Schöne Bescherung aus dem Müllofen

WÜRZBURG Rechtzeitig zum Fest der Freude ging es auch im Müllheizkraftwerks-Zweckverband um die große Bescherung. Die Verbrennungsgebühren für den Hausmüll aus den Landkreisen Würzburg und Kitzingen und der Stadt Würzburg sinken demnächst um fast 40 Prozent. Die Müllöfen am Würzburger Faulenberg steuern wirtschaftlich in ruhiges Fahrwasser. Das lohnt sich auch für die Gebührenzahler.
Die Vertreter der Verbandsmitglieder aus den Landkreisen Kitzingen und Würzburg und der Stadt Würzburg sind zufrieden. Ferdinand Kleppmann, in der Vergangenheit oft kritisierter Geschäftsleiter des MHKW, sieht sich in seiner Geschäftspolitik der letzten Jahre bestätigt und erntet nun die Früchte seiner Arbeit.

Defizite angehäuft

Von 178 auf 206 Euro pro Tonne Hausmüll war die Verbrennungsgebühr 2003 erhöht worden, weil das MHKW zuvor Defizite von rund 12 Millionen Euro angehäuft hatte. Die Rechnungsprüfung hatte dies entdeckt und gerügt. Kleppmann begründete das Loch in der Kalkulation mit dem Preiskampf bei der Gewerbemüll-Entsorgung und der Konkurrenz von Billig-Deponien.

Die Kritiker der dritten Ofenlinie, mit der die Kapazität des Kraftwerks erheblich gesteigert worden war, sahen sich bestätigt. Erst recht, als Kleppmann fremden Hausmüll von Gunzenhausen bis Aalen akquirierte. Und das noch dazu zu Preisen von rund 120 Euro je Tonne, deutlich unter den Gebühren im Verbandsgebiet. Diesen Mülltourismus hatte der Verbandsrat Jahre zuvor ausgeschlossen, den Beschluss später aber wieder gekippt.

Umstrittene Müll-Deals

Kleppmann argumentierte damals mit langfristig gesicherten und kalkulierbaren Verträgen beim Hausmüll, während beim Gewerbemüll weiterhin der Preiskampf unter den Entsorgern tobe. Deshalb müssten die Ofenkapazitäten von rund 200 000 Tonnen jährlich mit einem möglichst hohen Hausmüllanteil gefüllt werden.

Langfristig würden sich die Preise angleichen, so die damalige Prognose, die nun mit der anstehenden Gebührensenkung auch eingetroffen ist. Auf die Dauer komme das Würzburger MHKW mit weitaus geringeren Folgelasten aus, als die Landkreise, die bis zum endgültigen Verbot ihren Müll noch deponiert haben und noch auf Jahrzehnte hinaus viel Geld in ihre Mülllager stecken müssen.

Langfristig kalkulierbar

70 Prozent beträgt die Hausmüllquote im MHKW künftig. Ein gewisser Anteil an Gewerbeabfall müsse bleiben, sagt Kleppmann, weil man diesen zwischenlagern kann und sich die Kraftwerksleistung dadurch besser an den jeweiligen Energiebedarf anpassen lässt.

Herbeigekarrt wird Hausmüll aus den mittelfränkischen Landkreisen Neustadt/Aisch, Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen und aus dem württembergischen Ostalbkreis. Der Zweckverband erhält dafür im kommenden Jahr voraussichtlich 10,9 Millionen Euro, mehr als zwölf Prozent mehr als heuer.

Die Einnahmen aus dem Verbandsgebiet gehen im Gegenzug dank der Gebührensenkung von 12,4 auf 7,7 Millionen Euro zurück. Außerdem kommt Müll aus Bad Kissingen nach Würzburg, im Austausch deponiert der Zweckverband auf der dortigen Deponie Wirmsthal Kesselasche.

Für vier Jahre sollen die Verbrennungsgebühren nun bei 129 Euro bleiben, mit direkten Konsequenzen für die Bürger: In und um Würzburg sanken die privaten Müllgebühren zwischen sieben und 13 Prozent. Im Landkreis Kitzingen konnten damit die Ausfälle durch den Abzug der Amerikaner zumindest aufgefangen werden.

Strom und Dampf für die Stadt

Auch der Strom und der Dampf, den das MHKW erzeugt, hat mit den Würzburger Stadtwerken verlässliche Abnehmer, sagt Kleppmann. Rund 20 000 Haushalte in der Stadt werden so mit Energie versorgt. Die Koppelung von Kraft und Wärme beschert dem Würzburger MHKW im bundesweiten Vergleich einen Spitzenplatz in Sachen Energieeffizienz. Auch wenn, wie die Würzburger Grünen-Verbandsrätin Benita Stolz anmerkt, die Transportkosten in dieser Rechnung nicht enthalten sind.

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