Würzburg

Streit in der Feuerwehr: Landrat Eberth will einen Ehrenkodex

Der Schwelbrand an der Spitze der Landkreis-Feuerwehr ist noch nicht gelöscht. Landrat Thomas Eberth ist optimistisch. Und es gibt eine neue Führungskraft an der Spitze.
Im September war Landrat Thomas Eberth (links) im Feuerwehrzentrum Klingholz, um dort den Feuerwehrbedarfsplan vorzustellen. 
Foto: Thomas Fritz | Im September war Landrat Thomas Eberth (links) im Feuerwehrzentrum Klingholz, um dort den Feuerwehrbedarfsplan vorzustellen. 

Zwei Kreisbrandinspektoren sind zurück getreten, zwei Kreisbrandmeister wurden entlassen. Es brodelt auf höchster Führungsebene in der Würzburger Landkreis-Feuerwehr. Vor allem zwischen dem obersten Feuerwehrmann, Kreisbrandrat (KBR) Michael Reitzenstein, und seinen vier Stellvertretern gibt es schwere Differenzen. Landrat Thomas Eberth will wieder für Ruhe sorgen, denn gerade jetzt, wo ein Impfzentrum aufgebaut werden muss und viele logistische Herausforderungen zu bewältigen sind, ist er auf die freiwilligen Feuerwehren angewiesen. 

Videokonferenz mit den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehren 

Montagabend im Würzburger Landratsamt: Per Videokonferenz waren Landrat und Kreisbrandrat mit den Feuerwehrkommandanten der 113 Feuerwehren verbunden. Mehr als 140 Teilnehmer hatten sich angemeldet. Zunächst bekamen sie reichlich Informationen. Der Feuerwehrbedarfsplan wurde vorgestellt, Neuigkeiten zum Feuerwehrzentrum im Klingholz weitergegeben und über den Atemschutzpool gesprochen. Alles hatte den Anschein einer normalen Dienstversammlung, die Landrat Eberth gerne von Angesicht zu Angesicht abgehalten hätte. Doch das aktuell hohe Infektionsgeschehen der Corona-Pandemie ließ das nicht zu. 

Auch Landrat Eberth muss Kritik einstecken

In der Kritik: Kreisbrandrat Michael Reitzenstein
Foto: Thomas Obermeier | In der Kritik: Kreisbrandrat Michael Reitzenstein

"Es war trotzdem gut, dass wir wieder beieinander waren", äußerte sich Landrat Eberth nach der Konferenz im Gespräch mit dieser Redaktion. Dabei räumte er ein, dass es auch kritische Fragen und Anmerkungen von den Feuerwehrleuten gegeben habe.

Auch er selbst musste sich erklären. "Ich wurde gefragt, warum ich noch nicht mit Kreisbrandinspektor (KBI) Winfried Weidner gesprochen habe." Bemängelt wurde auch die Informationspolitik. Dass die Kommandanten der örtlichen Feuerwehren erst durch die Berichterstattung dieser Redaktion von den Differenzen zwischen Reitzenstein und seinen Stellvertretern erfahren hatten, sei nicht gut angekommen, so Eberth. Er habe dazu den Eindruck gewonnen, dass die Kommandanten hinter ihrem KBR stünden.

Ein neuer Kreisbrandinspektor ist gefunden

Dabei geht es vor allem um einen Brief an den Landrat, der von allen vier Kreisbrandinspektoren unterzeichnet ist. Im Wesentlichen kritisieren sie die Führungsqualitäten des Kreisbrandrats und beklagen, dass sie bei der Einsatzplanung nicht beteiligt werden. Weil dieses vertrauliche Schreiben öffentlich wurde, sehen Eberth und sein Kreisbrandrat das Vertrauensverhältnis zu den KBI's gestört und leiteten ihre Abberufung ein. Daraufhin traten Christian Neeser aus Aub und Mathias Olbrich aus Oberpleichfeld zurück. Heiko Drexel, zuständig für den Bereich Mitte, "distanziert sich von den Vorgängen und will weiter mitarbeiten", schildert Eberth. Und zu einem Gespräch mit KBI Weidner sei er noch nicht gekommen. Das soll aber bald stattfinden.  

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Für den zurück getretenen KBI Olbrich, der bislang für den Nord-Osten zuständig war, gibt es mittlerweile einen Nachfolger. Kreisbrandmeister Markus Fleder aus Rimpar wird diesen Bereich künftig übernehmen, teilte Kreisbrandrat Reitzenstein mit. Von den Kommandanten habe es dazu keinen Widerspruch gegeben. Ein Nachfolger für Neeser, der für den südlichen Landkreis zuständig war, stehe hingegen noch nicht fest. "Aber es gibt viele Bewerber", so Reitzenstein. 

Reitzenstein hat auch vor, die einzelnen Inspektionsbereiche zu stärken. Mehr Kreisbrandmeister sollen auf die Feuerwehren verteilt werden. Zur Zeit seien zwölf mit der Betreuung der Feuerwehren vor Ort betraut, Reitzenstein möchte diese Zahl auf 15 erhöhen. "Damit die Kommandanten ihre Ansprechpartner öfter sehen", so der KBR. Er will zudem auch andere Kommunikationswege finden und wieder regelmäßige Besprechungen abhalten. Und Landrat Eberth will mit der Führungsspitze der Feuerwehr in Klausur gehen. Auch um eine Art Ehrenkodex zu formulieren, "um vorhandene Fehler nicht nochmal zu machen". 

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