's Käuzle: Weihnachten auf der einsamen Insel

Weihnachten steht vor der Tür. Und damit ein organisatorisches Großprojekt. Sind die Geschenke vollständig? Wann ist der beste Zeitpunkt, um sich in das gesundheitsgefährdende Inferno eines Lebensmittelmarktes kurz vor zwei aufeinanderfolgenden Feiertagen zu stürzen? Ist das Auto für die Heimfahrt aufgetankt? Und wie kann man heimlich den CD-Spieler aus dem elterlichen Wohnzimmer verschwinden lassen, damit Heiligabend nicht wieder die kitschige Weihnachtskinderchor-CD aufgelegt wird?

Lauter Fragen, deren gedankliche Bearbeitung im Hirn das Bild einer einsamen Insel entstehen lässt. Das sorgt ungefähr zwei Minuten lang für Entspannung, bevor auch hier wieder praktische Fragestellungen in den Vordergrund treten. Vor allem die klassische: Welche drei Dinge nimmt man am besten mit auf eine einsame Insel? Die Romantiker unter Ihnen müssen gar nicht erst den Finger heben und sagen: meinen Mann, meine Mutter und meinen Hund. Menschen sowie Tiere sind der herrschenden Meinung in der Insel-Debatte zufolge nicht unter den Begriff "Dinge" zu subsumieren.

Pessimisten packen anders als Optimisten

Also: Dinge. Sachen. Was will man dabei haben auf einer einsamen Insel? Dazu muss zunächst geklärt werden, auf welcher Art von Insel man festsitzen möchte. Ein arktisches Eiland schreit nach einem Daunenschlafsack, 50 Ster Feuerholz und schachtelweise Streichhölzern. Handelt es sich hingegen um einen nur einen halben Meter über den Meeresspiegel ragenden Sandhaufen, wären ein Sonnenschirm, eine Trinkwasseraufbereitungsanlage und eine Luftmatratze angebracht. Die meisten Menschen werden aber vermutlich von der Ideal-Insel ausgehen: sonnenbeschienen, warm, voller lauschiger kleiner Wasserfälle, mit Sandstrand und von üppiger tropischer Vegetation bestanden.

In diesem Fall muss zwischen den pessimistischen und den optimistischen Insel-Okkupanten unterschieden werden. Die Optimisten werden mit einiger Sicherheit einen Liegestuhl, eine gut gefüllte Kühlbox und ihr Lieblingsbuch mitnehmen wollen. Die Pessimisten denken wahrscheinlich eher an Insektenstichsalbe, Malariaprophylaxe und einen Elektroschocker zur Krokodil-Abwehr.

Wieder andere werden einfach die Dinge mitnehmen wollen, die einen besonderen Wert für sie besitzen. Und das ist nun wirklich zu individuell, um darüber zu spekulieren. Nur ein besonders bizarres Beispiel dafür, was einem Menschen am Herzen liegen kann, will ich Ihnen noch präsentieren. Samuel Pepys, berühmter englischer Chronist des 17. Jahrhunderts, sah sein Haus beim großen Feuer von London im Jahr 1666 von den herannahenden Flammen bedroht. Da grub er im Garten ein Loch, um darin ihm besonders teure Dinge in Sicherheit zu bringen. Und dazu gehörte, neben dem Weinvorrat, ein Parmesankäse. csc

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