WÜRZBURG

Politischer Ascherdonnerstag der CSU: Söder und Jörg teilen aus

Mit jedem Politischen Ascherdonnerstag werden die Auftritte des Würzburger CSU-Chefs Oliver Jörg, 38, robuster, knackiger, kantiger. 2005 als patenter Traum von Schwiegermüttern ins Amt gewählt, hatten seine ersten Verbalattacken etwas Rührendes. Er war zu nett, um garstig zu sein.

Jetzt, nach sechs Jahren als lokaler Parteichef und zwei Jahren als Landtagsabgeordneter, keilte er beim Ascherdonnerstags-Auftrieb seiner Partei im Hofbräu wie ein Alter: gegen Guttenberg-Kritiker, die ein „manische und verbissene Hetzjagd“ veranstalteten; gegen Oberbürgermeister Rosenthal, der die Frankenhalle zu seinem Ruhmestempel ausbauen wolle; gegen den FW-Landtagsabgeordneten Felbinger, der bleiben könne, wo der Pfeffer wächst. So laut und kräftig teilte Jörg die Schellen aus, dass manche Zuhörer juchzten.

Gut 160 waren da – etwa 400 lauschten zur gleichen Zeit in Oberwerrn bei Schweinfurt der Sozialministerin Haderthauer. In Würzburg besorgte Umwelt- und Gesundheitsminister Markus Söder das CSU-Ballyhoo. Jörg hatte ihn als sein Vorbild vorgestellt, Söder sprach von einer entstehenden Freundschaft zu Jörg.

Das Superwahljahr hat begonnen – Zeit für CSU-Granden, auf Bewährtes zu setzen. Sie zerren die Migranten zum Stimmenfang hervor: Horst Seehofer in Passau, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich in Berlin, Haderthauer in Oberwerrn, Söder in Würzburg.

„Ich befürchte, dass der Islam in Zukunft schon eine wichtige Rolle spielt.“

Markus Söder CSU

Der Islam sei kein prägender Teil Deutschlands, sprach der Minister aus Nürnberg, und dass er befürchte, dass der Islam in Zukunft schon eine wichtige Rolle spielen wird. Und „wer zu uns will, muss sich an unsere Werte, Sitten und Gebräuche anpassen“. Und „in jedes bayerische Klassenzimmer gehören Kruzifixe und keine Kopftücher, und dabei wird es bleiben mit der CSU“.

Er sprach launig und giftig, zum Beispiel über eine „Frontalbedröhnung“, die ihm die Grüne Claudia Roth verpasst habe, und manchmal schien es, als steuerte er kritische Sätze über seine eigene Partei an. So pries er den ausgeglichen Staatshaushalt, klagte aber, dass Bayern „viel Geld woanders hin“ gebe. Er meinte dann doch nicht die 3,7 Milliarden-Pleite der Bayerischen Landesbank wegen der Hypo Alpe Adria, sondern den Länderfinanzausgleich. Er beklagte eine ungeheure Bürokratie im Gesundheitswesen, ließ aber aus, dass niemand länger als Bundesgesundheitsminister verantwortlich war als sein Parteichef Seehofer.

Schließlich pflegte Söder das bajuwarische Selbstbewusstsein. „Etwas ganz Besonderes“ sei Bayern, „ein emotionales Gefühl“, ein Land der Spitzentechnologie, aber ohne „kalte Technokraten“. Bayern sei ein Land, das Leistung bejahe, aber „auf der Basis des Bekenntnisses zu den Kirchen“. Nur ein Punkt – er sage das „ganz ehrlich“, sagte er – behage ihm nicht. Manchmal habe man den Eindruck, „dass sich dieses großartige Land vor allem im Süden abspielt“. Politische Entscheidungen über Investitionen südlich der Donau fielen schneller als für Investitionen als nördlich des Stroms. Dabei sei Franken doch „ein starker, wenn nicht gar der stärkste Teil von Bayern“.

Eine knappe Minute kräftiger Applaus.

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