Würzburg

Studenten engagieren sich für Flüchtlinge

Mit „Behördenkram“ klarzukommen, ist schon für deutsche Bürger schwierig. Flüchtlinge fühlen sich damit oft völlig überfordert. In Würzburg helfen ihnen Sprach- und Kulturmittler, behördliche Hürden zu überwinden. Der Dienst ist Teil des Projekts „Willkommen in Würzburg“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Hier wie in vielen anderen Initiativen in Bayern engagieren sich vor allem auch Studierende. „Rund 40 sind derzeit bei uns aktiv“, sagt die Würzburger Migrationsberaterin Natalie Touma.

Über das Lehrprogramm „Human Care“ der Universität werden in Würzburg Studierende mit Lust auf ein Ehrenamt passgenau in Flüchtlingsprojekte vermittelt. „Wir sind mit etwa einem Dutzend Gruppen und Projekten in Kontakt“, sagt Dominik Egger von „Human Care“. Integriert ist die vor gut einem Jahr gestartete Initiative in das deutschlandweit einmalige Lehrprojekt „Globale Systeme – Interkulturelle Kompetenz“ (GSIK).

Helfer mit Zertifikat

Über 1000 Würzburger Studierende nehmen im Moment an GSIK teil. Rund 200 davon ließen sich inzwischen von „Human Care“ eine Einsatzstelle als Flüchtlingshelfer vorschlagen. Wer sich mindestens zehn Stunden im Semester für Geflüchtete engagiert und außerdem zweimal an einem Reflexionstreffen teilnimmt, hat die Hälfte jener Leistungen zusammen, die für das begehrte GSIK-Zertifikat notwendig sind. „Die meisten Studierenden engagieren sich jedoch weit über die zehn Stunden hinaus“, sagt Egger. Um möglichst professionell zu arbeiten, nehmen die Teilnehmer von „Human Care“ außerdem häufig freiwillig an Workshops und Vorträgen teil. Dabei geht es zum Beispiel um Migrantenmedizin oder Traumaverarbeitung.

Würzburg ist keine Ausnahme. An vielen Hochschulstandorten engagieren sich Studierende für Flüchtlinge. So sind auch in Passau etliche „Studis“ aktiv. „Das größte ehrenamtliche Projekt der Stadt stemmt meines Wissens unsere Evangelische Studierendengemeinde“, sagt Florian Kammermeier, der in Passau Staatswissenschaften studiert und in der ESG aktiv ist. Schon vor 30 Jahren boten Freiwillige der ESG Deutschkurse für Spätaussiedler und Geflüchtete an: „Heute haben wir sieben parallele Sprachkurse.“ An die 50 Sprachpaten sind aktuell im Einsatz.

Auch an kleineren Hochschulen setzen sich junge Leute neben ihrem Studium für Flüchtlinge ein. Zum Beispiel an der Technischen Hochschule Deggendorf, wo derzeit 25 Geflüchtete eingeschrieben sind. „Wir haben im vergangenen Semester ein Patenschaftsprogramm ins Leben gerufen“, berichtet Julia Lang, die als eine von zwei studentischen Hilfskräften in Deggendorf für das ehrenamtliche Engagement für Geflüchtete verantwortlich ist. 27 Studierende helfen Flüchtlingen derzeit bei allen Fragen rund ums Studium sowie beim Verbessern ihrer Deutschkenntnisse.

An der Hochschule Landshut engagiert sich ein fester Kreis von 15 bis 20 Studierenden in der vor zwei Jahren gestarteten Hochschulinitiative für Flüchtlinge. Seit diesem Jahr gibt es ein „Buddy-Programm“, bei dem deutsche Studenten, „Buddys“ genannt, ausländische Studierende unterstützen. „Hier nehmen Ehrenamtliche aller Fakultäten teil“, berichtet Stefan Borrmann, Dekan der Fakultät Soziale Arbeit und Kontaktperson für die Initiative.

Studierende der Hochschule Coburg engagieren sich unter anderem in der Initiative „Kochen für Weltbürger“ sowie in einem Frühstückstreff für Geflüchtete. Wer „Internationale Soziale Arbeit und Entwicklung“ studiert, schnuppert im zweiten Semester hinter die Kulissen von Organisationen, die Flüchtlingsarbeit leisten.

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