Winterhausen

Panoramaweg soll unberührt bleiben

Bis hierher und nicht weiter soll die geplante Lärmschutzwand West in Winterhausen verlaufen. Der Panoramaweg (rechts) soll unberührt bleiben.
Foto: Klaus Stäck | Bis hierher und nicht weiter soll die geplante Lärmschutzwand West in Winterhausen verlaufen. Der Panoramaweg (rechts) soll unberührt bleiben.

Die Gemeinde Winterhausen bevorzugt beim Bau der Lärmschutzwand West an der Bahnstrecke die kürzere Variante ohne das umstrittene Teilstück am Panoramaweg. Eine entsprechende Stellungnahme gegenüber der Deutschen Bahn AG beschloss die Mehrheit des Gemeinderats in der Sondersitzung am Donnerstag nach einer abschließenden Aussprache. Die Sitzung war kurzfristig anberaumt worden, nachdem die Antwort der DB AG auf einen detaillierten Fragenkatalog der Gemeinde eingegangen war.

Die Winterhäuser haben jahrelang darum gekämpft, zusätzlich zu der Wand auf der östlichen Seite, die momentan im Bau ist, auch eine zweite auf der westlichen Seite zu erhalten, wo sich auch die Neubausiedlungen befinden. Doch seit dem Bekanntwerden der Planentwürfe der DB im Herbst gab es Unmut und Diskussionen.

Bürger eingebunden

Denn auf einem Teilstück beim Baugebiet "Heigern" würde die Wand an der Hangkante beim Panoramaweg verlaufen, weil eine Führung unten entlang der Gleise nicht den nötigen Nutzen-Kosten-Effekt bringe, so dass das Projekt nicht gefördert würde. Es folgten intensive Bemühungen der Gemeinde um Alternativen und Kompromisse, vor allem aber um Informationen und Unterlagen, um eine Abwägung vornehmen zu können und zu einer Entscheidung zu kommen. Auch die Bürger wurden eingebunden, die sich rege zu Wort meldeten.

Bürgermeister Christian Luksch skizzierte in der Sondersitzung noch einmal kurz die Vorgeschichte und sagte: "Der Verlauf am Weg war nie Ziel unserer Bemühungen." Das Angebot der DB, die Wand zu "gestalten" oder transparente Elemente einzubauen, würde nichts am Gesamteindruck ändern. Aber er machte auch klar, dass es nicht um eine Entscheidung zwischen Lärmschutz und Ortsbild gehe. Beides schließe sich nicht gegenseitig aus. Schon bei der Entstehung der Siedlung am "Heigern" sei einiges für den Lärmschutz getan worden, wie etwa ein Wall, die Höhe des Getränkemarkts, Garagenzeilen als Riegel zur Lärmquelle oder die Ausrichtung von Wohn- und Schlafräumen zur lärmabgewandten Seite.

Luksch setzt auf die Prognose der DB bis zum Jahr 2025, wonach sich der Geräuschpegel durch technische Maßnahmen an den Schienenfahrzeugen verringere. Zudem habe man nun Gewissheit, dass in Bereichen, wo die Immissionsgrenzwerte überschritten werden,  auch passive Maßnahmen an Häusern gefördert werden können, wie etwa Schallschutzfenster. Für Luksch ist die lange Wand keine akzeptable Lösung. So sah es auch die Ratsmehrheit.

Neuer Gesichtspunkt

Dabei ging es nicht allein um die Aussicht und das Ortsbild, sondern auch um einen bisher noch nicht untersuchten Gesichtspunkt: Die drei Meter hohe Wand oben am Panoramaweg würde die Wand am Altort überragen und deren Wirkung möglicherweise zunichte machen. Es sei zu befürchten, dass sie Schall über die Bahntrasse hinweg reflektiert. Zweiter Bürgermeister Dr. Matthias Wieser sieht darin ein noch nicht abschätzbares Risiko für den Altort.  Diese Wand würde über Jahrzehnte einen enormen Verlust für die Gemeinde bedeuten.

Über Befürchtungen von Altortbewohnern wegen der Reflexion berichtete Ingo Gernert. Auch Christian Braungardt ging auf diesen Aspekt ein.  Lukas Steigerwald sah in der "kurzen Wand" die einzige Lösung. Dass deren Vorteile überwiegen, meinte auch Anja Renz, die zudem darauf aufmerksam machte, dass das Projekt einen hohen sechsstelligen Betrag kosten würde. Im Hinblick auf die Folgen der Corona-Krise sollte Geld sparsam verwendet werden. Peter Teufel möchte unbedingt die technischen Innovationen zur Lärmreduzierung im Auge behalten, denn die Bahn schlafe ja auch nicht.

Unterschriftenliste

Markus Schäfer schätzte das überwiegende Meinungsbild von ganz Winterhausen so ein: Wenn die Wand am Panoramaweg erst stehe, müsste man sich den Vorwurf anhören: "Was habt Ihr damals gemacht?" Anders sah dies Klaus Trunk, der auf eine Unterschriftenliste von direkt betroffenen Anwohnern verwies, die die Wand in voller Länge wollen. Diese sei zwar nicht schön, aber eine einmalige Chance. Man könnte versuchen, sie so verträglich wie möglich zu gestalten. Der Lärmschutz sei aber wichtiger als die Optik auf 200 Metern, meinte Trunk, der – ebenso wie Uwe Braun – gegen die "kurze Wand" abstimmte. Die anderen neun anwesenden Ratsmitglieder und Bürgermeister Luksch stimmten aber für diese Variante, die den Panoramaweg ausspart.  

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