Würzburg

Sexuelle Belästigung: Geldstrafe für Polizeianwärter

In einer Polizeiunterkunft in Würzburg soll ein Anwärter Kollegen zu nahe getreten sein. Es sei nur ein Scherz gewesen, sagt er. Warum er trotzdem verurteilt wurde.
Symbolbild: Polizei
Foto: Heiko Becker (HMB Media/ Heiko Becker) | Symbolbild: Polizei

Wegen sexueller Belästigung in drei Fällen ist ein junger Mann, der Polizeibeamter werden will, vom Amtsgericht Würzburg zu einer Geldstrafe von 2800 Euro  (70 Tagessätze zu je 40 Euro) verurteilt worden. Sein Problem sei gewesen, so Richter Thomas Behl, "dass er seine Finger nicht bei sich behalten kann" und sehr körperbetont kommuniziere.

Zugetragen hatten sich die angeklagten Vorfälle in einer Unterkunft der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Würzburg. Die Betroffenen waren Polizeianwärter wie der Angeklagte selbst. Dass er einem Kollegen auf der Treppe laut Anklage ans Gesäß fasste, zweimal zu unterschiedlichen Zeiten, gab er zu. Das sei aber nur ein Scherz gewesen, "vielleicht ein dummer, jedenfalls aber ohne sexuellen Hintergrund".

Vorfall auf der Treppe soll durch Abrutschen passiert sein

Der betreffende Kollege habe damals zu seinem Freundeskreis gehört, sonst hätte er sowas gar nicht gemacht, so der Angeklagte. Er  habe, wie in anderen Fällen auch, den Vorausgehenden auf der Treppe durch Stumpen auf den Oberschenkel aus dem Gleichgewicht bringen wollen und sei dann vermutlich, anders könne er es sich nicht erklären, abgerutscht. Der Staatsanwalt hakte nach: Wenn man auf der Treppe den Vordermann mit dem Zeigefinger am Oberschenkel  berühren wolle und abrutsche, dann lande man doch eher abwärts Richtung Kniekehle.

Wenn der Kamerad gegen das Anfassen protestiert hätte, dann hätte er sich sofort entschuldigt, sagte der Angeklagte. Er habe, so der Zeuge vor Gericht, " Du spinnst wohl" gesagt und "was soll das denn?" Er habe das Anfassen als "unangenehm" empfunden.

Eine Kollegin zeigte den Mann an

Den zweiten Tatkomplex der Anklage, dass er einer Kollegin auf dem Flur zwischen die Beine gegriffen haben soll, als er grad aus der Dusche kam, mit Handtuch um die Hüften, bestritt der Angeklagte. Eine solche Begegnung habe es nicht gegeben, sagte er. Der Richter konfrontierte ihn ihn immer wieder mit der Frage, warum die junge Frau ihn angezeigt habe, "wenn gar nichts war". Den Vorwurf müsse man, mehr noch als den angeblichen Scherz auf der Treppe, ernst nehmen, mit Blick auf gemischte Streifen und Streifenfahrten nach der Ausbildung.

Einer Zimmerkollegin hatte die junge Frau sofort nach der Begegnung von dem Vorfall berichtet, mit der Anzeige aber fast ein Jahr lang gewartet. Sie habe befürchtete, dass andere Anwärter das Geschehen herunterspielen und sie als "prüde" in eine Ecke stellen könnten. So sei es tatsächlich gekommen, die Reaktion seien geteilt gewesen und die Klasse sei, so ihr Anwalt, in der Sache heute noch gespalten.

Disziplinarverfahren ruht bis zur Rechtskraft

Das Gericht fragte nach Annäherungsversuchen oder verschmähter  Liebe als Motiv. Der Angeklagte wies darauf hin, dass er seit Jahren eine feste Freundin habe. Anfangs habe er sich mit der Kollegin gut verstanden, das habe dann aber nachgelassen. Es könne sein, dass er ihr mal sagte, dass er sie attraktiv finde. "Spinnst Du ?" oder so ähnlich habe sie, so die Zeugin, gesagt, als der Angeklagte sie anfasste. Mehr habe sie, da geschockt, nicht herausgebracht, schon gar nicht schreien können. Der Angeklagte habe sich wortlos umgedreht und sei weggegangen. Streit habe sie vorher nie mit ihm gehabt, stellenweise sei er ihr zu aufdringlich gewesen, sagte sie.

Der Angeklagte hatte zunächst einen Strafbefehl über  2400 Euro erhalten, den das Gericht nun auf 2800 Euro erhöhte. Nach der Anzeige wurde der Angeklagte an einen anderen Ausbildungsort versetzt. Ein Disziplinarverfahren wurde eingeleitet, es ruht allerdings bis zur Rechtskraft des Urteils.

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