's Käuzle: Von Eulen um den Schlaf gebracht

Ich schäme mich: Seit Jahren als Käuzle unterwegs, alle Harry-Potter-Bände mehrfach gelesen, und immer noch keinen blassen Schimmer von Eulen. Mit einem derart lückenhaften Wissen um den Lauf der Natur ist die folgende Geschichte eigentlich kein Wunder. Also: Mein Schlafzimmer mitten in der Ochsenfurter Altstadt ist eigentlich eine Oase der Ruhe. Wäre da nicht vor einigen Tagen spät abends ein ganz erbärmliches Quietschen von draußen an mein Ohr gedrungen.

Sofort begann das Rätselraten. Rostiges Scharnier an irgendeiner vergessenen Türe? Nein. Zu nah. Direkt im Hof, also vermutlich tierischen Ursprungs. Aber wer macht so ein seltsames Geräusch, und warum? Hatte in unserem Hof eine gewalttätige Auseinandersetzung stattgefunden? Das mitleiderregende Piepen klang jedenfalls nach einem Geschöpf, das mit amputierten Gliedmaßen auf den Tod wartet.

Am Gesang muss man noch arbeiten

Mit einer Taschenlampe schritten wir zur Inspektion des Tatorts - der keiner war, denn nirgends fand sich ein Lebewesen, weder tot noch lebendig. Stattdessen wieder das monotone Piepen, hoch oben aus der Birke. Dort saß ein eulenartiger Vogel, der zwar unverletzt schien, aber doch offensichtlich irgendein Problem haben musste. An Schlaf war nicht zu denken. Wir litten mit dem jammernden Vogel, ohne zu wissen, was ihm fehlte.

Am Morgen suchte ich Rat im Internet und fand den Verein Greifvogelhilfe Würzburg, dem ich eine hilfesuchende Mail schrieb. Keine halbe Stunde später rief der Falkner zurück - an einem Sonntag. Respekt vor so viel Engagement. Und er hatte gute Nachrichten für mich. Es handle sich wohl um Eulen, sagte er. Die im Übrigen nicht in Bedrängnis seien. Das Piepen stelle die ganz normale Kommunikation zwischen den Jungtieren und den Altvögeln dar.

Eine schöne Erkenntnis, auch wenn der Weg zu ihr ein bisschen peinlich war. Eulen im Käuzle-Garten. So gehört sich das. Meinetwegen dürfen sie ihre erbarmungswürdigen Pieptöne gerne von sich geben - so lange ich weiß, dass es ihnen gut geht. Weitergehende Recherchen legen übrigens den Verdacht nahe, dass es sich um Waldohreulen handelt. Schöne Vögel, mit neckischen Federohren und goldenen Augen. Lediglich an ihrem gesanglichen Auftritt sollten sie vielleicht irgendwann mal arbeiten - nur so als Vorschlag.

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