planschen sehen. Der Unke reicht die kurze Zeitspanne zwischen den Regengüssen, um ihren Vermehrungszyklus zu durchlaufen. Doch dazu braucht sie warmes Wasser und viel Sonne. Daher wird ein Bewuchs um die Tümpel sofort immer wieder entfernt werden.

Weiter führte der Weg der Exkursion zu zwei Steinbrüchen, die dem Landkreis gehören und ebenfalls Teil des Projekts sind. Unterwegs zeigte die Führerin Katja Winter den Teilnehmern immer wieder seltene Pflanzen und auch manche Vögel.

Auf die Insekten und Schmetterlinge, denen das Augenmerk der Naturliebhaber gilt, mussten die Teilnehmer zum größten Teil verzichten. Denn die werden sich erst im Laufe des Sommers zeigen. Doch eine Ausstellung des Bundes der Naturschützer im Bürgerhaus Winterhausen zeigt die Vielfalt der Arten, die sich in einem Magerrasengebiet ansiedeln und wohlfühlen kann.

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