WÜRZBURG

Sonnige Aussicht: MHKW demnächst schuldenfrei

Kleiner Rest: Die letzten Schulden des Zweckverbands Müllheizkraftwerk Würzburg sollen bald beglichen werden.
Foto: ArchivNorbert Schwarzott | Kleiner Rest: Die letzten Schulden des Zweckverbands Müllheizkraftwerk Würzburg sollen bald beglichen werden.

Mit soliden Wirtschaftsdaten kann der Zweckverband Abfallwirtschaft im Raum Würzburg für das Geschäftsjahr 2011 aufwarten. Mit knapp 220 000 Tonnen Abfall, die im Müllheizkraftwerk (MHKW) am Würzburger Faulenberg verfeuert wurden, liegt der Zweckverband rund 22 Prozent über den Planungen. Die Leiterin der Finanzabteilung des Zweckverbands, Heike Guckenberger, präsentierte die Zahlen in der jüngsten Sitzung der Verbandsversammlung.

Mit 63 400 Tonnen Haus- und Sperrmüll aus dem Verbandsgebiet – der Stadt Würzburg sowie den Landkreisen Würzburg und Kitzingen – bliebt das MHKW in etwa auf Vorjahresniveau. Gleiches gilt für die Müllmengen, die der Zweckverband auf der Basis von Kooperationsverträgen aus anderen Städten und Landkreisen geliefert bekommt (81 400 Tonnen). Der Großteil davon stammt aus den Landkreisen Weißenburg/Gunzenhausen, Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Ansbach sowie dem schwäbischen Ostalbkreis, die ihren Hausmüll vollständig in Würzburg verbrennen lassen.

Über den Erwartungen

Dass die Zahlen trotzdem deutlich über den Erwartungen liegen liegt vor allem am Gewerbeabfall zu energetischen Verwertung. Hier hatte der Zweckverband mit einem Einbruch von 66 000 Tonnen im Vorjahr auf 35 000 Tonnen gerechnet. Stattdessen wanderten 61 000 Tonnen in die Müllöfen und bescheren dem Zweckverband die Aussicht auf ein sattes Plus in der Endabrechnung.

Insgesamt wurden in den drei Ofenlinien 216 000 Tonnen verfeuert, davon 145 000 Tonnen Haus- und Sperrmüll und 8200 Tonnen Klärschlamm. Es entstanden daraus 88 Millionen Kilowattstunden Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist wurden und 43,5 Millionen Kilowattstunden Energie in Form von Dampf, der über das Fernwärmenetz der Würzburger Stadtwerke genutzt wird.

Die gleichzeitige Nutzung von Strom und Wärme beschert dem MHKW einen Energieeffizienz-Faktor von 0,63, das heißt vom gesamten Heizwert des verbrannten Mülls werden 63 Prozent in Form von Strom und Dampf genutzt. Mindestens 60 Prozent sind nötig, damit das Werk nach der europäischen Abfallrahmenrichtlinie als Anlage zur thermischen Verwertung anerkannt ist. Auf die thermische Verwertung von Gewerbeabfällen ist das MHKW angewiesen. Knapp 30 Prozent der verwerteten Abfälle und ein Fünftel des Umsatzes entfallen auf dieses Segment.

Solide Zahlen bescheren dem Zweckverband auch wirtschaftlich eine solide Basis. Die Schulden des Verbands, vor allem verursacht durch den Bau der Anlagen in den 80er und 90er Jahren und deren wiederholte Nachrüstung, lagen 2004 noch bei knapp 66 Millionen Euro. Davon ist bis dato ein kleiner Rest von 1,5 Millionen Euro übrig geblieben, der bis 2014 komplett getilgt sein wird, so Guckenberger. Gleichzeitig bildet der Zweckverband seit Jahren Rückstellungen für die irgendwann einmal erforderliche Erneuerung der Öfen. Auf rund 20 Euro ist diese Rücklage mittlerweile angewachsen.

Welche wirtschaftliche Bedeutung die Kooperation mit anderen Gebietskörperschaften hat, zeigt ein Blick in den geprüften Jahresabschluss von 2009, der der Verbandsversammlung vorgelegt wurde.

Kommunale Partner sind wichtig

Am Umsatzvolumen des Zweckverbands von 31,4 Millionen Euro haben die kommunalen Partner aus Mittelfranken und Schwaben einen Anteil von 10,6 Millionen oder rund 33 Prozent. Die Haushalte im Verbandsgebiet steuerten lediglich 7,2 Millionen Euro oder 22 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Ein Fünftel seines Umsatzes oder 6,5 Millionen Euro bezog der Verband 2009 aus dem Verkauf von Strom und Dampf und 6,2 Millionen Euro aus der energietischen Verwertung von Abfällen.

Bei 5,2 Millionen Euro lag in diesem Zeitraum der Reingewinn, obwohl der Zweckverband die Verbrennungsgebühr zum Jahresbeginn für die Verbandsmitglieder von 129 auf 112 Euro pro Tonne gesenkt worden war. Der Preisdruck, den Überkapazitäten auf dem Markt der energetischen Verwertung aufgelöst haben, ließ die Aussichten zuletzt auch beim Würzburger MKWH schwinden. Für die Jahre 2010 und 2011 rechnet der Zweckverband deshalb in etwa mit einer Halbierung des Gewinns.

Trotzdem bleibt genug Spielraum, um im kommenden Jahr die Verbrennungsgebühr erneut zu senken. Wie hoch die Senkung ausfällt, steht noch nicht fest. Darüber muss die Verbandsversammlung in ihrer nächsten Sitzung entscheiden. Für die Verbraucher im Verbandsgebiet ändert sich dadurch aber aller Voraussicht nach wenig. Denn: An den privaten Müllgebühren, die jeder private Haushalt zahlen muss, hat die Verbrennungebühr im Schnitt nur einen Anteil von 25 bis 30 Prozent.

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