Greußenheim

Revierförster fürchtet nicht zu bewältigende Menge an Schadholz

Erschreckend waren die Erkenntnisse der Ratsmitglieder, die sie vor der Beratung bei einer Waldbegehung in Begleitung von AELF-Abteilungsleiterin Antje Julke (links) und des zuständigen Revierförsters Wolfgang Fricker mit Bürgermeisterin Karin Kuhn (rechts) gewonnen hatten.
Foto: Herbert Ehehalt | Erschreckend waren die Erkenntnisse der Ratsmitglieder, die sie vor der Beratung bei einer Waldbegehung in Begleitung von AELF-Abteilungsleiterin Antje Julke (links) und des zuständigen Revierförsters Wolfgang ...

Die durch den Gemeinderat bei der Forstwirtschaft im Gemeindewald selbst auferlegte abwartende Haltung zahlte sich nach drei Hitzesommern in Folge für die Gemeinde Greußenheim nicht aus. Nach Einschätzung des zuständigen Revierförsters, Wolfgang Fricker, sind die Auswirkungen für Greußenheims Wald nicht nur gravierend, sondern mittlerweile beängstigend.

Einig war sich das Gremium in der jüngsten Sitzung deshalb, nun umso nachdrücklicher aktiv zu werden. Beim Vorgehen aber gingen die Meinungen auseinander. Bei zwei Gegenstimmen votierten die Mandatsträger für Aufforstungen, vorwiegend am Sümmeriberg, aber auch in den Flurlagen Bauholz, Kalmerichrain und Fürstenküche.

Kein aktueller Forstbetriebsplan

Bis zum Jahr 2017 hatte der Forstbetriebsplan der Gemeinde Greußenheim Gültigkeit. Dass die weitere betriebliche Planung der gemeindlichen Forstwirtschaft für den 170 Hektar umfassenden Gemeindewald seither nicht angegangen wurde, steht im Zusammenhang mit der durchgeführten Waldflurbereinigung. Die Besitzverhältnisse müssen geklärt sein und die Flächen feststehen, bevor ein Forstbetriebsplan verabschiedet wird, mahnte Abteilungsleiterin Antje Julke vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Würzburg. Weil an den hierfür zu erwartenden Kosten von 20 000 Euro eine nicht unerhebliche, etwa hälftige Unterstützung durch den Freistaat möglich ist, braucht es noch bis zum Jahresende einen entsprechenden Beschluss des Gemeinderates, betonte Julke.

Unterdessen reichten die Vergleiche von Bernd Kleinschnitz (BmG) und Rainer Troll (CSU/FWG) zu den notwendigen Maßnahmen zum Erhalt des Waldbestandes von "Lotteriespiel" (Kleinschnitz) bis zu "breiter Streuung wie bei Aktien" (Troll). Erschreckend waren die Erkenntnisse der Ratsmitglieder, die sie vor der Beratung bei einer Waldbegehung in Begleitung von AELF-Abteilungsleiterin Antje Julke und des zuständigen Revierförsters Wolfgang Fricker gewonnen hatten.

Tiefe Risse in der Rinde

"Jeder dritte Baum ist hinüber. Der Wald wird sich sehr stark und sehr schnell verändern, mit dramatischen Folgen", stellte Fricker am "Sümmeriberg" fest. Dabei trieb Frickers Prognose für den dortigen Bestand alleine für das nächste Jahr den Ratsmitgliedern das blanke Entsetzen ins Gesicht. Fricker geht davon aus, dass dort im nächsten Jahr die Hälfte aller Bäume abgestorben sind. Selbst für Laien sind die deutlichen Anzeichen dafür an betagten Buchen zu erkennen. Wegen des extremen Niederschlagsmangels kommt der wenige Regen nicht in den tieferen Erdschichten an den Wurzeln der älteren Bäume an. Als Folge sind weit verbreitet an den Stämmen mächtiger Buchen tiefe Risse in der Rinde und dürre Baumgiebel zu erkennen.

Verkehrssicherheit an der Staatsstraße

Aus dem in dramatischem Umfang absterbenden Buchenwald ergibt sich für die Gemeinde ein weiteres Problem. Die Verkehrssicherungspflicht entlang der Staatsstraße 2310 zwischen Greußenheim und Leinach ist nicht mehr zu gewährleisten. Als Begründung verwies Fricker auch auf die Besitzverhältnisse im Verlauf der Staatsstraße. Hier gebe es in einem schmalen Streifen entlang der Trasse ausschließlich private Eigentümer, die selbst gefordert seien, stellte Fricker klar. Nach Einschätzung Frickers würde bei Beseitigung aller im Gemeindewald mittlerweile abgestorbener Bäume etwa 6000 Festmeter anfallen. "Diese", laut Fricker "nicht zu bewältigende Menge betrifft mehr als das zehnfache des üblichen jährlichen Einschlags."

Klimatolerante Baumarten

Klarheit bestand innerhalb des Gemeinderates, dass Aufforstung insbesondere am "Sümmeriberg" zwingend erforderlich, aber nur mit immensem Aufwand möglich sind. Über den Umfang aber gingen die Meinungen auseinander. Im Verlauf des Wirtschaftsweges sollen nach dem mehrheitlichen Beschluss des Gemeinderates auf einer Fläche von etwa einem Hektar 5000 neue klimatolerante Bäume von Hand gepflanzt werden. Als Baumarten empfahl Fricker Vogelkirschen, Speierlinge, Elsbeeren, Feldahorn, Traubeneichen und Baumhasel.

Wegen der starken Wildschwein-Population ist nach Frickers Einschätzung eine Zäunung der Aufforstungsfläche zwingend notwendig. Die Kosten von etwa 30 000 Euro können durch Entschädigungen für so genannte Biotop-Bäume und Fördermittel gedeckt werden, nannte Fricker als Entscheidungshilfe für das Gremium. Bei punktuellen zusätzlichen Aufforstungen in den Flurlagen Bauholz, Kalmerichrain und Fürstenküche sollen nach dem Beschluss des Gremiums weitere 3000 Bäume gepflanzt werden. Verbunden sein wird die umfassende Aufforstung mit notwendiger Bewässerung in den ersten beiden Jahren. Über Beschaffungen von hierzu notwendigen Gerätschaften wurde zunächst kein Beschluss gefasst.

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