WÜRZBURG

Polizei und Rettungsdienste: Digitalfunk erst 2015

Alte und neue Technik: Ein Digitalfunkgerät und ein analoges Funkgerät in einem Münchner Polizeiauto. In Würzburg wird es wohl noch bis zum Jahr 2015 dauern, bis die Rettungsdienste mit Digitalfunk ausgestattet sind.
Foto: Sebastian Widmann | Alte und neue Technik: Ein Digitalfunkgerät und ein analoges Funkgerät in einem Münchner Polizeiauto. In Würzburg wird es wohl noch bis zum Jahr 2015 dauern, bis die Rettungsdienste mit Digitalfunk ausgestattet sind.

Digitales Radio, digitales Fernsehen, digitale Kameras, auf digitaler Technik beruht unsere moderne Welt. Nur dort, wo es oft lebensrettend sein kann, hat diese Technik ihren Einzug bislang noch nicht gefunden. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste arbeiten auch im Jahr 2011 noch mit analogem Funk, einer störanfälligen Technik aus dem letzten Jahrhundert. Derzeit werden zwar bereits neue Antennen auf den Masten montiert, aber im Bereich der Integrierten Leitstelle Würzburg wird wohl nicht vor 2015 digital gefunkt werden können.

In Würzburg werden dazu knapp 220 neue Funkgeräte und etwa 300 bis 400 Alarmpiepser benötigt. Zwischen 400 000 und 500 000 Euro werde die Umrüstung kosten, schätzt Branddirektor Franz-Josef Hench, Leiter der Berufsfeuerwehr Würzburg. Allerdings trage der Freistaat 80 Prozent der Anschaffungskosten. „Dafür müssen wir uns am laufenden Netzbetrieb beteiligen“, sagt Hench, „das wäre uns anders lieber gewesen, da hätten wir gern die 100 Prozent der Geräte bezahlt.“

Auch im Landkreis wird die Umstellung nicht billig. „Zwischen 850 000 und 900 000 Euro wird das kosten“, schätzt Kreisbrandrat Heinz Geißler. Hier werden die Kosten zwischen Landkreis und den jeweiligen Gemeinden aufgeteilt, aber auch im Landkreis zahlt der Freistaat 80 Prozent.

Der große Vorteil der neuen Technik: „Sie arbeitet störungsfrei“, sagt Hench. Derzeit werde auf verschiedenen Frequenzen gefunkt. Ein Bereich diene für die Kommunikation der Einsatzfahrzeuge mit der Leitstelle und die Alarmierung, ein zweiter werde am Einsatzort zwischen Einsatzleitung und den Lösch- oder Rettungstrupps genutzt, berichtet Hench.

Bei Großveranstaltungen oder großen Einsätzen seien diese begrenzten Frequenzen schnell überlastet, ein Problem bei weiteren Alarmierungen. Derzeit hätten zudem sowohl in der Stadt wie auch im Landkreis Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr noch jeweils separate Netze mit eigenen Frequenzen und Umsetzern, berichtet der Fachmann.

„Mit dem Digitalfunk soll dies alles dann erstmals zu einem gemeinsamen System vereinigt werden, dem auch noch das Technische Hilfswerk (THW) und der Zoll hinzugeschaltet werden“, sagt Hench. „Deswegen heißt das neue System auch BOS-Funk: er ist für alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsfunktionen gedacht.“

Durch digitale Übermittlung und Frequenzbandteilung bedeute das dann volle Bandbreite für alle, die Sprachqualität werde besser und die Verbindungen könnten abhörsicher verschlüsselt werden, dies sei wichtig für Polizei und Rettungsdienst, weil dort auch personenbezogene Daten übermittelt würden, sagt der Leiter der Berufsfeuerwehr. Auch werde per GPS der Standort der Einsatzfahrzeuge oder des Einsatzortes leicht ermittelbar.

Für die veralteten analogen Geräte werde es außerdem zunehmend schwerer Ersatzteile zu beschaffen. Ein Vorteil: Der Antennenwald wird gelichtet. Derzeit gebe es Umsetzstationen für jeden einzelnen Dienst, derzeit etwa 3500 in ganz Bayern, die könnten dann auf rund 900 reduziert werden, berichtet Hench.

Eine Übersichtskarte der Antennenstandorte wird es aus Sicherheitsgründen nicht geben. Wie auch die Stadt Würzburg wurden jedoch die Bürgermeister der Landkreisgemeinden, auf deren Gebiet eine Antenne geplant sei, über den Standort informiert. „Diese Infos können im Gemeinderat öffentlich weitergegeben und diskutiert werden“, informiert Michael Pahlke von der Rechtsaufsicht des Landratsamtes.

Auch der Elektrosmog für Anwender und Umwelt werde geringer. „Die digitalen Geräte arbeiten mit etwas mehr als zehn bis zwanzig Prozent der Sendeleistung der analogen, und bei den neuen System geht von den Umsetzern aus auch mehr über Kabel“, erläutert Hench.

Die Umrüstung der Fahrzeuge und die Ausbildung im laufenden Betrieb brauchen jedoch ihre Zeit. „Das ist ja ein sehr komplexes System, das über da gesamte Bundesgebiet Leitstellen-übergreifend hinweg zuverlässig arbeiten muss“, sagt Hench. Funktionsfähig soll das neue System bis spätestens 2014 sein. Da aber noch umfangreiche Tests im Parallelbetrieb notwendig sind, rechnet der Leiter der Berufsfeuerwehr Würzburg nicht vor 2015 mit der endgültigen Inbetriebnahme.

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