's Käuzle: Bierverbot für frisch Operierte

Die gesundheitlichen Schicksale meiner Bekannten beschäftigen mich meist nachhaltig. Beeindruckt hat mich in letzter Zeit vor allem die Schilderung einer bevorstehenden Leistenbruch-Operation. Der betroffene Patient freut sich so gar nicht auf die der Operation folgende Rekonvaleszenzphase zu Hause. Denn dann darf er nichts Schweres heben. Wobei "schwer", das versicherte er glaubhaft, bereits alle Gegenstände mit mehr als einem halben Kilo meint.

Das ist ein Problem. Schon beim Einverleiben einer Flasche Bier geraten wir hier in den Grenzbereich des medizinisch Vertretbaren. Vorausgesetzt, wir reden von einer ordentlichen, süddeutschen 0,5-Liter-Flasche. Die norddeutschen Amateurbuddeln mit einem Fassungsvermögen von nur 0,33 Litern wollen wir lieber gar nicht erst in die Diskussion mit einbeziehen. Mit fränkischem Schoppen sieht es da schon besser aus. Der Patient muss allerdings glasweise vorgehen (dann hebt er jeweils nur ein Viertel Kilo) und darf keinesfalls die ganze Flasche mit sich herumtragen.

Finger weg von "Krieg und Frieden"

Natürlich sollte sich der Genesende nicht ausschließlich Gedanken um die gewichtsmäßigen Beschränkungen beim Alkoholkonsum machen. Es gibt schonendere Methoden der Erholung. Lesen zum Beispiel. Doch aufgepasst: Ein Schmöker des Kalibers "Krieg und Frieden" oder der Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch kann genauso leicht wie die Bierflasche in den kritischen o,5-Kilo-Bereich geraten. Von solchen Schinken sollte man nach einer Leistebruch-OP also unbedingt die Finger lassen. Lieber den einen oder anderen "Asterix" lesen - der wiegt nur ein paar hundert Gramm.

Aus dem gleichen Grund ist Fernsehen überhaupt kein Problem. Eine Fernbedienung liegt weit unterhalb der kritischen Gewichtsgrenze. Zähneputzen, rasieren, telefonieren, Kreuzworträtsel lösen - auch das ist alles bedenkenlos machbar. Kochen allerdings nicht. Wer einen Topf mit Nudeln zum Abgießen vom Herd zur Spüle schleppt, kann sich auch gleich wieder einen Termin im Krankenhaus geben lassen.

Wer also wissen möchte, wer in seinem Bekanntenkreis sich gerade einer Leistenbruch-Operation unterzogen hat, der halte Ausschau nach einem stocknüchternen, halb verhungerten Menschen, glatt rasiert und mit frischem Atem, der vom Fernsehen schon viereckige Augen hat, alle Höhenzüge nördlich der Weser kennt und die Flohmärkte seiner Heimatregion nach möglichst dünnen Comic-Heften absucht. Erholt wird er danach vermutlich nicht zur Arbeit erscheinen. Aber sein Leistenbruch, der kommt dafür garantiert nicht wieder. csc

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