WÜRZBURG

Süß trägt Obamas Kleid auf

Auftrag „auftragen“: Birgit Süß mit Auma Obama's Glitzertraum in Gold, am Tag nach der Minx Fashion-Night in der Residenz.
| Auftrag „auftragen“: Birgit Süß mit Auma Obama's Glitzertraum in Gold, am Tag nach der Minx Fashion-Night in der Residenz.

Laut, bunt und teilweise lustig war die Rosa-Hilfe-Gala im Bockshorn, deren Reinerlös traditionell in die Beratungstätigkeit zu schwulen Themen investiert wird.

Die Sensation des Abends war das Kleid von Birgit Süß: Der märchenhafte Glitzertraum in Gold, am Samstagabend noch an Auma Obama bei der Minx Fashion-Night in der Residenz zu bewundern, wurde von der Moderatorin auf der Boxhornbühne quasi „aufgetragen“. Dass Frau Obama einige Zentimeter größer ist als Frau Süß und die edle Second-Hand-Robe für letztere deshalb eigentlich zu lang, tat der Schönheit keinen Abbruch. Und die Süßsche Prophezeiung „Irgendwann haut's mich heute Abend ganz sicher aufs Maul“, erfüllte sich auch nicht.

Es fiel auch keiner richtig durch bei dieser Gala mit Texten, Songs und Tänzen. Aber zwei fielen aus dem Rahmen: Mary Menthol und Doris Dolores, deren uninspirierte Playback-Travestie-Show und schon tausendmal gehörte Witze selbst das hoch motivierte Publikum zum Gähnen brachten. Dass Mary Menthol zum Schluss auch noch eine komplett von der Münchner Kabarettistin und Autorin Sarah Hakenberg geklaute Nummer präsentierte, war einfach nur peinlich. Dafür glänzten die anderen Künstler, die wie alle Mitwirkenden auf Gage verzichtet haben: Sebastian Eicke und Arshad Hassan mit ihrer musikalischen Zeitreise. Birgit Süß mit frechen Sprüchen, als Kabarettistin und als Sängerin, begleitet von Antonio Cusato. Heike Mix allein mit ihren Waxing-Erfahrungen und zusammen mit Süß im Altersheim. Peter Kuhn, bekannt aus der „Fastnacht in Franken“, mit märchenhaften Gedichten in guter, alter Ringelnatz- und Heinz-Erhard-Tradition. Sotto Voce, der beliebte Chor des schwul-lesbischen Wuf-Zentrums am Niggelweg, mit gefühlvollen Balladen und bekannten Hits.

Und natürlich SLTSCH, zwei erfrischend gut gelaunte Frauen, die bekannten Liedern neue, unverblümte und gerne mal ein bisschen derbe Texte verpassen. Was dabei herauskommt, sind zum Beispiel eine Ode an die Menstruation unter dem Titel „An Tagen wie diesen“, der bitter-süße Würzburg-Song oder das „Lied der Empörung“ über die Mädels, die bei Heidi Klum ihr Heil suchen.

Apropos Heil. Dass Birgit Süß sich am Ende der Show noch überreden ließ, ihre grandiose Eigenproduktion „Eva, du hast den Führer geküsst“ zu singen, versöhnte mit den kleinen Unzulänglichkeiten dieser (viel zu) langen Gala.

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