Würzburg

Standpunkt: Mehr als eine Platz-Frage

Der Bürgerentscheid über den Faulhaber-Platz hat schon jetzt – eine halbe Woche vor dem eigentlichen Abstimmungstag – einen Erfolg: Er bewegt deutlich mehr Würzburger, als fast alle früheren Bürgerentscheide. Das liegt zum einen daran, dass Briefwähler erstmals keine Unterlagen beantragen müssen, sondern frei Haus bekommen.

Zum anderen interessiert die Gestaltung des Faulhaber-Platzes wohl doch mehr Menschen, als man anfangs erwarten konnte. Geht es ja vermeintlich nur um einen kleinen Parkplatz, der künftig keiner mehr sein soll. Im Wahlkampf der letzten Wochen wuchs die Bedeutung des Bürgerentscheids allerdings deutlich über Nutzung und Gestaltung des städtischen Grundstücks hinaus.

Befürworter des Ratsbegehrens malen den Tod des Würzburger Einzelhandels an die Wand, falls an den Faulhaber-Platz keine 120 unterirdischen Stellplätze kommen. Die andere Seite fährt als Drohkulisse den Tod von Würzburger Bürgern durch Luftschadstoffe auf.

Die Wahl ist zu einer politischen Richtungsentscheidung geworden. CSU, SPD, FDP-Bürgerforum, FWG und WL glauben, dass Besucher weiterhin in erster Linie mit dem Auto in die Innenstadt kommen wollen und diese deshalb genügend Parkplätze braucht, um möglichst viele Menschen anzuziehen. Sie argumentieren: Tiefgaragen ausbauen, um Oberflächenparkplätze abzubauen und so den Parksuchverkehr zu verringern. Grüne, ÖDP, ZfW und Linke meinen dagegen, dass Besucher auch ÖPNV oder Rad nutzen werden, wenn hier mehr investiert wird. Sie verknüpfen das Nein zur neuen Tiefgarage mit einem Ja zu Alternativen. Ihre Argumente: weniger Luftverschmutzung, mehr Aufenthaltsqualität.

Der Bau der Straßenbahn ans Hubland, eines Park & Ride-Platzes oder guter Radwege – das sind wichtige Maßnahmen, um die Verkehrsbelastung der Innenstadt zu verringern. Dagegen ist der Unterschied zwischen 120 Parkplätzen mehr oder weniger, oder zwischen mittelgroßen und richtig großen Bäumen am Faulhaber-Platz weniger entscheidend. Und dennoch ist es wichtig, dass durch den Bürgerentscheid „Faulhaber-Platz“ eine Debatte über die Zukunft der Stadt angestoßen wurde.

Die im Aktionsbündnis „Grüner Platz am Theater“ engagierten Bürger haben bereits jetzt etwas erreicht. Erstens hat sich die Politik bewegt: Oberbürgermeister, Verwaltung und die Stadtratsmehrheit sind ein deutliches Stück „grüner“ geworden. Vor zwei Jahren wollten sie nämlich am Faulhaber-Platz noch ein sechsgeschossiges Gebäude bauen. Jetzt wollen sie dort Bäume und versprechen außerdem, Oberflächenparkplätze abzuschaffen.

Wie die Diskussionen in den sozialen Medien und in Leserbriefen zeigen, bewegt der Verkehr in der Innenstadt auch viele Bürger. Das ist der zweite Erfolg des Aktionsbündnisses: Mehr Menschen beschäftigen sich mit dem Thema und mehr denken darüber nach, dem Autoverkehr nicht immer Vorfahrt zu geben.

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