Eibelstadt

Puppenspieler Thomas Glasmeyer auf der Bühne im Hochseilgarten

Mehr als drei Monate lang hatte Thomas Glasmeyer nicht mehr mit seinen Puppen vor Publikum gespielt. Der Neustart gelang nun im Eibelstadter Hochseilgarten.
Puppenspieler Thomas Glasmeyer und der arme Ritter Valentin Gundelfinger waren die ersten, die die neue Bühne im Hochseilgarten Frankenturm bespielten.
Puppenspieler Thomas Glasmeyer und der arme Ritter Valentin Gundelfinger waren die ersten, die die neue Bühne im Hochseilgarten Frankenturm bespielten. Foto: Antje Roscoe

„Ich bin so froh, jetzt, wo ich wieder spielen darf“, sagt Thomas Glasmeyer freudig, als sich zwei Dutzend Besucher einfinden. Die Vorstellung war sehr kurzfristig organisiert worden. Die kleine Bühne im Sandspielbereich, die Liegestühle, eiskalte Limo dazu – das Publikum fühlt sich wohl, als die Tageshitze just um 19 Uhr in einen warmen Juniabend wechselt. Die Premiere für die kleine Bühne im Frankenturm Hochseilgarten gelingt – wenn auch das Maintal nicht so mucksmäuschenstill sein kann, wie es das Publikum gewöhnlich ist, wenn Glasmeyer mit Ritter Valentin Gundelfinger durch die Welt zieht.

Dafür befindet man sich an der Schnittstelle von Parallelwelten: letzte Kletterer im Hochseilgarten, Paddler, die ihre Bretter zurück bringen, in der Ferne schön leise der Freitagsverkehr auf der Autobahn. Der arme Ritter Gundelfinger ist auch so einer, der mühelos vom Mittelalter an den leeren Kühlschrank nach Eibelstadt und nach Afrika gelangen kann.

"Ich bin so froh, jetzt, wo ich wieder spielen darf."
Thomas Glasmeyer, Puppenspieler

So phantasiebegabt und sprachverspielt ist seine Geschichte, dass Glasmeyer meint, im Prolog seine Glaubwürdigkeit begründen zu müssen: Es sind nämlich die 30 Goldstücke Ritterrente schon aufgebraucht und selbst sein Schwert hat Gundelfinger schon für ein Bratwurstbrötchen verkauft. Ein zweites gab es als Dreingabe. Dabei war wirklich nur ein Goldstück pro Jahr verbraucht worden. Keine Extravaganzen! Gundelfinger ist einfach nur älter geworden als gedacht. Ein neuer Auftrag muss her.

Thomas Glasmeyer und sein Alter Ego Ritter Valentin Gundelfinger mit der weisen Wäschespinne.
Thomas Glasmeyer und sein Alter Ego Ritter Valentin Gundelfinger mit der weisen Wäschespinne. Foto: Antje Roscoe

Hier kommt Prinzessin Mieseltraute ins Spiel, ein Schachteldrachen und ein Kampflöffel, mit dem man „dem liederlichen, lommeligen Lindwurm eine Portion Demut verabreichen“ kann. Dabei kann eine „kleine grüne Lichtung“ auch ein Waschbrett sein. Vielleicht ist es auch nur ein grünes Brettchen, allerdings nur bevor Glasmeyer mehrfach betont, dass es eine kleine grüne Lichtung ist. Und das ginge auch auf Französisch, wenn das Publikum französisch spricht.

Tatsächlich entwickeln sich Glasmeyers eigene Stücke eher selten aus Geschichten, sondern aus Dingen wie einem Mehlsieb beispielsweise, das erst eine Fechtmaske und dann das Fundament für die Kopfburg wurde. Der Puppenspieler ist vor allem von Kind an Puppenbauer – und alles gleichzeitig. Zu jedem Stofffetzen könnte er eine Geschichte erzählen. Jedes Detail ist ihm wichtig. Glasmeyer: „Es kann irgendein Material sein und es entwickelt sich ein schöner Stoff“.

Viele Stücke für Erwachsene

An Material hat der Tüftelkünstler noch viele spannende Dinge zu Hause, mit denen er gerade nach Rottenbauer umzieht. Eines Tages passt es und sie erzählen eine neue Geschichte. „Stücke, die ich nicht mehr spiele, werden eingelagert, oder verkauft. Das geht nicht leicht. In jeder Hinsicht“, sagt der Schöpfer der Wankelpuppe Gundelfinger. Im Repertoire sind übrigens erstaunlich viele Stücke rein für Erwachsene, wie der von ihm komplett umgereimte „Faust“ oder „Der Ring der Nibelungen“, eingedampft auf zweieinviertel Stunden. Glasmeyer: „ Es sagen viele Leute, dass sie ihn jetzt verstanden haben“.

Die Puppenschau im Anschluss an das Thomas Glasmeyers Puppenspiel ist eigentlich obligatorisch - in Corona-Zeiten darf aber leider nichts angefasst werden.
Die Puppenschau im Anschluss an das Thomas Glasmeyers Puppenspiel ist eigentlich obligatorisch - in Corona-Zeiten darf aber leider nichts angefasst werden. Foto: Antje Roscoe

„Wegen der Spielfreude nicht und wegen der Goldstücke auch nicht“, so Thomas Glasmeyer. 63 Jahre alt ist er, und an Ruhestand nicht zu denken. Nur vom regelmäßigen Puppenspiel könne er leben. Die Geschichte vom armen Ritter könne man ruhig für bare Münze nehmen, bestätigt Glasmeyer, denn der begleite ihn als einer der ersten durch die ganzen 30 Jahre seiner hauptberuflichen Puppenspielerei. Er gilt als Alter Ego Glasmeyers. Wer da wen ausmacht, das darf man sich aussuchen.

Eine neue Freiluftbühne im Hochseilgarten

Doch Zuversicht ist der beiden Stärke, deshalb hofft Glasmeyer, im Oktober noch auf Jubiläumswochenenden im Theater am Neunerplatz. Das Stück „Mortadella und Co.“, eine Art frivoles Küchenlatein mit Essen, Liebe und Politik in der Tradition der von ihm gepflegten Tradition der Commedia dell’Arte schreibt er außerdem gerade für 2021 zu einem Solostück um mit neuer Musik, denn ursprünglich war er mit zwei Mitspielern aufgetreten. Das ist aber nicht mehr finanzierbar, bedauert er.

Mit dem Hochseilgarten Frankenturm gibt es nun immerhin eine neue Freiluftbühne. Sommerkonzerte soll es ab Ende Juli regelmäßig freitags geben, sagt Carmen Schuppe, Betreiberin des Hochseilgartens Frankenturm.

Am Sonntagabend, 5. Juli, spielt Thomas Glasmeyer in Eibelstadt im Hochseilgarten seine Version von 1001 Nacht: "Prinz Zain-el-Asnam" (ab 5 Jahre). Der Eintritt ist frei, es werden Spenden erbeten. Karten können vorab unter Telefon 0151/26208619 oder info@thomas-glasmeyer.de reserviert werden.

Am Anfang war die Schachtel - und dann der böse Schachteldrache. Thomas Glasmeyer entwickelt seine Geschichten meist aus Dingen.
Am Anfang war die Schachtel - und dann der böse Schachteldrache. Thomas Glasmeyer entwickelt seine Geschichten meist aus Dingen. Foto: Antje Roscoe

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