WÜRZBURG

Rebellische Radler bauen verbotene Anlage

Äußerst dreist gingen Extrem-Radfahrer im Stadtwald vor. Sie versuchten nun schon zum zweiten Mal, mitten im Wald eine professionelle BMX-Strecke zu bauen und richteten dabei große Schäden an.
Illegal: Radler-Parcours im Stadtwald.
Foto: Archivbild: Thomas Obermeier | Illegal: Radler-Parcours im Stadtwald.

Ihren Anfang nahm die Geschichte im September 2009: Damals hatten die Radfahrer es tatsächlich geschafft, einen Parcours mit Rampen und Kurven zu bauen.

Im Mai hatte das städtische Gartenbauamt diese illegale Anlage entfernt. Doch schon wenige Wochen später nahmen die rebellischen Radfahrer ihre „Bautätigkeit“ wieder auf.

Um eine Rennstrecke mit verschiedenen Kurvenradien und Rampen anzulegen, haben die Extremsportler laut Stadtsprecher Georg Wagenbrenner erhebliche Bodenbewegungen durchgeführt und massive Schäden angerichtet.

Nun muss sich die Polizei mit der illegalen Aktion befassen, die Stadt hat Anzeige erstattet.

Beide Anlagen für Mountainbikes und BMX-Räder – das sind kleinere Sportfahrräder, mit denen man große Sprünge ausführen kann – befanden sich im Stadtwald in den Flurabteilungen „Roth“ und „Unglücksberg“ in der Nähe des Waldfriedhofes.

Doch es gibt noch andere Radler, die sich nicht an Wege halten. Wagenbrenner spricht von zahlreichen Fahrstrecken in weiten Teilen des Waldes rund um Würzburg. Dieter Müller, Chef des städtischen Gartenamts, macht hier nicht die BMX-Fahrer vom Waldfriedhof dafür verantwortlich, sondern Mountainbiker oder Tourenfahrer, denen normale Radwege zu langweilig werden.

Durch die ständigen Fahrten auf den gleichen Pfaden durch den Wald bei jedem Wetter schaffen sie Schneisen und verdichten durch das Gewicht der Reifen den Boden. Müller: „Dort wächst dann nichts mehr.“

Die erste geheime und illegale BMX-Anlage im September hatte riesige Ausmaße. Müller schätzt den Parcours auf fast einen Kilometer Länge. Im Herbst hatte er Kontakt zu den „Würzburg Riders“ aufgenommen, eine Gruppierung von Extremradfahrern, die hauptsächlich im Internet kommuniziert. Der Verdacht lag nahe, sie könnten mit dem Bau etwas zu tun haben.

Doch der Verein distanzierte sich. Der Gartenamtschef: „Der Vorsitzende sagte uns, die Kommunikation im Internet geschehe oft über Deck- oder Spitznamen. Wirkliche Namen kenne man kaum. Daher wusste er nicht, ob und welche Mitglieder etwas damit zu tun haben könnten.“

Müller ließ über den Verein verbreiten, die Stadt wolle eine friedliche Lösung, die Anlage solle von den Bikern zurückgebaut werden. Bis Mai war nichts geschehen und so rückten drei Tage lang Arbeiter und Minibagger an und ebneten Strecke und Rampen ein.

Nur wenige Wochen nach der Einebnung entdeckte ein städtischer Mitarbeiter, dass die Extremradler an gleicher Stelle an einer neuen Anlage bauten. Und das, obwohl das Gelände dort stark besucht ist, wundert sich Müller und hofft nun auf Zeugen. Seine Arbeiter haben den neuen Parcours wieder beseitigt.

Unverständnis herrscht im Gartenamt über die Extremradler. Müller: „Unser Stadtwald verfügt über ein Waldwegenetz von 32 Kilometern, das für Radfahrer freigegeben ist.“ Dass die Stadt jetzt keinen Spaß mehr versteht, macht die Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung klar.

Die Polizei Würzburg-West ermittelt. Sprecher Andreas Rieger: „Wenn jemand jenseits der Wege Rad fährt, gibt es kein Bußgeld, aber wenn jemand eine illegale BMX-Bahn baut mit Bäumen aus dem Stadtwald ist das ein Straftatbestand.“

Zeugen melden sich bei der Polizei unter Tel. (09 31) 4 57-15 30 oder bei der Stadt: (09 31) 6 58 72.

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