Simmershofen

Soll ein Haus in Hohlach abgebrochen werden?

Führt der Schattenwurf der Laterne vor der Scheune zu unzumutbaren Leistungseinbußen der Fotovoltaikanlage? Der Gemeinderat will die Entwicklung erst beobachten.
Foto: Alfred Gehring | Führt der Schattenwurf der Laterne vor der Scheune zu unzumutbaren Leistungseinbußen der Fotovoltaikanlage? Der Gemeinderat will die Entwicklung erst beobachten.

Wie soll sich die Gemeinde zu einem Bauantrag stellen, der eklatant von den Vorgaben des Bebauungsplanes abweicht. Soll sie eine Ausnahmegenehmigung erteilen, die Abweichung abnicken oder dem Bauwerber, hier der Bauwerberin die Grenzen aufzeigen? Vor diesem Dilemma stand der Gemeinderat Simmershofen in seiner jüngsten Sitzung. Eine Bauwerberin aus Hohlach hatte für den Neubau eines Wohnhauses einen Antrag von den Festsetzungen des Bebauungsplanes beantragt. Obwohl im Baugebiet Ziegeldächer mit Ton- oder Betonziegel vorgesehen sind, hat sie ein Haus errichtet und mit Blechziegeln eingedeckt.

Von dieser Eindeckung war im ursprünglichen Bauantrag nichts zu sehen, der im Freistellungsverfahren eingereicht wurde. "Ein freigestellter Betrug", brachte Florian Hirsch die Sache auf den Punkt.

Fertighaus-Hersteller hat Blechziegel gelifert

Die Abweichung begründet die Eigentümerin mit einem Übersetzungsfehler. Sie habe ihr Hausdach ordnungsgemäß eindecken wollen, doch habe der rumänische Hersteller des Fertighauses stattdessen die besagten Blechziegel geliefert. Auch die Dachkonstruktion sei auf die viel leichteren Blechziegel ausgelegt. Ortskundige Gemeinderatsmitglieder waren sich einig: Ein Dach mit Ton- oder Betonziegel verkraftet die Statik des Bauwerkes nicht. Würde der Gemeinderat darauf beharren, den Bebauungsplan einzuhalten, müsste sie das Haus wohl wieder abreißen.

Würde man aber die Abweichung nicht nur vom Bebauungsplan sondern auch von den eingereichten Bauunterlagen genehmige, würde man einen Präzedenzfall schaffen und könnte guten Gewissens künftig auch nicht mehr darauf bestehen, die Vorgaben einzuhalten oder nach Plan zu bauen. Um Wege aus dieser Zwickmühle zu finden, stellte der Gemeinderat auf Vorschlag des Bürgermeisters eine Entscheidung zurück und will erst den Architekten um Erläuterung der Planänderung hören.

Mit der Errichtung eines Reitplatzes dagegen im Ortsteil Walkershofen hatte der Gemeinderat keine Probleme. Dieser Antrag erhielt das gemeindliche Einvernehmen. Der Eigentümer einer Feldscheune, auf deren Dach er eine Fotovoltaikanlage installiert hat, beantragt, einen dort aufgestellten Laternenmasten um einige Meter zu versetzen, weil dieser Mast auf seine Anlage Schatten werfe und besonders in den Sommermonaten zu Ertragseinbußen führe. Das Versetzen des Masten würde Kosten von 2000 bis 3000 Euro verursachen.

Standort hat Straßenbauamt festgelegt

Gemeinderat Josef Himberger hat sich informiert: Den Standort des Masten hat das Straßenbauamt festgelegt, er müsse dort stehen, um die Staatsstraße ausreichend zu beleuchten, erklärte er. Außerdem sei nach Ansicht der Fachbehörden die Ertragseinbuße durch den Schattenwurf so gering, dass sie nicht messbar sei. Thorsten Schmidt dagegen sah das anders: "Es ist eine Beeinträchtigung einer bestehenden Anlage." Wenn durch die falsche Standortwahl Fehler gemacht wurden, dürfe dem Betreiber nicht der Schaden bleiben.

Schließlich einigte sich der Gemeinderat auf den Vorschlag des Bürgermeisters, den Schattenwurf in den nächsten Sommermonaten zu beobachten und zu messen, ob und in welchem Umfang Leistungseinbußen verzeichnet werden.

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