Würzburg

Schwarzer Humor und bitterer Ernst in der Theaterwerkstatt

Es ist ein Stück mit viel schwarzem Humor, das wurde bei der Premiere von Franz Geigers 'Nacht mit Adolf' in der Theaterwerkstatt schnell klar.
Foto: MARKUS RAKOWSKY | Es ist ein Stück mit viel schwarzem Humor, das wurde bei der Premiere von Franz Geigers "Nacht mit Adolf" in der Theaterwerkstatt schnell klar.

Es war eine kleine Szene-Sensation: Die Hausregisseurin des Chambinzky, Gwendolyn von Ambesser, inszenierte ein Stück in der Theaterwerkstatt. So eng befreundet zeigten sich die beiden Häuser noch nie. Am Samstag hatte Franz Geigers "Nacht mit Adolf" Premiere.

So viel schwarzer Humor und bitterer Ernst heben sich stark ab von den Boulevard-Stücken, die den Spielplan im Theater Chambinzky prägen. Damit ließ sich der Ortswechsel nachvollziehen. Allerdings hatte die Premiere das gleiche Publikum wie im Stammhaus. Es hegte den unerschütterlichen Vorsatz, sich bei der winzigsten Gelegenheit wild zu amüsieren. Einige plapperten sogar die Pointen nach.

Zum Stück: Im Jahr 1939 erscheint der Haushälterin Anna nachts Erzengel Gabriel in Gestalt des Führers. Die fromme Frau fühlt sich gnadenerwählt, Adolf zu empfangen, dekoriert das Porträtbild ihres Braunauer Geliebten mit einem Rosenkranz und stiftet im Haus des Studienrats Kürschner und seiner Frau so unberechenbaren katholizistisch-nationalsozialistischen Unfug, dass Elvira Kürschner – eine heimliche Freidenkerin – die Idee hat: Schauspieler Rudi soll in Hitler-Maske Anna irgendwie beruhigen und befriedigen. Leider gelingt ihm nur das letztere, und zwar sehr fruchtbringend.

Vom Wohnzimmer in einen Gestapo-Verhörraum

Nach der Pause wechselt die Szene vom Kürschnerschen Wohnzimmer in einen Gestapo-Verhörraum. Dort ist Schluss mit lustig. Dabei gelingt der Hauptdarstellerin Cornelia Wagner als Anna gerade hier einmal kurz der schauspielerische Aufstieg fast in die Höhen des "Vorstadtweibs" Gerti Drassl. Und eine aufschlussreiche Nazi-Figur tritt auf: Kurt Egreder als Gestapo-Kommissar. Der scheint so in sich selbst zu ruhen, dass ihn das Verhör praktisch nicht interessiert – zumal die tödlichen Folgen für Anna und den Schauspieler Rudi ("Beischlaferschleichung in Gestalt des Führers") eh schon feststehen. Egreder spielt das Abgeklärte, nicht jedoch zugleich auch das Gefährliche dieses Typs.

Faschos sind lächerlich und gefährlich

Das kann man bedauern, wie auch bei den beiden SA-Kämpfern an der Heimatfront, Kürschner und dem Blockwart: Stephan Ladnar und Matthias Born spielen das Lächerliche der Nazis voll aus. Ihre Gefährlichkeit bleibt eine Behauptung des Geiger-Texts, der eine wichtige Einsicht über Faschos festhält: Die sind lächerlich und gefährlich.

Es ist ein Stück mit viel schwarzem Humor, das wurde bei der Premiere von Franz Geigers 'Nacht mit Adolf' in der Theaterwerkstatt schnell klar.
Foto: Markus Rakowsky | Es ist ein Stück mit viel schwarzem Humor, das wurde bei der Premiere von Franz Geigers "Nacht mit Adolf" in der Theaterwerkstatt schnell klar.

Das ganze Ensemble spielt mindestens ziemlich gut. Nur spielt es ohne ein gemeinsames Bewusstsein dafür, warum dieses Stück heute noch relevant ist. Zumindest teilt sich ein solches politisches Bewusstsein dem Zuschauer nicht sichtlich und hörbar mit. Das wäre aber auch recht viel verlangt.

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