WÜRZBURG

Rudolf-Alexander-Schröder-Haus ist 50 Jahre alt

„Treffpunkt für alle, Bildung für jedermann“: So hieß es im Rudolf- Alexander-Schröder-Haus schon vor 50 Jahren. Großer Beliebtheit erfreuten sich damals vor allem die Tanzkurse.HANS HEER
Foto: Foto: | „Treffpunkt für alle, Bildung für jedermann“: So hieß es im Rudolf- Alexander-Schröder-Haus schon vor 50 Jahren. Großer Beliebtheit erfreuten sich damals vor allem die Tanzkurse.HANS HEER

Es ist nach München und Köln das drittälteste städtische evangelische Bildungszentrum. Ein Grund zum Feiern, aber das Haus plagen auch Probleme. Als im Jahr 1963 das Rudolf-Alexander-Schröder-Haus eingeweiht und eröffnet wurde, war die Welt noch eine andere. Bildung war gesellschaftliches Gut, keine Ware. Wer sich fort- und weiterbildete, tat das für sich, nicht um seine berufliche Leistung zu steigern. Heute steht Weiterbildung oft unter „Ökonomisierungszwang“ – sie soll in erster Linie wirtschaftlichen Nutzen bieten. Bei evangelischer Erwachsenenbildung ist das anders, und auch das Würzburger Schröder-Haus setzt andere Akzente.

Für Direktor Harald Wildfeuer ist evangelische Erwachsenenbildung heute daher „fast noch wichtiger als früher“. Bildung sei im kirchlichen Leben schon immer wichtig gewesen, in der frühen Christenheit genauso wie zu Zeiten der Reformation und nun in der Gegenwart. Die immer pluralere Gesellschaft mit all ihrer Komplexität erfordere „Angebote zur Lebensbewältigung“, so der Pfarrer. Evangelische Erwachsenenbildung verstehe sich „seit jeher als praktische Lebenshilfe“, findet er.

In den 50 Jahren, auf die das Rudolf-Alexander-Schröder-Haus zurückblickt, hat sich vieles verändert. Die Mütter- und Mädchenschule mit Hauswirtschaftskursen gibt es nicht mehr, heute nennt sich der Bereich Familienbildung und reicht von Babymassage über Gymnastik bis hin zu Kochkursen. „Wir machen niederschwellige Angebote, die es anderswo nicht gibt, weil sie sich nicht rechnen, nicht wirtschaftlich sind“, sagt Walter Stenglin, Leiter der Abteilung Familienbildung. Diese vermeintlich „seichten“ Angebote waren von Anfang an eine der tragenden Säulen im Konzept des Schröder-Hauses.

Während das Programm anderer Stadtakademien oft verkopft und für akademisches Publikum war, wollte das neue evangelische Bildungszentrum die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit abholen, sagt Wildfeuer. Dieser Anspruch gilt bis heute. Deshalb ist das Angebot nicht rein kirchlich geprägt, „sondern von dem, was die Menschen hier bewegt“. „Das darf durchaus auch mal kritisch gegenüber Institutionen wie Staat und Kirche sein“, sagt Wildfeuer.

Das Rudolf-Alexander-Schröder-Haus stehe – wie viele Einrichtungen der evangelischen Erwachsenenbildung – sozusagen an einer Art doppelter Front. Auf der einen Seite stehe die Gesellschaft, auf der anderen Seite stünden die Institutionen. „Bildung macht Menschen souveräner, mitunter auch renitenter“, sagt der theologische Leiter: „Das aber gefällt Institutionen nicht immer.“ Genau darin aber sieht das Leitungstrio aus Wildfeuer, Stenglin und Eva-Maria Hartmann nach wie vor eine der Hauptaufgaben des Schröder-Hauses. Diese „evangelische Freiheit“ koste natürlich Geld, sagt Wildfeuer: „Die Bildungsarbeit ist die freieste Nische, die evangelische Kirche bietet. Und die Kirche ist gut beraten, sich diese Nische weiter zu leisten.“ Dennoch steige auch im Schröder-Haus seit Jahren der Druck, marktgerecht zu sein und zunehmend wirtschaftlich zu arbeiten. Das funktioniert in Stenglins Augen aber nur sehr bedingt. „Natürlich braucht heute eigentlich keiner mehr einen Kochkurs, der einen oder zwei Abende dauert“, sagt er: „Diese Grundlagen kann man sich auch kostenlos aus dem Internet ziehen.“ Kochkurse mit zehn Abenden funktionierten aber auch nicht mehr. „Es geht nicht mehr primär um Wissensvermittlung, es geht um die sozialen Aspekte, Kommunikation, das Nicht-allein-sein, das gesellschaftliche Erlebnis“, sagt er.

