Reichenberg

Reichenberg: Kommt bald noch ein Solarpark?

Ein weiteres Mal stand bei der Gemeinderatssitzung in Reichenberg die Diskussion über die Errichtung einer Freiflächenphotovoltaikanlage auf dem Plan. Stattliche 24 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche stehen hierfür in Reichenberg-Lindflur zur Verfügung.

Wenn man das Thema Energiewende ernst nehme, müsse man sich auf die gegebenen Möglichkeiten zur Umsetzung konzentrieren, schickte Bürgermeister Stefan Hemmerich der Diskussion voraus und ahnte wohl bereits, dass zu diesem Thema im Gremium keine einheitliche Meinung herrscht.

Zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen winken

Landwirtschaftliche Fläche "zuzupflastern" ist in den Augen von Wolfgang Pulzer der falsche Ansatz: "Meiner Meinung nach haben wir genügend Industriedächer zur Verfügung, auf denen man die Photovoltaikfläche relativ einfach anbringen könnte." Auch die Flächenversiegelung und die geringe Distanz zu Lindflur, welche das Ortsbild in Mitleidenschaft ziehen könnte, sind für Pulzer Argumente gegen eine Anlage auf landwirtschaftlichem Nutzgrund.

Frank Rohrmann wunderte sich über den Vorschlag, die Module auf Industriedächern anzubringen und wandte sich an Pulzer: Dieser solle zuallererst einmal aufzeigen, wo in Reichenberg 24 Hektar Dachfläche zur Stromerzeugung zur Verfügung stünden. Außerdem wäre die Anbringung mehrerer kleiner Anlagen auf unterschiedlichen Dächern deutlich ressourcenintensiver als der Bau einer einzigen Großen. Auch sei der Verlust von Biodiversität kein Argument für Rohrmann. Durch Wildwuchs von etwa Hecken entlang der Anlage halte er diese für ausgeprägter, als bei einem 24 Hektar großen Maisfeld. Zudem winkten der Gemeinde zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen.

Rohrmann: "Wir müssen etwas machen"

Zum Argument der Versiegelung fügte Rohrmann außerdem hinzu: "Wir können ja irgendwann stopp sagen. Wir müssen uns freilich nicht die Landschaft verpflanzen lassen. Aber jeder Hinz und Kunz schreit gegen Atomkraft, will aber dies und jenes nicht. Wir müssen aber eben irgendetwas machen."

"Private Initiative ist der einzige Weg, wie so etwas zu Stande kommt", sprang ihm Daniel Philipp bei. Immerhin könne man den Bürgern nicht vorschreiben, auf ihren Dächern Photovoltaikanlagen zu installieren: "Solange jemand nicht will, passiert hier gar nichts." In diesem Fall seien sich Landwirte und Investoren einig, nur die Gemeinde müsse noch zustimmen. "Ich habe große Bedenken, dass wir die Energiewende packen, wenn man so etwas blockiert", ergänzte Philipp.

Für seine grüne Parteikollegin, Annette Schuhmann, ist die Handlungsfreiheit der einzelnen Person jedoch nicht ausschlaggebend: Nicht nur die Bereitschaft zum Bau einer solchen Anlage seitens Privatpersonen und Investoren sollte eine Rolle bei der Entscheidung des Gremiums spielen. Auch der Blick auf Umwelt- und Artenschutz müsse bewertet und evaluiert werden, so Schuhmann.

Mit zehn zu sechs Stimmen votierte das Gremium dafür, die Entwicklung für das Sondergebiet für erneuerbare Energien in Aussicht zu stellen.

Planänderung beim Kindergarten-Neubau

Aufgrund des Kindergartenneubaus war auch Architekt Martin Dold bei der Sitzung des Gemeinderates vor Ort. Er stellte drei ausgearbeitete Entwürfe vor. Die Lage des Neubaus zwischen altem Kindergarten und Grundschule stellte hierbei den größten Diskussionspunkt dar. So möchte man etwa die zwischenliegenden Freiflächen für die Kinder möglichst zum Spielen bewahren und aufgrund von Ablenkung durch die Kindergartenkinder genügend Abstand zwischen dem neuen Gebäude und der Schule einhalten.

Wegen des Platzmangels äußerte Reinhold Schlosser den Vorschlag, das Dach des alten Kindergartens abzunehmen und mit einem zweiten Stock zu überbauen. Wilfried Hartmann plädierte dafür, den Neubau so weit wie möglich in Richtung der Bahngleise anzusiedeln.

Zu einer Einigung kam das Gremium an diesem Abend nicht. Auf den Vorschlag des Bürgermeisters hin wurde der Tagesordnungspunkt zurückgestellt. Bevor es zu einem Beschluss kommt, soll Architekt Dold nun die Realisierbarkeit und Kosten der vorgeschlagenen Varianten prüfen.

Eine Ankündigung hatte der Bürgermeister noch: Aufgrund des neuen Reichenberger Friedhofkonzeptes wurden die Bestattungsgebühren erhöht. Die neue Satzung tritt am dem 1. Januar 2022 in Kraft und ist bereits jetzt zu den allgemeinen Öffnungszeiten im Rathaus einsehbar.

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