Würzburg

Standpunkt: Warum das Moz nervt und der Bürgerentscheid trotzdem wichtig ist

Podiumsdiskussion zum Moz       -  Das Moz sorgt für Diskussionen - in der Stadt und auch innerhalb der der Politik.
Foto: Daniel Peter | Das Moz sorgt für Diskussionen - in der Stadt und auch innerhalb der der Politik.

Das damals geplante Einkaufszentrum der „Würzburg Arcaden“ war im Dezember 2006 sicher ein spannenderes Thema für einen Bürgerentscheid als die Abstimmung am kommenden Sonntag. Denn das Moz ist nicht nur eine alte Schule, sondern vor allem ein altes Thema, das weniger polarisiert wie seinerzeit eine 20.000-Quadratmeter-Shopping-Mall am Bahnhof und ihre möglichen Auswirkungen auf die Innenstadt. Zusätzlich frustriert beim Thema Mozartschule die verwirrende Politik des Würzburger Stadtrats mit zahlreichen Wendungen in den vergangenen Jahren. Trotzdem: Wer am Sonntag beim Moz-Entscheid mitstimmt, kann die Stadt ein Stück voran bringen.

Würzburgs Stadtbaurat Christian Baumgart hat das Mozartareal als „Herausforderung“ bezeichnet. Die großen Parteien im Stadtrat haben diese nicht gemeistert. Das bürgerlich-konservative Lager von Oberbürgermeister Christian Schuchardt hat aus taktischen Gründen den Teilerhalt in die Kommunalwahl und auf den Stimmzettel des Entscheids gebracht: Wer am Sonntag für die Neugestaltung des Areals stimmt, stimmt entweder für den Teilerhalt oder den Gesamtabriss der Schule. Obwohl Schuchardt persönlich den Teilerhalt längst nicht mehr will, lässt er die Bürger glauben, dass dieser eine ernsthafte Alternative sei – je nach Ausgang einer angekündigten, aber nicht näher definierten Bürgerbefragung.

Das heißt: Wer am Sonntag das Ratsbegehren für die Neubebauung des Moz-Areals ankreuzt, weiß nicht, was er dafür bekommt: Teilabriss oder Gesamtabriss.

Auch die SPD ist an der „Herausforderung“ gescheitert. Erst kurz vor dem Bürgerentscheid die mehrheitliche Linie im Stadtrat zu verlassen und sich den Abrissgegnern anzuschießen, könnte noch mit einem typischen Zaudern erklärt werden. Doch seit ihrer Wende vor drei Wochen haben Fraktion und Partei keine großen Anstalten mehr gemacht, ihre Argumente zu vertiefen: Weder werben sie für ihren Vorschlag, Teile des Mainfranken Theaters in der Mozartschule unterzubringen, noch führen sie die Diskussion über das von ihnen aus dem Hut gezauberte Mittelschulzentrum, das dort angesiedelt werden soll. Und wer das Bürgerbegehren „Rettet das Moz“ ankreuzt, weiß zumindest am Faulhaber-Platz nicht, was er bekommt: Einen grünen Park, den die Bürgerinitiative will, oder eine „maßvolle Bebauung“, wie sie die SPD vorschlägt?

Für Würzburgs Grüne ist der Entscheid eine besondere Herausforderung. Die Fraktion mit ihrem Vorsitzenden Matthias Pilz will das Moz-Areal aus vorwiegend wirtschaftlichen Gründen bebauen – auch wenn die grüne Basis und der eigene Kreisverband mit Argumenten wie Umweltschutz und Bürgermitbestimmung dagegen kämpft. Ob dem Fraktionschef der Verrat grüner Ideale bekommen wird?

Beim Moz-Entscheid ist leider vieles noch offen: Der mögliche Investor zeigt Skizzen und keine fertigen Pläne. Was genau auf dem Grundstück zwischen Hofstraße und Faulhaber-Platz entstehen und wie es aussehen soll, steht noch nicht fest. Die Bürgerinitiative hat viele Ideen, wie man die sanierte Mozartschule nutzen könnte. Doch was davon ist finanzierbar und politisch durchsetzbar? Man weiß es nicht. Dennoch haben die Würzburger eine Wahl: Wollen sie ihre Stadt verändern oder ein Stück von ihr bewahren? Wollen sie, dass die Innenstadt noch ein paar Geschäfte, Hotels und viele Wohnungen bekommt? Oder wollen sie dort lieber Geld für eine Schule und alternative oder etablierte Kultur ausgeben?

Es geht am Sonntag um eine prinzipielle Richtung, in die sich diese Stadt entwickelt. Nur eine hohe Wahlbeteiligung wird der Politik ein deutliches Signal geben. Dass die Würzburger Kommunalpolitik diese Hilfe braucht, zeigt die Endlos-Diskussions-Schleife im Stadtrat in den vergangenen Jahren.

Beim Arcaden-Entscheid 2006 war die Wahlbeteiligung mit 43 Prozent fast so hoch wie bei der jüngsten Kommunalwahl (45 Prozent). Das knappe Nein der Würzburger zum Einkaufszentrum haben dann alle akzeptiert. Heute sagen nicht wenige von denen, die damals behaupteten, Würzburg gehe ohne eine Shopping-Mall am Bahnhof den Bach runter, dass sie froh über die Entscheidung der Bürger sind.

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