Würzburg

Psychotherapeuten in Ausbildung fühlen sich ausgebeutet

Für die Psychotherapeuten-Ausbildung braucht man viel Geld und Zeit. Eine Ausbildungsreform soll das Studium erleichtern. Warum gibt es trotzdem Kritik?
Miete, Lebenskosten, Bücher: Die Ausbildung zur Psychotherapeutin ist teuer. Studierende kritisieren, dass die geplante Reform der Psychotherapeuten-Ausbildung aktuelle Studenten benachteiligt. 
Foto: Christin Klose, dpa | Miete, Lebenskosten, Bücher: Die Ausbildung zur Psychotherapeutin ist teuer. Studierende kritisieren, dass die geplante Reform der Psychotherapeuten-Ausbildung aktuelle Studenten benachteiligt. 

Psychologiestudenten und junge Psychotherapeuten in Ausbildung protestieren gegen die Reform der Psychotherapeuten-Ausbildung, die Gesundheitsminister Jens Spahn(CDU) gerade angestoßen hat und die jetzt als Referentenentwurf vorliegt. Laut diesem Entwurf soll es ab 2020 in Deutschland ein fünfjähriges Psychotherapiestudium geben, nach dessen Beendigung die Absolventen sofort die Approbation bekommen und in einer bezahlten Weiterbildung Berufspraxis erwerben können. Damit hat Spahn durchaus das umgesetzt, was viele Psychotherapeuten forderten. Dennoch hagelt es Kritik, gibt es Protestdemos - wie etwa gerade in Berlin. Warum? "Weil der Gesundheitsminister die Leute, die gerade in der Ausbildung sind, nicht mitnimmt", sagt Simon Reusch, Student im dritten Semester aus Karlstadt (Lkr. Main-Spessart). Wie viele andere Studenten, die Psychotherapeut werden wollen und aktuell studieren, befürchtet er, dass Spahns Reform aktuelle Studenten aushungert.

"Aktuell können Leute, die Psychotherapeut werden wollen, keine direkte Ausbildung machen", erklärt Alexandra Hempe, die im 6. Semester an der Uni Würzburg studiert. Wer Psychotherapeut werden will, muss aktuell ein Einser-Abitur schaffen, um dann ein Vollzeit-Studium in Psychologie absolvieren zu können. Sowohl Bachelor wie auch Master werden gefordert. Studiendauer: Mindestens fünf Jahre. Erst nach Abschluss dieses Studiums beginnt für junge Psychotherapeuten die eigentliche Ausbildung: Nach Hempes Schilderung müssen die angehenden Therapeuten eine dreijährige Vollzeit-Ausbildung durchlaufen, sollen in dieser Zeit schon Patienten behandeln und werden dabei doch nur als Praktikanten bezahlt. Laut der Gruppierung "Psychologen in Ausbildung" (PIA) bekommen die jungen Leute dabei zwischen null und acht Euro pro Stunde. 

"Für praktisch kein Geld Vollzeit zu arbeiten, kann sich doch kein Mensch leisten", erklärt Hempe. Sie weiß von vielen Bekannten, dass diese die eigentlich dreijährige Vollzeit-Ausbildung in fünfjähriger Teilzeit absolvieren - weil sie nebenher jobben müssen. Hempe fordert, dass die neue Reform aktuelle Studenten mitnehmen muss. "Erstens ist die aktuelle Übergangsfrist für heutige Studenten zu kurz", sagt sie. Und zweitens sei es einfach unfair, dass künftige Psychotherapie-Studenten nach fünfjährigem Studium eine bezahlte Weiterbildung bekommen, aktuelle Psychotherapeuten in Ausbildung aber nicht. 

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