WÜRZBURG

"Platzwunde" war lebensgefährlich - Polizei entschuldigt sich

Die Meldung in der Main-Post klang nicht besonders spektakulär: Am vergangenen Sonntag, so hieß es im Polizeibericht, hätten sich in der Pleicherschulgasse sechs junge Männer mit drei anderen geschlagen. Einer sei „durch einen Schlag ins Gesicht“ umgefallen, „mit dem Hinterkopf auf der Straße“ aufgeschlagen und in eine Klinik gebracht worden.

Was in der Pleicherschulgasse passiert ist, war aber nicht so arglos, wie es der Polizei zunächst erschien. Der 19-Jährige, der ins Krankenhaus gefahren wurde, erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

„Lukas hatte einen Schädelbasisbruch und eine Vene in seinem Kopf war verletzt“, erzählt seine Mutter Brigitte H. „Es war reines Glück, dass kein Blut in sein Gehirn gelaufen ist“. Dreieinhalb Stunden hätten die Ärzte den Schüler operiert. Heute gehe es ihm „den Umständen entsprechend“. Brigitte H. wollte, dass die Polizei erfährt, dass ihr Sohn um sein Leben kämpfen musste. „Noch am Sonntag, während der Operation, habe ich dort angerufen“, sagt sie.

Weil sie nicht ernst genommen fühlte, informierte sie die Beamten am Montag erneut über den Zustand ihres Sohnes. „Aber es wurde nicht aufgenommen.“ Die Mutter fühlte sich hilflos. „Ich hatte den Eindruck, die suchen gar nicht nach den Tätern.“

Start der Ermittlungen

Am Dienstag, zwei Tage nach der Schlägerei, bekam sie einen Anruf vom Leiter der Polizeiinspektion Würzburg Ost, Walter Ehmann. „Er entschuldigte sich“, erzählt Brigitte H., „und er versprach mir, dass die Ermittlungen jetzt beginnen und er sich persönlich darum kümmert“.

Polizeisprecher Heiko Sauer wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Kollegen hätten die Brisanz der Schlägerei falsch eingeschätzt. „Das kann man so nicht sagen“, erklärt er im Gespräch mit der Redaktion. Für die Beamten habe es „zunächst so ausgesehen“ als habe Lukas H. „nur eine Platzwunde“. Die Schwere seiner Verletzungen sei „erst später erkannt worden“. Sauer bescheinigt seinen Kollegen, sie hätten am Tatort „vorbildlich gearbeitet“. Versäumnisse habe es nicht gegeben, die Polizei habe den Fall von Anfang an „sehr ernst genommen“. Es seien Fotos gemacht und „zahlreiche Zeugen festgestellt“ worden.

Zwei davon sind Christian und Benedikt, Freunde von Lukas H., mit denen er an diesem Abend unterwegs war. „Lukas und Christian haben aus Spaß gerangelt“, erzählt Benedikt. Plötzlich hätten sich sechs „südländische Typen“ vor den Freunden aufgebaut. „Die suchten Streit“, sagt Benedikt, „da bin ich mir ganz sicher“. Er vermutet, dass die Schläger Kampfsport-Erfahrung haben. „Sie haben ganz gezielt mit den Fäusten auf unsere Köpfe geschlagen.“ Benedikt hatte nach der Schlägerei „vier bis fünf Beulen am Kopf und eine blutige Lippe“. Es seien wuchtige Schläge gewesen, sagt er. „Ich ging zwar nicht zu Boden, war aber kurz weg getreten.“

Auch Christian war offenbar eine Weile bewusstlos. „Ich habe gesehen, wie Lukas die erste abbekommen hat“, erzählt er. Laut Benedikt hat auch er einen Faustschlag gegen den Kopf bekommen. Aber daran erinnert er sich nicht mehr. „Ich weiß, dass ich am Boden lag und zwei Mann auf mich eintraten.“

Folgeschäden nicht absehbar

Benedikt und Christian wurden am Freitag, fünf Tage nach dem Vorfall, von der Polizei vernommen. Benedikt ist zuversichtlich, dass er die Schläger auf Fotos wiedererkennen würde. Auch Christian denkt, dass er „zumindest einen“ identifizieren könnte. Bislang hat die Polizei ihnen noch keine Bilder von registrierten Straftäter gezeigt. „Das soll nächste Woche passieren“, sagt Benedikt. Lukas H. liegt noch im Krankenhaus. „Die Folgeschäden seiner Verletzungen sind noch nicht absehbar“, sagt seine Mutter.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (16)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!