Würzburg

Seniorenfilme: Wenn die Stadtführung ins Altenheim kommt

Das Kommunalunternehmen des Landkreises hat einen Zuschuss des Landes in ein neues Projekt gesteckt: Ein Stück Kultur soll so in Pandemie-Zeiten zu den Senioren kommen.
Führerin Ulrike Bausewein präsentiert den Gartensaal der Würzburger Residenz.
Foto: Carmen Mayr | Führerin Ulrike Bausewein präsentiert den Gartensaal der Würzburger Residenz.

Mal so tun, als sei gerade Stadtführung. Oder Konzert. Oder Museumsbesuch. Was derzeit im Lockdown nicht möglich ist, soll trotzdem nicht unerreichbar sein. Das war der Gedanke, mit dem sich die Mitarbeiter des Kommunalunternehmens (KU) des Landkreises Würzburg an ihr Projekt "Seniorenfilme" machten. Das KU ist unter anderem für die Seniorenarbeit im Landkreis zuständig. Die Mitarbeiter wissen, dass insbesondere alte Menschen unter dem Fehlen von sozialen Kontakten und kulturellen Angeboten in der Corona-Pandemie leiden, und wollten dafür einen Ausgleich schaffen.

Da sei ein Sonderprogramm des Freistaats Bayern gerade recht gekommen, sagt KU-Vorstand Alexander Schraml. Aus diesem Corona-Sondertopf speziell für ältere Menschen habe der Landkreis 60 000 Euro erhalten. Das KU wollte das Geld in ein Projekt investieren, das direkt bei den Bürgern ankommt. "Wir haben überlegt: Wo sind die Bedürfnisse?", erklärt Schraml. Das Ergebnis: Alte Menschen wünschen sich ein Stück Normalität im derzeit kontaktarmen Alltagsleben, mehr als tagein, tagaus die einsame Ödnis vor dem Fernsehgerät.

Kultur unterhaltsam näher bringen

Und so entwickelte das KU im Frühjahr zunächst die "Infopost", eine gedruckte Broschüre, die in Pflegeeinrichtungen ausliegt, aber auch von einzelnen Kommunen angefordert und an Senioren weiter verteilt werden kann. Von zunächst 500 Exemplaren habe sich die Auflage inzwischen auf 5000 gesteigert, freut sich Tobias Konrad, Leiter der Abteilung Senioren beim KU. "Wir bekommen von unserer Zielgruppe immer ziemlich direkte Rückmeldungen, ob ihnen etwas gefällt oder nicht", sagt Alexander Schraml.

Deshalb ist er auch schon gespannt, wie die zweite Idee des KU ankommen wird: Eine Reihe von insgesamt sieben Filmen mit einer Länge von 25 bis 35 Minuten, die den Senioren die Kultur ihrer Heimat unterhaltsam näher bringen sollen. Entstanden sind die Filme in der Zeit von September bis November in Zusammenarbeit mit dem lokalen Fernsehsender TV Mainfranken. Die Senioreneinrichtungen bekommen sie auf Wunsch zur Verfügung gestellt und können sie ihren Bewohnern vorführen. In der Mediathek des Senders sollen die Filme für alle Interessierten ebenfalls zum Abruf bereit gestellt werden.

Fränkin Chlodhild, mit bürgerlichem Namen Andrea Trumpfheller, führt im Film durch die Altstadt von Ochsenfurt.
Foto: Carmen Mayr | Fränkin Chlodhild, mit bürgerlichem Namen Andrea Trumpfheller, führt im Film durch die Altstadt von Ochsenfurt.

Ganz absichtlich sind es keine Beiträge, wie sie auch im Fernsehen laufen würden. Wer die Filme anschaut, soll das Gefühl haben, live mit dabei zu sein. Bei einer Nachtwächterführung durch Würzburg etwa, oder einer Stadtführung durch Ochsenfurt mit Chlodhild, einer Fränkin aus dem 8. Jahrhundert. Diese Figur verkörpert Andrea Trumpfheller, die viel Freude an den Dreharbeiten hatte. Ein Drehbuch gab es nicht. Die Fränkin hat einfach drauf los erzählt, wie sie es sonst bei ihren Stadtführungen auch macht. "Ich hab' halt etwas langsamer gesprochen", erzählt sie gut gelaunt. "Denn wir werden ja auch selber mal alt."

Ein "Ääh", ein Verhaspeln, der Handwerker, der im Hintergrund mit dem Handy telefoniert, das Polizeiauto, das langsam durch die Altstadt rollt - all das ist im Film zu sehen und soll auch zu sehen sein. Wie in echt eben. "Viele Korrekturen waren nicht nötig", sagt Carmen Mayr von der Abteilung Senioren im KU, die bei den Dreharbeiten dabei war. Neben den Stadtführungen durch Würzburg und Ochsenfurt gibt es auch Einblicke in die Residenz, den Dom und die Festung Marienberg. Ausgebildete Führer und Museumspädagogen haben die Moderation übernommen.

Die Filme sollen Leben in die Bude bringen

Es werden nicht nur Fakten und historische Daten präsentiert, sondern auch die eine oder andere amüsante Anekdote und sogar Märchen. Dass die Filme kaum länger als 30 Minuten sind, ist so gewollt, um die Aufmerksamkeitsspanne der alten Menschen nicht zu überfordern.

Gefilmt wurde in Unterpleichfeld auch ein Konzert der KU-Veranstaltungsreihe „Kulturbrücken – Kultureller Genuss für Demenzkranke, Angehörige und sonstige Kulturfreunde“. Das Konzept der Konzerte orientiere sich an den Bedürfnissen und Fähigkeiten demenzkranker Menschen, erklärt Alexander Schraml. Sie seien kürzer, ruhiger, Zwischenrufe stören nicht und Mitsingen ist erlaubt. Damit die Zuhörer möglichst viel wieder erkennen, gibt es meist Lieder aus den 20er, 30er oder 40er Jahren zu hören.

Schraml stellt sich vor, dass die Filme in den Senioreneinrichtungen vorgeführt werden, wo sie "Leben in die Bude bringen" sollen. Es wäre ein Ereignis mit festem Termin, man bereitet sich vor, zieht sich nett an. Wie Ausgehen, wenn nicht gerade Corona ist. Damit ältere Menschen sich in der Pandemie mal wieder auf etwas anderes freuen können als auf die in ungewisser Zukunft liegende Zeit, in der hoffentlich alles wieder normal sein wird.

Wer die Filme beziehen möchte, kann sich bei
Tobias Konrad unter Telefon (09 31) 8 04 42-58 oder per E-Mail unter tobias.konrad@kommunalunternehmen.de melden oder bei
Carmen Mayr, Telefon (09 31) 8 04 42-38,
E-Mail carmen.mayr@kommunalunternehmen.de.

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