Ochsenfurt

Ochsenfurt: Sportler trainieren unter besonderen Bedingungen

Das Training ist auch in Sportvereinen seit Kurzem wieder erlaubt. Allerdings müssen Sportler dabei viele Vorgaben beachten. Wie der TVO mit den Auflagen umgeht.
Die Damentanzgruppe des TVO in Ochsenfurt trainiert in Corona-Zeiten unter besonderen Auflagen und Bedingungen auf dem Maininselsportplatz.
Die Damentanzgruppe des TVO in Ochsenfurt trainiert in Corona-Zeiten unter besonderen Auflagen und Bedingungen auf dem Maininselsportplatz. Foto: Claudia Schuhmann

Wie war das doch gleich - zuerst der linke Fuß oder der rechte? Evelyn Krämer steht mit dem Rücken zu ihrem arg ausgedünnten Grüppchen und ruft sich die Tanzschritte zu dem Medley ins Gedächtnis, mit dem die Damentanzgruppe des Ochsenfurter TVO zuletzt beim Rosenmontagsball aufgetreten war. Ewig lange scheint das her zu sein. In der Zeit danach machte die Coronakrise drastische Maßnahmen zur Eindämmung des Virus nötig, und dazu gehörte auch das Verbot des gemeinsamen Trainings in Sportvereinen.

Mehrere Wochen lang durften sich die rund 15 Damen nicht mehr in der Halle zum Training treffen. Und nicht nur sie: Auch die anderen Abteilungen des Sportvereins waren betroffen. Seit Kurzem ist das Training wieder möglich, wenn auch unter strengen Auflagen. Steffen Krämer, Vorsitzender des TVO, hat die Vorgaben durchgearbeitet und daraus für seinen Verein einen Leitfaden erarbeitet, nach dem sich die Übungsleiter der verschiedenen Sportarten richten müssen.

Hygienekonzept für das Training

Unter anderem sieht das Hygienekonzept vor, dass nur im Freien trainiert werden darf, also beispielsweise auf dem Maininselsportplatz, im Forst oder auf der Mainwiese. Keine Trainingsgruppe darf mehr als fünf Personen umfassen, und alle Teilnehmer müssen in eine Liste eingetragen werden. Beim Training muss der Mindestabstand eingehalten werden, gemeinsam genutzte Sportgeräte müssen desinfiziert werden,  Duschen und Umkleideräume dürfen nicht genutzt werden. Und Wettkämpfe, egal ob mit oder ohne Zuschauer, finden schon gleich gar nicht statt.

Über den portablen Lautsprecher kommt die Musik zum Tanzen auf dem Sportplatz.
Über den portablen Lautsprecher kommt die Musik zum Tanzen auf dem Sportplatz. Foto: Claudia Schuhmann

Für Evelyn Krämer und ihre tanzbegeisterten Damen sind diese Vorgaben relativ leicht umzusetzen. Die Übungsleiterin hat ihre Gruppe aufgeteilt, so dass sich jeweils höchstens fünf Teilnehmerinnen zusammenfinden und nacheinander auf dem Maininselsportplatz ihr Training absolvieren. Aufgrund der Aufteilung fällt dieses natürlich viel kürzer aus als üblich. Nur rund 30 Minuten entfallen auf jede Gruppe.

Dass das besser ist als überhaupt kein Training, darüber sind sich die Sportlerinnen einig. "Endlich geht's wieder los", lautet der Tenor. Nur mit einer Gesichtsmaske trainieren, das will niemand. Zum Glück ist das aber auch nicht nötig. Dass man hinterher nicht duschen kann, macht den Frauen nichts aus. Gewöhungsbedürftig ist nur der Tartan-Boden, auf dem die Drehungen nicht so gut funktionieren wie auf dem glatten Hallenboden. Den nötigen Sound liefert der Lautsprecher eines portablen Radios, an den Evelyn Krämer ihre Musik angeschlossen hat. Und der Abstand von 1,5 Metern lässt sich auch einhalten. Ihren jeweiligen Tanzpartner müssen sich die Tänzerinnen allerdings virtuell vorstellen.

Die Schwimmer machen Trockenübungen

Etwas einfallen lassen musste sich auch André Baumann, der beim TVO die Wettkampfschwimmer trainiert. Ins Schwimmbecken dürfen sie derzeit noch nicht, auch sie müssen mit dem Sportplatz vorlieb nehmen.  Elf bis 16 Jahre alt sind die Kinder und Jugendlichen, die nun endlich wieder trainieren dürfen. "Anfangs ist das noch nicht sehr aufs Schwimmen ausgerichtet", sagt Baumann. Er macht mit seinen Gruppen, ebenfalls jeweils nicht mehr als fünf Sportler, schwerpunktmäßig Übungen zu Körperstabilität und Ausdauer. "Laufen, Dehnen, Liegestütz und Koordination", zählt Baumann beispielhaft auf. Das lässt sich auf dem Sportplatz gut machen.

Solche "Trockenübungen" seien im Schwimmsport ohnehin seit Langem etabliert, erklärt André Baumann. Ihm ist neben dem sportlichen Aspekt noch etwas anderes wichtig: die soziale Komponente. "Die Kinder saßen neun Wochen zu Hause", sagt der Übungsleiter. Dass sie sich nun wieder treffen und sich unterhalten können, freue sie sehr. "Sie kommen alle extrem gut miteinander aus", sagt Baumann. Deshalb sei das Bedürfnis, sich während des Trainings miteinander zu unterhalten, sehr ausgeprägt.

Der soziale Aspekt ist sehr wichtig

Ist es da nicht gerade bei Kindern sehr schwierig, sie trotzdem immer wieder an die Abstandsregeln zu erinnern? "Das wissen sie", beruhigt der Übungsleiter. "Abstand halten ist möglich, wenn man das vorher kommuniziert." Über eine Whatsapp-Gruppe habe er schon vor der Wiederaufnahme des Trainings mit den Eltern in Kontakt gestanden, so dass auch diese über die Regeln genau bescheid wissen.

Auch Vorstand Steffen Krämer hält es für ausgesprochen wichtig, dass das Training, wenn auch unter Auflagen, wieder möglich ist. Für das soziale Gefüge im Verein sei das von großer Bedeutung. Krämer weiß, wie wichtig es ist, dass die mehr als 1700 TVO-Mitglieder die Möglichkeit haben, sich zu treffen, um gemeinsam Sport zu treiben und sich auszutauschen. Er möchte, dass die Mitglieder dem Verein treu bleiben, der ja letztlich vom Zusammenhalt aller lebt. Denn es sei schon vor Corona schwierig gewesen, neue Übungsleiter zu finden, sagt Krämer. "Im Verein muss man sich einbringen."

Derzeit sieht es aber nicht so aus, als wollten die aktiven Sportler ihrem TVO den Rücken kehren. Während die erste Gruppe von Übungsleiterin Evelyn Krämer ihr Medley zu Ende tanzt, lauern die nächsten fünf schon am Rand des Sportplatzes - in gebührendem Abstand zueinander, versteht sich.

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