All das braucht eine vernünftige Infrastruktur – und die ist zum 50. Geburtstag des Hauses massiv gefährdet. Das Rudolf-Alexander-Schröder-Haus am Wilhelm-Schwinn-Platz ist sozusagen der Prototyp eines Nachkriegsbaus. Schnell hochgezogen mit mittelmäßigem Baumaterial. Die Immobilie entspricht weder energetisch noch technisch dem heutigen Stand der Technik. Einen Aufzug gibt es auch nicht. „Hier muss sich dringend etwas tun“, findet Direktor Harald Wildfeuer. Seit zwei Jahren bereits läuft ein Denkprozess zur räumlichen Situation. Alleine kann das von Zuweisungen des Dekanats abhängige Haus einen Neubau oder eine Grundsanierung nicht stemmen. „Die Überlegungen gehen deshalb in Richtung eines neuen, gemeinsamen evangelischen Zentrums am Schwinn-Platz“, sagt Wildfeuer. Das hieße: Ein zehn bis zwölf Millionen Euro teurer Neubau für Schröder-Haus, CVJM, Evangelische Beratungsstelle und die Kirchengemeinde St. Stephan. So wünschenswert zeitgemäß-funktionale Räume auch seien – noch viel wichtiger sei das Personal, sagt der Direktor: „Unsere Besucher müssen sich als Gäste fühlen, sie sollen schon bei ihrem ersten Kontakt mit dem Haus spüren, was für ein Geist hier weht.“ Da spiele Freundlichkeit eine große Rolle, vor allem aber: Präsenz. „Wenn wir durch den aktuellen Kostendruck weiter Personal abbauen müssen, verlieren wir genau dieses wichtige Merkmal unseres Hauses. Das wäre sehr kritisch.“

Ein Frauen-Frühschoppen mit dem Titel „Zwischen Paradiesvogel und Education-Center“ beleuchtet zum 50-jährigen Bestehen das Schröder-Haus „im Spiegel der Bildungslandschaften“. Referent ist am Mittwoch, 26. Juni, von 10 Uhr bis 11.30 Uhr RAS-Haus-Direktor Harald Wildfeuer. Am Dienstag, 2. Juli berichten ab 20 Uhr Zeitzeugen der Gründung und der Entwicklung über das Schröder-Haus. Am Samstag 13. Juli, singt ab 20 Uhr in St. Stephan der Bachchor bekannte Filmmusik. Titel des Abends: „Bachchor goes Hollywood“.

Chronologie

1949: Dekan Wilhelm Schwinn gründet den Arbeitskreis „Evangelium und Geistesleben“, Vorgänger des Rudolf-Alexander-Schröder-Hauses. Dort werden literarische, kulturelle und aktuelle Themen aufgegriffen.

1960: Erstmals erwähnt Schwinn das Bauvorhaben in der Stephanstraße 6 gegenüber dem Landeskirchenrat. Im Jahr 1962 schreibt er im Monatsgruß, dass gemauert und gebaut werde, „damit wir ein rechtes Haus der Begegnung bekommen“.

1963: Am 7. Juli wird das Rudolf-Alexander-Schröder Haus mit Gottesdienst und Festakt eröffnet. Nach Köln und München erhält Würzburg als dritte deutsche Stadt ein städtisches evangelisches Bildungszentrum.

1973: Ein Förderverein für das Schröder-Haus wird gebildet. Ein Jahr zuvor wurde das "Frankenforum" gegründet, damit erhielt die gemeindebezogene Bildungsarbeit ihre eigene Struktur.

1974: Pfarrer Hermann Blendinger übernimmt die Leitung des Rudolf-Alexander-Schröder-Hauses. 1979: Vor einer Podiumsdiskussion zum Thema „Holocaust“ kam es zu einer Bombendrohung.

1984: Wolfgang Stenglin wird Leiter des Kurs- und Seminarbereichs.

1989: Pfarrer Hans-Joachim Petsch wird neuer Direktor des Hauses. Damit endet nach 14 Jahren die Ära von Pfarrer Blendinger, dem Dekan Martin Elze attestierte, der Evangelischen Erwachsenenbildung in Würzburg ein Profil gegeben zu haben.

1990: Der erste Zivildienstleistende im Schröder-Haus beginnt seine Arbeit: Joachim Schneider.

1994: Die An- und Umbauarbeiten werden abgeschlossen. Der Innenhof des Schröder-Hauses wurde mit einer Cafeteria und einem Turnraum bebaut und damit erweitert.

1999: Die erste Internetseite des Bildungszentrums geht online.

2010: Pfarrer Harald Wildfeuer übernimmt nach 20 Jahren die Leitung der Einrichtung von Pfarrer Petsch, der in den Ruhestand geht. TEXT: EPD

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