Würzburg

Rettungsdienste simulieren den Ernstfall auf Kiliani

Wappnen für den Ernstfall bei Kiliani: Lagebesprechung der Rettungsdienste am Einsatzleitwagen, umringt von Übungsbeobachtern und Gästen.
Foto: Martin Kolbe | Wappnen für den Ernstfall bei Kiliani: Lagebesprechung der Rettungsdienste am Einsatzleitwagen, umringt von Übungsbeobachtern und Gästen.

Viel Vorstellungsvermögen mussten Teilnehmer und Beobachter eines rettungsdienstlichen Führungssimulationstrainings mitbringen um über 50 zum Teil schwer Verletzte versorgen zu können. Als Schadensszenario einer groß angelegten Übung der Würzburger Rettungsdienste BRK, Malteser und Johanniter wurde eine Verpuffung an einem Gastronomiestand auf Kiliani angenommen, an einem Samstagabend bei Hochbetrieb.

„Statt Mimen als Verletzte wurden Patienten durch Klebekarten dargestellt.“
Stefan Simon, Übungsleiter der Malteser

„Strenge Sicherheitsbestimmungen und moderne Technik lassen einen solchen Unfall sehr unwahrscheinlich erscheinen, aber letztlich ist der Auslöser eines Großschadensfalls fast beliebig austauschbar“, sagt BRK Rettungsdienstleiter Jens-Uwe Greiner.

Unter der Leitung von Martin Kolbe, BRK Ausbilder und Trainer der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) des Bundes, wurde mit der Übung erstmals in Würzburg ein Simulationskonzept eingesetzt, um vor allem Führungs- und Kommunikationsstrukturen zu überprüfen und im Bedarfsfall weiterzuentwickeln.

Gespenstische Atmosphäre

„Statt Mimen als Verletzte wurden Patienten durch aufwendig gestaltete Klebekarten dargestellt“, erläutert Stefan Simon, Übungsleiter der Malteser. Außerdem wurden in Fahrzeughalle des BRK Katastrophenschutzes etwa 50 weiße Overalls ausgelegt. „Das hatte durchaus auch was Gespenstiges“, berichtet BRK Kreisbereitschafts- und Wachdienstleiter Martin Falger.

Laminierte und beklebte Blätter enthielten Informationen über Verletzungen und Patientendaten. Notärzte, Sanitäter und Schnelleinsatzgruppen mussten sich für die medizinischen Maßnahmen entscheiden. „Wichtig war, dass unsere Einsatzkräfte möglichst schnell erkennen, welche Patienten am dringendsten Hilfe benötigen“, erläutert Matthias Neuhöfer von den Johannitern. In viertelstündigem Abstand mussten die Übungsteilnehmer Klebefelder auf den Patientenkarten freirubbeln und so Zustandsveränderungen ihrer Patienten freilegen.

Prof. Dr. Peter Kranke traf als zweiter Notarzt an der fiktiven Schadensstelle ein und übernahm die Festlegung der Behandlungs- und Transportprioritäten bei den Patienten. „Ich bin überrascht, wie das Trainingskonzept auch ohne Kunstblut und Hilferufe bei den Teilnehmern Stress und Realitätsnähe erzeugt“, bilanziert der Notfallmediziner.

Die Schnittstellen zur Polizei, zur Feuerwehr und den Medien wurden bei der Übung nur angedeutet. „Nachdem wir mit der neuen Simulationsmethode vertraut sind, können wir künftig auch unsere Blaulichtpartner einbinden“, kündigt Jens-Uwe Greiner an.

Simultation wurde schnell greifbar

Uwe Zimmermann, als Leiter des Fachbereichs Allgemeine Bürgerdienste für die Großveranstaltungen in Würzburg zuständig, war von der Übung beeindruckt. „Die anfangs abstrakte Simulation wurde schnell greifbar. Um für denkbare Großschadensereignisse gerüstet zu sein, müssen Strukturen und Abläufe immer auch praktisch trainiert werden“. Zimmermann dankte den 28 mitwirkenden Sanitätern und sechs Notärzten für ihren Einsatz.

„Strukturen und Abläufe müssen auch praktisch trainiert werden.“
Uwe Zimmermann, verantwortlich für Großveranstaltungen in Würzburg
 

38 Fahrzeuge der Rettungsdienste waren im simulierten Blaulichteinsatz, ohne dass ein Martinshorn zu hören war oder ein Fahrzeug ausgerückt ist. „Alle in den Landkreisen Kitzingen und Main-Spessart sowie in Stadt und Landkreis Würzburg vorhandenen Fahrzeuge wurden als Magnetkarten abgebildet und von der Leitstelle auf Anforderung der Einsatzleitung an Magnettafeln eingespielt“, erläutert Rettungsassistentin Petra Rüb, die im Auftrag des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung die Übungsplanung koordiniert hatte.

Auf Grundlage der gesammelten Erfahrungen sollen Simulationstrainings in den Landkreisen Kitzingen und Main-Spessart folgen.

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