Sommerhausen

Sommerhäuser Haushalt 2022: Große Projekte, höhere Verschuldung

Der Ausbau des Kernwegs zwischen Wildpark und Industriestraße ist eines der Großprojekte 2022. In drei Etappen wird hier bis Oktober gebaut und wechselweise die Durchfahrt gesperrt. Der Wildpark ist derzeit nur über die Erlacher Straße anzufahren.
Foto: Antje Roscoe | Der Ausbau des Kernwegs zwischen Wildpark und Industriestraße ist eines der Großprojekte 2022. In drei Etappen wird hier bis Oktober gebaut und wechselweise die Durchfahrt gesperrt.

Sommerhausen befindet sich "aktuell schon in einer durchaus angespannten Haushaltslage", schätzt Bürgermeister Wilfried Saak ein. Trotzdem hat die Gemeinde viel vor. Der Kämmerer ist ein wenig skeptisch.

Die Skepsis bezieht sich vor allem auf die kurzfristige Umsetzung aller gewünschten Projekte in der Finanzplanung bis 2025. Zwar ist der Haushalts-Entwurf für 2022 ausgeglichen und erfüllt alle rechtlichen Vorgaben, er gibt aber auch den Weg frei, die allgemeine Rücklage von 580.000 Euro bis auf einen Notreserve von 50.000 Euro auszugeben und zusätzlich eine Neuverschuldung über 1,5 Millionen Euro mit Krediten einzugehen.

Die Tilgung hält Kämmerer Stefan Schmidt für "langfristig noch verkraftbar", ruft aber gleichzeitig die Pflichtaufgaben ins Bewusstsein. Dazu würden – im Gegensatz zur Sanierung des Kindergartens - die Sanierung des Miltenberger-Hauses neben dem Rathaus oder städtebauliche Verbesserungen nicht gehören.

Ein Verwaltungshaushalt mit 4,3 Millionen Euro und ein Vermögenshaushalt über 2,9 Millionen Euro wurden vom Marktgemeinderat beschlossen. Die Dimensionen unterscheiden sich nicht wesentlich von den beiden Vorjahren – nur dass das Geld für alle geplanten Investitionen so nicht da ist. Es wären also laut Saak "relativ viele Schulden aufzunehmen". Auf 2,26 Millionen Euro würde sich der Schuldenstand (zuletzt 800.000 Euro) Ende 2022 belaufen, wenn tatsächlich die Kredite von 1,5 Millionen Euro in Anspruch genommen werden. Zu erwartende Fördergelder würden leider erst zeitversetzt ausgezahlt, so Saak.

Lichtblick bei Einnahmen durch Einkommensteuer

Auf der Seite der Einnahmen hat die Markgemeinde nach langjährigem Status Quo bereits bei den Grund- und Gewerbesteuersätzen mit einer Erhöhung nachgebessert, die 90.000 Euro Mehreinnahmen bringt. Für die wichtigste Einnahmequelle, die gemeindliche Einkommensteuerbeteiligung, scheint sich der Prognose entsprechend ein Lichtblick aufzutun. Sie soll sich recht gut zu erholen, indem sie um knapp 200.000 Euro auf fast 1,5 Millionen Euro steigt und damit sogar deutlich die 1,37 Millionen Euro von 2019 überflügelt – vor dem Pandemie-Einbruch. Die Gewerbesteuer jedoch erholt sich erst einmal nicht. Sie war von 726.000 Euro (2019) auf 400.000 (2021) Euro abgerutscht, woran unter anderem der Wegzug von Master Yachting, eine Geschäftsaufgabe und die Corona-Einbrüche bei Tourismus, Gastronomie und Weinwirtschaft Anteil haben.

Die Sanierung der Stadtmauer ist ein großer Posten im Investitionsprogramm im laufenden Jahr.
Foto: Antje Roscoe | Die Sanierung der Stadtmauer ist ein großer Posten im Investitionsprogramm im laufenden Jahr.

Bei den Investitionen für 2022 steht der gerade begonnene Ausbau des Kernwegs zwischen Industriestraße und Wildpark mit 770.000 Euro an der Spitze. Dazu kommen 250.000 Euro für die Wasserleitungen und 30.000 Euro Breiband-Ausbau in diesem Bereich. Die Sanierung der Stadtmauer schlägt im zweiten Bauabschnitt noch einmal mit 580.000 Euro zu Buche, wobei hier beispielsweise die Refinanzierung von 66 Prozent der Kosten durch vier Fördermittelgeber in Aussicht steht.

Pro-Kopf-Verschuldung soll auf 1199 Euro steigen

Bei Denkmalschutz und Städtebauförderung hat die Marktgemeinde unter anderem eine Beteiligung von 58.000 Euro an der Sanierung des Schlosses eingeplant und möchte einen Fußweg von der Ochsenfurter Straße zur südlichen Badebucht an der Mainlände (180.000 Euro) bauen. Für Kanalsanierungen in der Schulstraße sind 150.000 Euro veranschlagt. Jeweils 100.000 Euro sind für die Planungen zur Sanierung des Kindergartens und die Sanierung des Miltenberger-Hauses vorgesehen. Der Kindergarten ist als Fünf-Millionen-Euro-Projekt veranschlagt, mit Umsetzung in den Jahren 2024/25, das Miltenberger-Haus mit zwei Millionen Euro und die Bauphase 2023.

Die Pro-Kopf-Verschuldung von zuletzt 424 Euro (Ende 2021) würde mit diesem Investitionsprogramm bis Ende 2022 auf 1199 Euro steigen.

Die Fraktionen im Marktgemeinderat hatten sich im Vorfeld gut abgestimmt. Diskussions- oder Kommentierungsbedarf gab es nicht mehr.

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