LANDKREIS WÜRZBURG

Schluss mit Rathaus: Die Abgewählten


Demokratie, die Herrschaft des Volkes. Das Volk entscheidet, wer es regieren soll – und wer nicht. Eine faire Sache, und doch können sich demokratische Wahlen schnell zu persönlichen Schicksalsschlägen wandeln: für die, die nicht mehr gewollt werden.

Sechs Bürgermeister sind im Landkreis Würzburg nicht wieder gewählt worden, obwohl sie noch mal angetreten sind. Alle einen zwei Gefühle: Bedauern und Überrascht-Sein. „So eine plötzliche Abwahl kann kaum ein Mensch so einfach auffangen“, sagt Tim Hagemann, Arbeitspsychologe an der Fachhochschule der Diakonie Bielefeld.

Der gravierende Unterschied zwischen einer Abwahl und einer einfachen Pensionierung liegt für ihn in der Ungewissheit vor der Wahl: „Die Kandidaten sind über Monate hinweg im Wahlkampf, haben mehr Stress als sowieso schon. Und auf einmal, mit der Bekanntgabe der Ergebnisse, ist alles vorbei, auf einen Schlag. Wenn man als normaler Angestellter weiß , man geht in zwei Jahren in den Ruhestand, dann kann man sich vorbereiten, planen, sich die Zukunft ausmalen.“



Hinzu kommt laut Hagemann der Akt des Gewählt-Werdens – eine für die Kandidaten von außen kommende Entscheidung, die sie nur bedingt beeinflussen können. In Zeiten von Altersteilzeit und Neben-Jobs für Rentner ein zusätzlicher Unterschied zum normalen Ausscheiden aus dem Beruf. Denn dessen Zeitpunkt kann jeder weitgehend selbst bestimmen. Hagemann erklärt, was daran das Ungewohnte für die Amtsinhaber ist: „Sie sind gewöhnt, Macht und Einfluss und die Fäden in der Hand zu haben und müssen sich dann einem unabwägbaren Votum stellen.“

Er vergleicht die Gefühlssituation der Abgewählten mit einer Wippe, auf der sie  lange balancierten, bis sie auf einmal umkippt. Ein „kritisches Lebensereignis“ nennt der Psychologe die Situation, in der die sechs Abgewählten nun stecken.

Denn das Bürgermeister-Dasein bedeutet mehr, als einfach nur einen Job zu haben: „Man hat großen Handlungsspielraum, viel Verantwortung, geht einer prestigeträchtigen, sinnstiftenden Arbeit nach. Daraus entwickelt man ein hohes Selbstwertgefühl, man ist stolz, erfährt Belohnung für das, was man tut. Kurzum: Man identifiziert sich in diesem Amt in einem hohen Maße mit seiner Aufgabe.“

Fällt diese Aufgabe weg, verliert sich auch das Gefühl des Gebraucht-Werdens. Wie jemand das wegsteckt, hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab: Wie gut ist jemand in soziale Strukturen eingebunden? Freunde? Familie? Hobbys? Oder aber einem Beruf, dem er wieder nachgehen kann? „Ein kritisches Lebensereignis ist es definitiv“, sagt Hagemann. „Und bis man sich davon erholt, kann es bis zu einem Jahr dauern.“

Die Ergebnisse der Abgewählten
  • Fredy Arnold (CSU) kam in Unterpleichfeld auf 43,7 Prozent der Stimmen; Wahlsieger Alois Fischer (FW) bekam 54,3 Prozent.
  • Rainer Friedrich (CSU) unterlag in Ochsenfurt bei der Stichwahl seinem Herausforderer Peter Juks mit 35,9 zu 64,1 Prozent.
  • Ludwig Hofmann (SPD) bekam in Frickenhausen 25,2 Prozent der Stimmen und hatte zwei Gegenkandidaten: Wahlsieger Reiner Laudenbach (CSU) mit 51,6 Prozent, Volker Gernert (Freie Wähler) mit 22,2 Prozent.
  • Karl Hügelschäffer wurde in Reichenberg bei der Stichwahl von Stefan Hemmerich (SPD) mit 54,7 zu 45,3 Prozent besiegt.
  • Eberhard Götz (SPD) in Hettstadt bekam 46,5  Prozent der Stimmen, Wahlsiegerin Andrea Rothenbucher (CSU/UBH) 53,5 Prozent.
  • Thomas Rützel (FW) schaffte es in Greußenheim mit 21,8 Prozent der Stimmen nicht in die Stichwahl. Gewinnerin wurde Karin Kuhn (Bürgermitte). 
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